Ein Begegnungsort für Menschen aus verschiedenen Kulturen – dafür steht der Gemeinschaftsgarten der Stadt Horb. Integrationsbeauftrage Mareike Stürzebecher und Pressesprecherin Inge Weber erzählen unserer Redaktion mehr über das Projekt.
Seit 2017 kommen Menschen im Gemeinschaftsgarten der Stadt Horb zusammen. Sie alle haben zwei Dinge gemeinsam: Die Freude am Gärtnern und die Lust am Austausch mit Menschen aus unterschiedlichen Kulturen.
Mit dem Garten möchte die Stadt zwei Ziele verfolgen, wie die Pressesprecherin der Stadt Horb, Inge Weber, erzählt. Das erste Ziel: Integration und Begegnungen von Menschen ermöglichen. Das zweite Ziel steht unter einem städtebaulichen Aspekt: Die Erhaltung der Sommerhalde als Garten.
Die Hälfte der Beet-Besitzer sind laut der Integrationsbeauftragten Mareike Stürzebecher Menschen, die nicht in Deutschland geboren wurden. „Es ist ein Integrationsprojekt und daraus können Freundschaften entstehen.“ Stürzebecher weiß: „Essen bringt zusammen.“ Die Menschen seien bereit, ihren kulinarischen Horizont zu erweitern. „Das find’ ich eine sehr gute Entwicklung.“
Mehr Wertschätzung für Lebensmittel
Hier zeige sich auch ein weiterer Trend: Menschen würden es wieder mehr zu schätzen wissen, dass man selbst Lebensmittel anbauen kann. „Wenn beispielsweise die Tochter mit der Mutter oder dem Vater mitgeht und sich mit dem Thema Gärtnern beschäftigt, lernen die Kinder auch eine ganz andere Wertschätzung von Lebensmitteln. Sie lernen, was es eigentlich bedeutet, Lebensmittel anzubauen.“ Man würde die Lebensmittel nicht so schnell wegschmeißen. Weber, die selbst gerne gärtnert, ist sich sicher: „Die eigenen Tomaten sind einfach unschlagbar!“
Vielfalt der angebauten Produkte
Ein weiterer Vorteil des Gemeinschaftsgartens: Die Vielfalt der angebauten Produkte kann sich erhöhen. „Der Gemeinschaftsgarten ist quasi eine kleine Gartenmesse“, sagt Weber lächelnd. Die Hobbygärtner könnten durch ihre verschiedenen Hintergründe mehr über unterschiedliche Anbautechniken erfahren und so auch neue Geschmäcker kennenlernen. Ein großer Mehrwert für alle sind sich die beiden sicher.
Große Nachfrage nach Gärten
Und wie kommt man an so ein Beet im Gemeinschaftsgarten? „Es wird im Amtsblatt ausgeschrieben, wenn ein Beet frei wird. So hat jeder die Möglichkeit, sich darauf zu bewerben“, antwortet Stürzebecher. Und die Nachfrage nach Gärten ist groß, wie sie außerdem berichtet. „Die Menschen, die dort einen Garten haben, wissen das sehr zu schätzen.“ Aus diesem Grund würden die meisten Beete auch sehr lange in einer Hand bleiben.
„Viele würden sogar gerne ein zweites Beet haben.“ Da es aber so viele Interessierte gibt, müssten diese dann vertröstet werden. Hinzu kommt, dass es in Horb keine Kleingarten-Anlage gibt. „Wir haben wenig Gärten seitens der Stadt“, sagt Weber. Deshalb sei die Nachfrage auch so hoch. „Nicht viele haben einen eigenen Garten, deswegen ist es für sie sehr wertvoll.“
Insgesamt 14 Beete gibt es zurzeit im Gemeinschaftsgarten. Es sollen aber noch weitere Beete entstehen. Für die Nutzung entfällt ein Kostenbeitrag von fünf Euro im Jahr. „Es ist kein Projekt, an dem die Stadt Geld verdient.“ Der Stadt sei es vor allem wichtig, dass die Gärten bewirtschaftet werden. Vor allem wegen der schweren Bedingungen in der Sommerhalde: „Es ist nicht barrierefrei, man muss alles von Hand hochtragen“, erzählt Weber.
Gemeinschaftsgarten als Win-Win-Situation
Zudem greift die Stadt Horb nicht in das Geschehen ein. Die Beet-Besitzer müssten sich selbst organisieren. „Das ist etwas, bei dem man auch die Integration fördert. Man muss sich einigen, wer was macht. Das fördert auch die Sprachverständigung“, so die Integrationsbeauftragte. Aber was über alldem stehe: Den Spaß am Gärtnern vermitteln.
Inge Weber sieht den Gemeinschaftsgarten als eine Win-Win-Situation: „Ich hab’ eine Belebung dieser Gärten, ich produziere Lebensmittel, ich fördere die Integration, ich biete den Menschen die Möglichkeit, sich zu begegnen. Es hat für die Stadt nur Vorteile.“ Und auch die Beet-Besitzer profitieren: „Es entsteht ein Zugehörigkeitsgefühl zur Stadt. Man hat sein eigenes Projekt, hat Kontakte im Gemeinschaftsgarten. Es ist ähnlich, wie wenn man in einem Verein ist“, ergänzt Stürzebecher.
So entstand der Gemeinschaftsgarten
Sommerhalde
Die Sommerhalde ist historisch wichtig für Horb. Früher gehörte der Garten den Einwohnern von Horb, die aufgrund von beengten Wohnverhältnissen hierherkamen und sich selbst Gemüse und Obst angepflanzt haben. Bevor die Stadt den Garten übernahm, war er herrenlos, da die Unterhaltung sehr teuer war.
Gartenschau
Im Rahmen der Gartenschau im Jahr 2011 übernahm die Stadt Horb dann das Eigentum an dem herrenlosen Garten in der Sommerhalde. Für die Gartenschau wurde dieser aufwendig saniert. Die Rebstöcke, die noch im Garten zu finden sind, erinnern an diese Zeit. Seit über 13 Jahren stehen sie nun schon dort. Die Stadt wollte den Garten nach der Gartenschau jedoch nicht an eine Einzelperson vermieten, da mehrere Personen von ihm profitieren sollten. Also entwickelte die Stadt Horb einen Ideenwettbewerb, woraus letztendlich die Idee zum Gemeinschaftsgarten und zum Integrationsprojekt entstand. Im Jahr 2017 wurde diese Idee schließlich umgesetzt.