Am 15. Dezember starten wieder die Feiertage im Alexandra Palace zu London, die Darts-WM beginnt. Aus deutscher Sicht ruhen die Hoffnungen auf Gabriel Clemens. Die Nummer 25 der Welt gibt sich gewohnt entspannt.
Stuttgart - Doppel 16. In dieses winzig grüne Feldchen am linken Rand der Dartscheibe, dort muss der Pfeil rein. Trifft Gabriel Clemens, sorgt er für eine der größten Sensationen der deutschen Darts-Geschichte. Konzentration hochhalten, Atmung kontrollieren, Wurf. Mit chirurgischer Präzision zischt der Pfeil in das anvisierte Ziel. Aus.
Clemens hat soeben den amtierenden Weltmeister Peter Wright (Schottland) aus der WM 2021 geworfen und ist als erster Deutscher in ein WM-Achtelfinale eingezogen. „Auf der Bühne bekommt man die Tragweite gar nicht so mit. Am Ende wurde es dann doch etwas emotional, aber beim Darts geht es ja immer gleich weiter“, erzählt der Saarländer gewohnt sachlich und gelassen von seinem Coup im vergangenen Jahr, dem eine dramatische Niederlage gegen den Polen Krzysztof Ratajski folgte.
Vier Deutsche dabei
Nun kehrt Clemens an die Stätte seines größten Erfolges zurück. Vom 15. Dezember bis zum 3. Januar ermitteln die Präzisionssportler im Alexandra Palace ihren Weltmeister 2022. Der „German Giant“, so sein Spitzname beim Darts, ist einer von vier Deutschen, die sich für das Turnier in London qualifiziert haben.
Neben Clemens sind noch Florian Hempel, Martin Schindler und der erst 16-jährige Fabian Schmutzler dabei. Insbesondere die Qualifikation des Teenagers war eine Riesenüberraschung. „Ich kenne ihn noch gar nicht persönlich, aber habe ihm via Instagram gratuliert. Mal sehen, wie er auf dieser großen Bühne zurechtkommt. Er soll es einfach genießen“, sagt der erfahrene Saarwellinger, von dessen Bärenruhe sich sicher jeder junge Spieler etwas abschauen kann.
Profis seit 2018
Doch die Hoffnungen der deutschen Darts-Fans ruhen auf Clemens, schließlich ist er die Nummer 25 der Welt. „Ich gehe ganz entspannt in das Turnier. Natürlich werde ich in meinem ersten Spiel der Favorit sein. Doch alles Reden hilft ja nichts, ich muss meine Leistung ans Board bringen“, sagt der gesetzte 38-Jährige, der erst in Runde zwei einsteigt. Am 23. Dezember trifft er auf den Sieger der Partie Lewy Williams (Wales) gegen Toyokazu Shibata (Japan).
Clemens hat einen pfeilschnellen Aufstieg zur deutschen Nummer eins hinter sich. Obwohl er bereits mit 18 Jahren angefangen hatte und auch im Verein spielte, war Darts lange Zeit nur ein Hobby für ihn. Erst 2018 ließ der Industriemechaniker seinen erlernten Beruf ruhen und wurde Darts-Profi. „Damals habe ich mir zum ersten Mal eine Tour-Karte erspielt, und da musste ich eine Entscheidung treffen. Also habe ich es versucht“, erzählt „Gaga“ über den damaligen Erwerb der Startberechtigung für die großen Turniere – und seine ganz persönliche Grundsatzentscheidung. Die sich als richtig erwies.
Höhepunkt der Saison
Drei Jahre später nämlich gehört Clemens zu den 30 besten Darts-Spielern der Welt. Ein voller Turnierkalender, vier bis sechs Stunden Training am Tag, dazu noch diverse Presse- und Sponsorentermine, die er alle selbst organisiert – so sieht das neue Leben von Gabriel Clemens aus.
Und dieses neue Leben findet jedes Jahr seinen Höhepunkt bei der Weltmeisterschaft im Londoner Ally Pally. Clemens ist in diesem Jahr zum vierten Mal dabei. „Ich freue mich besonders auf die Zuschauer. Denn es ist auch ein Schritt zurück zur Normalität“, sagt er. 3000 Fans werden im Ally Pally trotz Pandemie für Stimmung sorgen.
Bei seinem Sensationssieg gegen Peter Wright im vergangenen Jahr waren übrigens keine Zuschauer zugelassen – vielleicht ein Ansporn für Clemens, nun auch vor Fans Geschichte zu schreiben.