Bitcoins sind nichts für schwache Nerven. Foto: Studio Zeichnerei 6/Ilona Trimbacher

Die Digitalisierung hat mit Bitcoin eine neues Spekulationsobjekt hervorgebracht. Schwarmfinanzierungen gab es auch in der analogen Welt, doch durch das Internet haben sie an Bedeutung gewonnen.

Frankfurt - An der Kryptowährung Bitcoin scheiden sich die Geister. Die einen bezeichnen sie als digitales Gold, andere zweifeln angesichts des enormen Energiebedarfs und der Risiken für Anleger an der Existenzberechtigung der Cyber-Devise. Unbestreitbar ist allerdings die enorme Wertsteigerung der digitalen Münzen: In den vergangenen zwölf Monaten ist der Bitcoin-Preis von knapp 17 000 Dollar auf über 60 000 Dollar (53 000 Euro) gestiegen. Immerhin jeder fünfte Bundesbürger erwägt laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom, Geld in Kryptowährungen anzulegen. Ein Überblick über die wichtigsten Fragen.

 

Warum sind virtuelle Münzen überhaupt etwas wert?

Bitcoin hat den Beweis erbracht, dass ein Zahlungsnetzwerk ohne jede zentrale Kontrollinstanz manipulationssicher funktionieren kann. Jede Transaktion innerhalb des Bitcoin-Netzwerks wird in einem Register abgespeichert, das auf allen angeschlossenen Computern gespeichert und ständig aktualisiert wird – die sogenannte Blockchain. Dadurch kann jederzeit nachgeprüft werden, ob der Auftraggeber einer Überweisung überhaupt über den fraglichen Betrag verfügt. Auf diesem Grundprinzip beruhen auch andere Kryptowährungen – für die zum Teil technisch weit ausgereiftere Systeme entwickelt wurden. Ein Beispiel ist Ethereum.

Geht es also eigentlich um Investitionen in eine Zukunftstechnologie?

Wenn dem so wäre, müssten modernere Kryptowährungen teurer sein als Bitcoin. Das Gegenteil ist aber der Fall. Dass der Bitcoin-Kurs trotz zahlreicher Rückschläge seit Jahren steigt, liegt wohl vor allem am begrenzten Angebot: Der Algorithmus, auf dessen Basis die virtuellen Münzen erschaffen oder „geschürft“ werden, ist so aufgesetzt, dass maximal 21 Millionen Einheiten entstehen können. Anders als Dollar-Scheine oder Euro-Banknoten können Bitcoins also nicht in unbegrenzter Menge hergestellt werden. Deshalb gelten die virtuellen Münzen einigen Anlegern auch als Schutz vor Geldentwertung: Als vergangenen Mittwoch bekannt wurde, dass die Teuerungsrate in den USA im Oktober über die Sechs-Prozent-Marke gesprungen ist, erreichte der Bitcoin-Kurs mit 69 000 Dollar (60 300 Euro) ein Allzeithoch.

Trägt der Vergleich mit Gold?

„Gold hat seine Reputation als inflations- und krisensicherer Wertspeicher über Jahrhunderte hinweg aufgebaut und diverse Kriege und Finanzkrisen überstanden“, gibt Sören Hettler von der DZ Bank zu bedenken. Bitcoin müsse sich noch bewähren. Jenseits davon bestehe das Risiko, „dass früher oder später eine andere Kryptowährung auftaucht, die Bitcoin den Rang abläuft“.

Ähnlich sieht es LBBW-Analyst Guido Zimmermann: „Kein Mensch weiß, ob Bitcoin eines Tages wie die ehemals bekannteste Suchmaschine Yahoo durch ein anderes System ersetzt wird.“ Einen kompletten Wertverlust hält Zimmermann allerdings für unwahrscheinlich, weil „Bitcoin als Aushängeschild für den gesamten Krypto-Sektor einfach zu wichtig ist“. Möglicherweise werde das zugrunde liegende System irgendwann technologisch vollständig anders aussehen, „aber die Marke wird bleiben“.

Könnte der Bitcoin verboten werden?

Weil Bitcoin-Zahlungen eine gewisse Anonymität bieten, ist die Kryptowährung bei Kriminellen beliebt. Im Handel beispielsweise mit Kinderpornografie würden häufig Bitcoins und andere Kryptowährungen genutzt, heißt es im jüngsten Europol-Bericht über organisierte Kriminalität im Internet.

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Gegen ein Verbot der Cyber-Devisen spricht allerdings ihr innovativer Charakter: Die zunächst für Bitcoin entwickelte Blockchain wird mittlerweile von zahlreichen Unternehmen für kommerzielle Anwendungen wie automatisierte Zahlungen getestet, die in der Industrie 4.0 eine wichtige Rolle spielen könnten.

Durchzusetzen wäre ein Verbot wohl ohnehin nur international: China hat dieses Jahr den Handel mit Bitcoins verboten und große Rechenzentren dichtgemacht, in denen die virtuellen Münzen erzeugt werden. Dem Bitcoin-Kurs hat das nicht nachhaltig geschadet. Von der Universität Cambridge auf Basis von IP-Adressen erhobene Daten zeigen, dass ein Großteil der Bitcoin-Erzeugung jetzt in den USA stattfindet.

Welche Risiken gibt es noch?

Während sich die Bitcoin-Blockchain bislang tatsächlich als manipulationssicher erwiesen hat, kommt es immer wieder zu Angriffen auf Online-Handelsplätze oder auch die elektronischen Geldbörsen (Wallets) einzelner Nutzer. Ein weiteres Risiko besteht im Verlust des Passworts für die elektronische Geldbörse. Traurige Berühmtheit erlangte Anfang dieses Jahres ein in den USA lebender Deutscher, der den Zettel mit seinen Zugangsdaten nicht mehr finden und auf seine 7000 Bitcoins nicht mehr zugreifen konnte. Zumindest dieses Risiko kann allerdings umgehen, wer Bitcoin beispielsweise über die Handels-App der Börse Stuttgart, Bison, erwirbt oder in Wertpapiere investiert, die den Kurs von Kryptowährungen nachbilden. Solche sogenannten Krypto-ETNs sind auch an der Deutschen Börse gelistet.

Was ist bei Investments in Kryptowährungen zu beachten?

„Man muss sich gewahr sein, dass der Wert im Prinzip auch auf null zurückfallen könnte. Eine Einlagensicherung oder Ähnliches gibt es hier nicht“, warnt LBBW-Analyst Zimmermann. Wer etwaige Verluste finanziell verkraften könne, könne „im Rahmen eines gut diversifizierten Portfolios auch in Bitcoin investieren, allerdings maximal fünf Prozent des Vermögens“. Zimmermann empfiehlt aber, sich dabei auf einen etablierten Anbieter aus Deutschland oder Europa zu stützen: „Schon bei einer US-Börse dürfte es für Kunden äußerst schwierig werden, ihre Ansprüche durchzusetzen, wenn mal etwas schiefgeht.“

Klar ist: Wer in Bitcoin investiert, muss erhebliche Kursschwankungen aushalten. „Große Mengen an Bitcoins werden von wenigen Großinvestoren gehalten, die damit auch ganz erheblichen Einfluss auf die Kursentwicklung haben können“, sagt Zimmermann. Ein Beispiel ist der Tesla-Gründer Elon Musk. Der verursachte dieses Jahr heftige Kursturbulenzen, indem er zunächst die Annahme von Bitcoins als Zahlungsmittel für Tesla-Autos ankündigte – und sich dann kurz darauf wieder dagegen entschied. Begründung: Der hohe Stromverbrauch der Rechenzentren sei schlecht fürs Klima. „Ökologisch gesehen ist die Bitcoin-Blockchain wegen ihres hohen Energieverbrauchs eine Katastrophe“, sagt auch Zimmermann.

Da sich den Hype um Kryptowährungen auch viele Betrüger zunutze machen, haben die Verbraucherzentralen eine Art Checkliste mit Warnsignalen zusammengestellt. Sie findet sich unter dem Stichwort „Unseriöse Geschäfte um Bitcoin“ auf der Website Verbraucherzentrale.de.

Crowdfunding

Schwarmfinanzierung
 Genutzt wurde das Konzept zunächst für soziale Projekte und bürgerschaftliches Engagement: Eine Vielzahl von Menschen investiert in ein gemeinsames Vorhaben – so wurde zum Beispiel Geld für den Sockel der Freiheitsstatue gesammelt. In den vergangenen Jahren sind jedoch zahlreiche Online-Plattformen entstanden, auf denen Unternehmen für die Finanzierung von Geschäftsideen um Investitionen von Anlegern werben können.

Vor- und Nachteile
 Je nach Vertragsmodell erhalten Anleger für ihre Investitionen Zinsen oder eine Gewinnbeteiligung. Anders als Aktien können über Crowdfunding-Plattformen erworbene Unternehmensbeteiligungen aber nicht so leicht wieder verkauft werden. Viele in Deutschland aktive Crowdfunding-Plattformen sammeln das Geld in Form von Nachrangdarlehen ein – geht das damit finanzierte Unternehmen pleite, werden die Anleger aus der Insolvenzmasse erst nach allen anderen Gläubigern bedient.