Der Hüfinger Gemeinderat hat sich nach ausgiebiger Diskussion eindeutig für den Fortbestand der Sauna im Hallenbad Aquari ausgesprochen. Foto: Rainer Bombardi

Der Gemeinderat verwirft die angeregte Schließung der Sauna im Hallenbad Aquari. Denn die Freizeiteinrichtung sorge laut den Räten für Attraktivität der Stadt. Jetzt sollen andere Optionen für die Kinderbetreuung gesucht werden.

Die Entscheidung ist gefallen. Nach einer jahrelangen, regelmäßig wiederkehrenden Diskussion hat sich der Gemeinderat bei 13 Ja- und fünf Gegenstimmen für den Fortbestand der Sauna im Hallenbad Aquari ausgesprochen. Damit enden die Zeiten, in denen die Einrichtung immer wieder aufs Neue auf den Prüfstand gestellt wurde.

 

Die Eindeutigkeit des Ergebnisses ist auch darauf zurückzuführen, dass nicht alle Fraktionsmitglieder der CDU gegen einen Weiterbetrieb der Sauna votierten. Den Ausschlag für das Votum gaben Kerstin Skodell (SPD) und Christof Faller (CDU).

Kita-Plan wird nicht mehr verfolgt

Skodell beantragte, die Saunadiskussion vor der Präsentation einer Machbarkeitsstudie zum Saunaumbau in eine Kindertagesstätte zu führen. Faller war es leid, erneut über einen auf vorerst ein Jahr begrenzten Weiterbetrieb zu diskutieren. Er beantragte, einen zeitlich nicht limitierten Beschluss pro oder contra Sauna.

„Ich selbst bin auch Saunagänger. Doch Fakt ist, eine Sauna muss weiterentwickelt werden, wenn sie attraktiv bleiben soll“, so CDU-Fraktionssprecher Christof Faller. Foto: Roland Sigwart

Parallel zu diesem Beschluss wird die von der Verwaltung an das Architekturbüro Streit vergebene Machbarkeitsstudie zur Integration einer Kindertagesstätte im Saunagebäude nicht mehr weiterverfolgt. Stattdessen wird Bernhard Streit in einer der nächsten Sitzungen für den Bau einer weiteren Kindertagesstätte alternativ eine Containerlösung präsentieren.

Vor der Sitzung brodelt es

Bereits zu Beginn der Sitzung brodelte es während der Bürgerfragestunde im Hinblick auf eine mögliche Schließung der Sauna gewaltig. Diesbezüglich war in Richtung Verwaltung auch mehrfach vom Missbrauch des Mitteilungsblatts zur Darstellung der eigenen Meinung die Rede.

Mehrere Bürger zweifelten die Interpretation an, dass aus dem im Mitteilungsblatt veröffentlichten Sauna-Strategiekonzept einer beauftragten Fachfirma eine Schließung hervorgeht. Bürgermeister Michael Kollmeier forderte die Anwesenden auf, die Diskussion im Gemeinderat zu diesem Thema abzuwarten.

In der Gemeinderatssitzung sprechen sich viele Zuhörer für den Erhalt der Sauna im Hüfinger Hallenbad Aquari aus. Foto: Rainer Bombardi

In dieser unterstrich CDU-Fraktionssprecher Christof Faller sein Votum gegen eine Einrichtung, die nach seiner Meinung seit Jahren nicht mehr das einhält, was man sich von ihr erhofft hatte. Zudem ging er von unkalkulierbaren Sanierungskosten in spätestens zehn Jahren aus. „Ich selbst bin auch Saunagänger. Doch Fakt ist, eine Sauna muss weiterentwickelt werden, wenn sie attraktiv bleiben soll“, fügte Fraktionschef Faller hinzu. Stadtrat Egon Bäurer (CDU) definierte in seiner Stellungnahme im Gegensatz zum Erhalt eines Hallenbades eine Sauna als „keine Kernaufgabe“ einer Stadt.

Sauna als Standortfaktor

Fraktionssprecherin Kerstin Skodell (SPD) verweis darauf, dass sich die Stadt zum Wohl ihrer Bürger einige defizitäre Bereiche wie etwa Museen und Ähnliches leistet. „Das ist gut so und sollte bei den Diskussionen um die Attraktivität einer Stadt in Betracht gezogen werden“, plädierte sie für den Saunaerhalt. In Bezug auf die Prognose der Besucherzahlen forderte sie die Rückkehr zu einem regulären Betrieb mit den ursprünglichen Öffnungszeiten und diversen Aktionen ein.

SPD-Stadtrat Reinhard Isak sprach sich dafür aus, in einer strukturarmen Stadt wie Hüfingen auf Standortfaktoren wie eine Sauna zu setzen. „Wir haben die jüngste Bevölkerung im Landkreis. Das kommt nicht von ungefähr“, plädierte er, diese Dienstleistungen im Sinne der Bevölkerung zu erhalten.

Sauna mache die Stadt lebenswert

„Eine Sauna trägt zur Aufwertung des städtischen Angebots bei und dient der Gesundheitsvorsorge“, hielt Fraktionssprecher Peter Albert (Bürgerforum/Die Grünen) die Aussagen zur Sauna als Luxusgut für unangebracht. „Schon bei den Römern spielen Schwitzbäder eine Rolle“, spielte er auf die römische Vergangenheit der Stadt an.

Michael Steinemann (Bürgerforum/Die Grünen) regte auch im Hinblick auf den aktuellen Personalmangel an, sich mittelfristig Gedanken über ehrenamtliches Engagement im Saunabetrieb zu machen. Als Beispiel führte Steinemann ein Betreibermodell im Stil der Sauschwänzlebahn an.

„Man sollte sich Gedanken über ehrenamtliches Engagement im Saunabetrieb machen“, sagt Michael Steinemann (Bürgerforum/Grüne). Foto: Bürgerforum Hüfingen

„Die Sauna ist in zehn Jahren abgeschrieben, dann sehen wir weiter“, plädierte FDP/FW/UWV-Fraktionssprecher Stephan Happle zugunsten der Einrichtung. Die Mischung des Angebots bezeichnete er als einen Standortfaktor, der eine Stadt lebenswert mache. „Wir haben noch andere nicht kostendeckende Punkte in der Stadt, über die wir nicht permanent diskutieren“, schickte Stadtrad Happle seiner Aussage hinterher.

Das steht im Gutachten

Besucherzahlen
Einer Mitteilung der Stadtwerke Hüfingen waren aufgrund der Untersuchungen einer Unternehmensberatung mehrere Argumente in Richtung einer Schließung zu entnehmen. Aufgeführt wurden rückläufige Besucherzahlen und zunehmender Zuschussbedarf. Sozialpolitisch nicht mehr vertretbar sei die Tatsache, dass Wassergebührenzahler die Sauna finanzierten. Eine Umnutzung dagegen brächte finanzielle Vorteile für die Stadt und neue Betreuungsplätze für Kinder.