Nach Inbetriebnahme des neuen Großgefängnisses „Im Esch“ wird das bisherige JVA-Gebäude in der historischen Innenstadt in Rottweil geschlossen. Foto: Otto

Noch herrscht in der JVA Rottweil in der Innenstadt Hochbetrieb, doch damit ist 2027 Schluss. Dann soll der Neubau in Betrieb gehen. Die Stadtverwaltung sagt am Donnerstag: Man will den Bau unbedingt kaufen.

Die Sonne lacht am Donnerstag über Rottweil – und aus dem Hof der JVA direkt am Nägelesgraben ist über die Mauer hinweg zu hören, dass das Wetter von einigen Häftlingen für ein Fußballspiel hinter dem Stacheldraht genutzt wird.

 

2027, mit der geplanten Fertigstellung des Großgefängnisses im Rottweiler „Esch“, wird es ruhig in der alten JVA. Zumindest vorläufig. Der Standort wird als Gefängnis geschlossen, wie Justizministerin Marion Gentges (CDU) am Donnerstag bekräftigte. Das Gebäude soll der Stadt danach neue Möglichkeiten bieten. Man habe dem Land signalisiert, die JVA kaufen zu wollen, erklärt Oberbürgermeister Christian Ruf am Donnerstagmittag. Die potenzielle Nachnutzung ist seit längerem Thema in der Stadt – und ist nun wieder brandaktuell, seit im „Esch“ tatsächlich die Bagger rollen.

Von Ministerin informiert

Die Stadt Rottweil begrüße den planmäßigen Baufortschritt beim Neubau der Justizvollzugsanstalt (JVA) Rottweil, wird mitgeteilt. Darüber hinaus bekräftigt die Stadt ihr Interesse am Erwerb der Altanstalt in der historischen Innenstadt. Und ein weiterer positiver Effekt für Rottweil wird hervorgehoben: Die bestehenden Arbeitsplätze im Justizvollzug werden erhalten und sogar noch ausgebaut.

„Es ist gut zu hören, dass die Bauarbeiten wie geplant voranschreiten und im Zeitplan liegen“, so Rottweils OB Christian Ruf, der von Justizministerin Marion Gentges diese Woche auch persönlich über den aktuellen Stand und die künftigen Pläne in Kenntnis gesetzt wurde.

Beschäftigungsgarantie für Mitarbeiter

„Es ist außerdem zu begrüßen, dass alle Bediensteten eine Beschäftigungsgarantie für die neue JVA bekommen haben. Darüber hinaus werden sogar weitere Arbeitsplätze geschaffen und bestehende nach Rottweil verlagert, was insgesamt positive Effekte für den Standort Rottweil insgesamt haben wird.“ Die Stadt Rottweil hat in diesem Zusammenhang auch erste Weichen für die Erweiterung des Baugebiets Hegneberg gestellt, um den Bediensteten der JVA Rottweil und ihren Familien Wohnraum in der Nähe zum neuen Arbeitsplatz anbieten zu können.

„Wir waren im Hinblick auf die städtebaulichen Entwicklungsmöglichkeiten der alten JVA bereits in der Vergangenheit im Kontakt mit dem Finanzministerium des Landes und haben unser Interesse am Erwerb des Gebäudes geäußert“, so Ruf. Da nun Klarheit bezüglich des Schließungstermin herrscht, nehme man dies zum Anlass, erneut auf das Finanzministerium zuzugehen.

Auch ein Hotel war schon im Gespräch

Gibt es schon konkrete Ideen? Und lässt sich womöglich bis zur Landesgartenschau 2028 auf die Schnelle etwas realisieren? Auf Nachfrage unserer Redaktion heißt es, es sei aktuell nicht sinnvoll, konkrete Nutzungsideen in den Raum zu stellen. Und: Realistisch sei eine Nachnutzung auch erst nach der Landesgartenschau umsetzbar. „Was aus ehemaligen Gefängnissen werden kann, zeigen aber Beispiele an anderen Orten“, so die Verwaltung. In Rottweil war schon vor Jahren unter anderem schon ein Hotel als eine Idee im Gespräch. Viele weitere Nutzungen sind möglich.

Investor könnte ins Spiel kommen

Auch wenn die Stadt das Gebäude kaufen will – gut möglich ist, dass für die Umsetzung ein Investor ins Spiel kommt. Die Stadt bekräftigt auf Nachfrage: „Auch das ist vorstellbar. Wir haben aber die Absicht, das Gebäude zunächst selbst zu erwerben, um eine städtebauliche Entwicklung entsprechend steuern zu können.“ Denkbar sei auch ein sogenanntes Investorenauswahlverfahren wie beim „Breucha-Areal“, mit dem man gute Erfahrungen gemacht habe. Interessenten können sich dabei mit einem Nutzungskonzept bei der Stadt bewerben, der ausgewählte Investor verpflichtet sich, sein Konzept dann über einen Architektenwettbewerb umzusetzen.

Doch zunächst wird noch bis 2027 auf dem Esch das neue Großgefängnis gebaut. In der hochmodernen JVA mit 502 Haftplätzen entstehen dann übrigens auch große Sportanlagen. Dann gibt es allerdings nicht nur einen Platz draußen, wie bisher, sondern auch eine Halle.