Michael Fritzer ist mit seinem Team einer der größten arbeitsmedizinischen Dienstleister in der Region und für rund 20.000 Menschen in 200 Betrieben zuständig. Foto: Heinig

Der 7. Juni ist für Michael Fritzer ein besonderer Tag. Ab dann dürfen auch Betriebsärzte Firmen­mitarbeiter gegen Covid-19 impfen. Der Arbeitsmediziner hofft, dass er die Impfstoffdosen dann auch zuverlässig bekommt und es ihm nicht so geht wie den Hausärzten derzeit.

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VS-Villingen - Die erhalten, so hat er mehrfach erfahren, immer wieder nicht die bestellte Anzahl an Impfdosen und fataler noch: Die Zahlen ändern sich nahezu täglich. Planbarkeit sieht anders aus.

Michael Fritzer ist mit seinem Team einer der größten arbeitsmedizinischen Dienstleister in der Region und für rund 20.000 Menschen in 200 Betrieben zuständig. Er fürchtet für seinen Bereich bald das gleiche Chaos. So war es auch schon bei den Schnelltest-Kits. "Jeden Tag gab es Änderungen".

Der Betriebsarzt rechnet ab Juni mit rund 10.000 Impfwilligen. Dass es sich dabei nur um etwa die Hälfte aller Impfberechtigten handelt, liegt für ihn teilweise an mangelnder Aufklärung. "Die Menschen sind sehr verunsichert", weiß er und versucht, ihnen die Angst mit dem relativierenden Hinweis: "Der Weg ins Impfzentrum ist gefährlicher als die Impfung selbst" zu nehmen. Auch bei den Tests gibt es die einen, die sich am liebsten dreimal täglich versichern würden, dass sie sich nicht infiziert haben und andere, die Angst vor einem positiven Ergebnis haben und sich daher gar nicht erst testen lassen wollen.

Dass inzwischen alle so langsam "coronamüde" werden, kann er gut nachvollziehen. Wäre es nach ihm gegangen, er hätte von Anfang an die Sicherheits- und Hygienemaßnahmen bis hin zum Lockdown "nicht so streng gehandhabt". Seine Einstellung à la Schweden habe ihm Kritik eingebracht, gibt der 65-Jährige zu. Inzwischen sei der "D-Zug aber in voller Fahrt und es ist nicht ratsam, jetzt abzuspringen. Den Rest des Weges schaffen wir jetzt auch noch".

Ersthelfer ausgebildet

Dass Michael Fritzer einmal Arzt sein würde, das hätte ihm während seiner Schulzeit wohl niemand zu prophezeien gewagt. "Ich bin der lebende Beweis dafür, dass man Vieles schaffen kann", sagt der gebürtige Villinger und grinst. Als schlechter Hauptschüler der Goldenbühlschule begann er mit knapp 15 Jahren eine Lehre bei der Post. Während des für den Führerschein obligatorischen Erste-Hilfe-Kurses beim Malteser-Hilfsdienst habe er so viele Fragen gestellt, dass der Ausbilder ihn zu einem Extrabesuch einlud mit der Folge, dass der damals 18-Jährige dort als Ehrenamtlicher einstieg.

20 Jahre lang bildete er Ersthelfer aus, war in vielen weiteren Bereichen aktiv und ist heute sowohl Vorsitzender der Malteser VS als auch deren Stadtbeauftragter.

Während seiner zweiten Ausbildung zum Rettungssanitäter erkannte der junge Michael Fritzer bei einem Klinik-Praktikum, wofür er geschaffen ist. Nach Ausbildung Nummer drei war er Krankenpfleger und nach Nummer vier Intensiv- und Anästhesiepfleger. Dann gab es kein Halten mehr. Auf dem Abendgymnasium legte er 1990 sein Abitur ab und begann – inzwischen 34 Jahre alt – mit dem Medizinstudium in Freiburg. Das Geld dafür verdiente er sich bei Nachtwachen in einer Basler Klinik.

1997 legte Michael Fritzer die letzten Prüfungen ab, absolvierte das praktische Jahr an der Klinik Donaueschingen und war danach als Assistenzarzt sowohl in Schwenningen als auch in St. Georgen tätig. Eigentlich wollte er damals Hausarzt werden, doch "es gab zu viele".

2008 Schritt in die Selbstständigkeit

Bei einem Praktikum in Arbeitsmedizin hatte er zuvor bei Opel in Rüsselsheim den Reiz dieser Fachrichtung schätzen gelernt und schlug sie ein – drei Jahre später war er Facharzt für Arbeitsmedizin und in Anstellung. 2008 folgte der Schritt in die Selbstständigkeit. Auch das verlief erfolgreich, allerdings auch arbeitsreich mit in der Regel bis zu 60-Stunden-Wochen, in denen er auch als Notarzt unterwegs war.

Heute beschäftigt Michael Fritzer in seiner Praxis ­"BASIZ" (Betriebsarzt und ­Sicherheitstechnik im Zen­trum) in der Villinger Kalkofenstraße 13 Mitarbeiter, darunter drei Ärzte. Neben der erwähnten medizinischen Betreuung von Arbeitnehmern in den Betrieben führt er Gesundheitsprüfungen für Berufskraftfahrer und die MPU-Tests nach Führerscheinentzug durch.

Die aktuelle Herausforderung ist die Planung der Impfstrecken in den Betrieben. Fünf Mitarbeiter braucht er dafür, die Zahl der Impfdosen wird – wie schon gesagt – variabel sein. Wie viele Firmenangehörige soll er wann zur Impfung bestellen? Wie muss die Route aussehen, damit das sensibel zu lagernde Biontech nicht allzu lange durch die Gegend kutschiert wird? Welche Seren kommen überhaupt? Werden die Spritzen mitgeliefert? Wie wird dokumentiert? Die Antworten auf viele Fragen fehlen noch.

Als vielbeschäftigter Betriebsarzt und Verkehrsmediziner, Maltester-Chef und zudem Feuerwehrarzt im Ehrenamt bleibt Michael Fritzer nur wenig Freizeit. Körperlichen Ausgleich findet er normalerweise im Schwimmsport, das allerdings fehlt derzeit – coronabedingt. Gerne würde er mit seiner Frau Sabine im Wohnmobil auf Reisen gehen und die Welt sehen.

Anbau ist geplant

In seinem Beruf möchte er dafür bald deutlich kürzertreten. Ans Aufhören denkt er aber noch lange nicht, obwohl ein Nachfolger schon benannt ist. "Ich muss nicht arbeiten, ich darf", sagt ­Fritzer. Außerdem hat er noch Pläne: Da seine Praxis räumlich aus allen Nähten zu platzen droht, ist ein Anbau geplant. Und dann müssen für die Zukunft ja auch die Mitarbeiter weiter beschäftigt und die Firmenkunden kontinuierlich betreut werden – als nächstes mit einer Impfung.

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