Ist eine Hechinger Traditionsgaststätte in Gefahr? Das Wirtinnen-Duo Sandra Hirlinger und Pe Gantenbein-Mayer haben jedenfalls angekündigt, spätestens Ende nächsten Jahres aufzuhören. Was danach kommt, ist offen.
Das Fecker gilt einigen als die Seele des alten Hechingen. Kachelofen am Stammtisch, über Jahrzehnte hinweg gedunkeltes Holz, eine Theke vom alten Schlag, in der Fasnet eine Hochburg traditioneller Narretei, und eine Wirtinnen-Historie, in der stets Frauen das Zepter schwangen.
Im Fecker hat sich gefühlt seit Jahrzehnten kaum etwas geändert, außen herum aber ist der veränderte Zeitgeist mit Händen zu greifen. Wo früher die am Biergarten angrenzenden Gebäude Altstadt-Flair verströmten, entstehen aktuell moderne Geschäftsgebäude. Wo in ganz alten Zeit Lärm zum Stadtleben gehört, wird heute von Nachbarn konsequent auf Einhaltung der Nachtruhe gepocht.
Altstadtflair in Hechingen wird durch Neubauten verdrängt
Und wenn nun gegenüber neben der Stadtapotheke noch ein Wohnhaus gebaut wird, dürfte das kaum besser werden. Ebenfalls eine Veränderung: Wo es früher für Gastronomen normal war, ihr Leben in ihrer Gaststätte zu verbringen, gibt es heute Ansprüche an ein Privatleben.
All das sind Argumente, die die beiden Freundinnen, die das Lokal gemeinsam führen, dazu bewegt haben, ihren Pachtvertrag nicht mehr über den 30. Juni hinaus zu verlängern. Allerdings haben sie von ihrer Vermieterin die Option erhalten, noch bis Jahresende 2024 weiterzumachen. Wann genau sie in diesem halben Jahr aufhören, haben sie noch nicht entschieden. Leicht fallen wird ihnen das Aufhören nicht. Wer sie als Wirtinnen erlebt hat spürte, dass das für sie eine Berufung war. Gerade auch im Fecker mit seinen in der Stadt verwurzelten Stammgästen und mit seiner besonderen Atmosphäre.
Coronazeit hat Spuren im Fecker in Hechingen hinterlassen
Ob sich die erhalten wird, wenn außen herum Neubauten stehen, da haben sie Zweifel. Und wie bei vielen anderen Gastronomen auch hat die Corona-Zeit auch bei ihnen Spuren hinterlassen.
Als Selbstständige trugen sie den finanziellen Verlust, die staatlichen Hilfen waren für sie enttäuschend, und dass nun die Mehrwertsteuer in der Gastronomie wieder auf 19 Prozent steigt, lässt sie ebenso skeptisch in die Zukunft schauen.
Zehn Jahre Fecker
Sollten sie bis Ende nächsten Jahres als Wirtinnen hier weitermachen, hätten sie genau zehn Jahre Fecker voll. Zuvor waren sie bereits Wirtinnen im damaligen Café Klein. Eine kräftezehrende Zeit, die Spuren bei ihnen hinterlassen hat. Oft stand das Privatleben hinten an. Auch das soll sich nun ändern.