Archivar Alfons Koch (links) und Ortsvorsteher Alexander Maurer freuen sich, dass die Arbeiten im Gemeindearchiv Unterdigisheim auf die Zielgeraden zugehen – und über so manche darin verborgene Anekdote. Foto: Dunja Kuster

Archivar Alfons Koch hat das Gemeindearchiv Unterdigisheim nahezu vollständig bearbeitet – und hat dabei kuriose Funde gemacht. Nun erstellt er ein „Findbuch“. Das Signieren und Stempeln übernimmt – bald – der Heimat- und Geschichtsverein Meßstetten.

„Jede Stadt und Gemeinde muss ein Archiv ihres Ortes aufrechterhalten. Das ist eine gesetzliche Pflichtaufgabe“, erklärt Archivar Alfons Koch vom Kreisarchiv Zollernalbkreis. Albstadt, Balingen und Hechingen beschäftigen für ihre Archivpflege eigene Archivare; in allen anderen Kommunen des Kreises hilft das Kreisarchiv aus.

 

Zum Beispiel Alfons Koch, der sich in den vergangenen Monaten durch das Gemeindearchiv Unterdigisheim gearbeitet hat: In einem Umfang von etwa 27 laufenden Metern und 1178 Verzeichniseinheiten ist dort die Geschichte der Gemeinde von 1625 bis zur Eingemeindung nach Meßstetten am 1. Juli 1972 dokumentiert.

Gemeinde- und Stadtarchive stehen jedem offen – mit zwei Einschränkungen

Für Geschichtsfreunde und Archivare wie Koch eine „wahre Schatzkiste“, wie er sagt: „Das Archiv beinhaltet wertvolles Schriftgut wie Amtsbücher, Akten, Urkunden und vieles mehr. Es bildet das Gedächtnis einer Kommune ab und sorgt für Rechtssicherheit.“

Ziel ist es, ein sogenanntes „Findbuch“ zu erstellen. Darin werden Teile eines Archivs nach Ober- und Unterthemen klassifiziert; und darunter finden sich dann die jeweiligen Unterlagen mit einer Signatur sowie Angaben zu Umfang und Inhalt. Es ist eine der ersten Anlaufstellen für Recherchen – ob beruflich oder privat. „Jeder darf in einem Gemeinde- oder Stadtarchiv forschen“, sagt Koch. Nur zwei Beschränkungen gebe es: den Datenschutz – und die Unterlagen dürfen nur unter Aufsicht vor Ort eingesehen werden.

In Rottweiler Währung wird die Geldstrafe für Frevel und Unrecht gezahlt

Auf einen Fund ist er besonders stolz: das sogenannte „Urbar“, ein Verzeichnis, das „das Verhältnis zwischen Untertanen und ihrer Herrschaft definiert hat“; in diesem Fall zwischen Unterdigisheim und der Herrschaft Werenwag – es ist eines der ältesten Schriftstücke des Gemeindearchivs.

Die „Urbar“ ist der größte Schatz und eines der ältesten Dokumente des Archivs. Foto: Kuster

Darin sind unter anderem ein „Hinweis auf den Bauernkrieg (pflichtbrüchig und abfällig)“, „Frevel und Unrecht (Geldstrafe in Rottweiler Währung)“ sowie Zehnt, Pfründe und Steuern aufgelistet.

Aber auch andere kuriose Funde hat Alfons Koch gemacht: Zum Beispiel eine Satzung der Freiwilligen Feuerwehr Unterdigisheim aus deren Gründungsjahr 1930, die früher jeder Floriansjünger erhalten habe. „Da können Sie ja bald ein großes Fest feiern“, sagt er zu Ortsvorsteher Alexander Maurer. In Gemeinderatsprotokollen von 1854 bis 1859 ist eine „Entlohnung für Feldmäusebekämpfung“ vermerkt: Für 100 abgegebene Mäuse gab es zwölf Kreuzer.

Auch Hinweise auf Auswanderer – ob nach Amerika oder ins damals badische Heinstetten – sind schriftlich festgehalten, ebenso wie der Nachlass eines Pfarrer Salzgeber von 1871/72, der unter anderem ein „Terzerol“, eine kleine Vorderladerpistole, einen Revolver und ein Messer besessen hat.

Auch Veränderungen im Unterdigisheimer Ortsbild sind erkennbar

Wie sehr sich die Gemeinde im Lauf der Zeit gewandelt hat, wird mitunter deutlich, als Ortsvorsteher Maurer einen Blick auf eine Karte wirft, welche die damalige Versorgung mit Quellwasser aufzeigt: Viele der dort eingezeichneten Gebäude gibt es entweder gar nicht mehr, oder sie haben einen neuen Zweck bekommen. Ein Haus, das zum Beispiel einst im Besitz des „Freiherrn von Ulm“ war, ist heute eine Bushaltestelle.

Viele Dokumente, Papiere und Unterlagen hat Alfons Koch gesichtet und geordnet. Foto: Koch

Diese und viele weitere Geschichten verbergen sich im Unterdigisheimer Gemeindearchiv, dessen Unterlagen inzwischen wieder im Rathaus sind – aus Platzgründen hatte Koch in anderen Räumen gearbeitet.

Sowie er mit seiner Arbeit fertig ist, übernimmt der Meßstetter Heimat- und Geschichtsverein das Stempeln und Signieren der Unterlagen. Eine „tolle Truppe“, mit der sich laut Koch die Zusammenarbeit immer wieder bewährt hatte. „Die können es kaum erwarten, endlich loszulegen.“ Wann genau das sein wird, könne er noch nicht sagen – aber allzu lange werde es nicht mehr dauern.