Die deutsche Außenministerin mit ihrem Kollegen aus Katar. Foto: dpa/Michael Kappeler

Ohne Katar wären die israelischen Geiseln wohl nicht frei. Das Land übt sich in einem Spagat, kommentiert Christian Gottschalk.

Was war das für ein Shitstorm, der über Katar hereingebrochen ist vor der Fußball-WM. Menschenrechte werden verletzt, Arbeiter wie Sklaven gehalten hieß es. Was war das für ein Andrang an Ministern und Staatenlenkern kurz darauf, die sich tief vor dem Emir verbeugten, um Gas zu erhalten, nachdem Russland die Leitungen in den Westen eingefroren hatte. Katar, dreimal kleiner als Baden-Württemberg, scheint mal Hölle, mal Erlösung zu sein und immer im Mittelpunkt zu stehen.

 

Gute Beziehungen zu Israel und der Hamas

Und jetzt wieder. Katar bietet den Taliban eine Basis, Katar finanziert die Hamas und bietet deren Führern Unterschlupf. Katar beheimatet aber auch die größte Luftwaffenbasis der USA in der Region – und unterhält beste Kontakte zu Israel. Ohne Katar hätte es den aktuellen Geiselaustausch nicht gegeben. Was ist das für ein Land? Auf jeden Fall keines, das mit den Kategorien von schwarz und weiß zu greifen ist. Katar übt den Drahtseilakt, mit allen Seiten die Balance zu halten. Keinen gegen sich aufzubringen ist auch ein gutes Stück weit Eigennutz, denn das kleine Land wäre so gut wie nicht fähig, sich selbst zu verteidigen. Manchmal ist Eigennutz gar nicht so schlecht.