Zurückhaltung, leere Phrasen oder Vorsicht im Umgang mit der Presse sind ihre Sachen nicht: Elisabeth Koch Foto: dpa/Angelika Warmuth

Elisabeth Koch geleitet Garmisch-Partenkirchen durch den Gipfel und kümmert sich auch um die Demonstranten.

Sie kommt gerade vom Camp der Protestierer zurück ins Rathaus. Jeden Tag schaut Elisabeth Koch, die CSU-Bürgermeisterin von Garmisch-Partenkirchen, dort an der Loisach vorbei, ob alles in Ordnung ist. Wie sich die Campbewohner verhalten, was die Polizei so macht. „G7-Gegner haben wie alle Bürger ihre Rechte“, sagt die Juristin. „Und das Demonstrationsrecht ist ein wichtiges Verfassungsrecht. Nur bei Gewalt hört es bei mir auf.“

 

Mit den Bikern vom linken Motorradclub Kuhle Wampe hat sie geplauscht. Diese übernehmen bei solchen Sachen immer den internen Sicherheitsdienst. Und einem „jungen Madl“ hat sie dringend zu Sonnencreme und Kopfbedeckung geraten bei der bevorstehenden Wanderung und Radtour der G7-Gegner. „Das unterschätzt man.“

Nun steht unverhofft Toyoshige Sekiguchi aus Japan am Rathaus und bittet um eine Unterkunft. Angereist ist der buddhistische Mönch nach Nürnberg und von dort nach Garmisch-Partenkirchen gewandert. „Ich bete für den Frieden und die Abschaffung aller Atomwaffen“, sagt er in gebrochenem Englisch. G7-Beobachter kennen ihn noch vom letzten Mal vor sieben Jahren, als er von morgens bis abends an der B 2 saß – bei der Abzweigung nach Krün, von wo es zum Schloss Elmau geht – und unaufhörlich auf einen Gong schlug. Klar, die Bürgermeisterin organisiert ihm kurzfristig ein Zimmer für zwei Tage, auch wenn in der ganzen Region wegen des Gipfels alles komplett ausgebucht ist. Der Christian Wolf vom Hotel Obermühle hat schließlich noch was, weil es die Elisabeth ist. In diesen Tagen ist Koch rastlos unterwegs. „Die Herrschaften tagen da oben, hoffentlich erfolgreich, und wir hier unten richten es“, sagt sie. Die 59-Jährige tritt energisch auf und lacht viel.

In der Nacht zum Sonntag kam die Mitteilung, dass US-Präsident Joe Biden doch nicht mit dem Hubschrauber in Elmau landet, sondern mit seinem Tross per Pkw anreist. Für die deutsche Polizei bedeutete das höchste Bereitschaft. Unzählige Mannschaften versammelten sich plötzlich in Garmisch-Partenkirchen, um den Präsidententross zu sichern. Elisabeth Koch dachte daran, dass keine Toiletten zur Verfügung stehen. Und so kam sie um 2 Uhr und sperrte das Rathaus für die Polizei auf. „Es ist ja ganz schlimm, wenn man muss, aber nirgendwo kann.“

Vor dreieinhalb Wochen erst erlebte sie das Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen mit fünf Toten. „Ich war rund um die Uhr dort und für die Hilfskräfte ansprechbar.“ Elisabeth Koch wird ernst und leise: „Das belastet mich immer noch. Aber ich habe Menschen, mit denen ich drüber reden kann.“

Den Mönch Toyoshige Sekiguchi fährt sie in ihrem kleinen Dienst-BMW zum Hotel Obermühle, wo er vom Eigentümer herzlich begrüßt wird. „Es ist mir eine Ehre, Sie beherbergen zu dürfen“, sagt Wolf. „Die Gemeinde zahlt das Zimmer“, meint Koch. Der Hotelier widerspricht: „Er ist unser Gast.“