So ging der FV Aichhalden in den 1960er-Jahren ins Rennen (hintere Reihe von links): Alfred Schleicher, Albert Resech, Ewald Roth, Siegfried Schleicher, Willi Bantle und Franz Storz; vorne von links Frank Bernhard, Herbert Moosmann, Walter Haigis und Paul Roth. Foto: Schwarzwälder Bote

Vereine: Chronik des FV Aichhalden (I) / Anfangs noch im Verbund mit Ringern und Turnern / Theateraufführungen bis heute

Zu Beginn wurde noch auf dem Waldsportplatz gekickt, bevor Sportheim und Sportplatz gebaut wurden

Es war die "schlechte Zeit" nach dem Krieg, die von Hunger geprägt war – doch die Menschen wollten auch Ablenkung vom tristen Dasein. Das war mit ein Grund für die Gründung des Fußballvereins (FV) Aichhalden – auf den Tag genau vor 75 Jahren.

Aichhalden. Die Dokumentenlage aus jener Zeit ist spärlich, doch immerhin gibt es noch eine vergilbte Liste: Auf dieser sind die Gründungsmitglieder fein säuberlich aufgelistet. Am 6. Mai 1946 wurde der Verein im Gasthaus Linde gegründet. Erster Vorsitzender war Karl Moosmann.

Die Anfangsjahre waren mitunter recht turbulent: Schon bald waren die neu gegründeten Vereine den französischen Besatzern ein Dorn im Auge. Diese wurden daher am 3. März 1948 gesperrt, aber bereits am 25. März diesen Jahres wurde die Sperre wieder aufgehoben. Im Mai 1948 schlossen sich die sporttreibenden Vereine Fußball, Athleten und Turner zur Sportgemeinschaft Aichhalden zusammen, da es in Gemeinden unter 20 000 Einwohner nur einen Sportverein geben durfte. 1953 wurde die SG aber wieder aufgelöst. Seither gehen die drei Vereine ihre eigenen Wege – die Fußballer gaben sich am 24. Januar 1953 den bis heute bestehenden Namen Fußballverein Aichhalden. Der Mitgliedsbeitrag lag anfangs bei 50 Pfennig pro Jahr. Der Eintritt bei Spielen kostete 40 Pfennig.

Heiße Matches auf dem Waldsportplatz

Einmal ins Rollen gebracht, ließ sich der Verein nicht mehr aufhalten: Die erste Theateraufführung gab es bereits am 16. Januar 1949 im Gasthaus Krone. Der Titel: "Solang noch lebt ein Mütterlein". Diese Tradition wird bis heute fortgeführt – nicht einmal Corona konnte die Aufführung im vergangenen Jahr verhindern.

Gekickt wurde anfangs auf dem Waldsportplatz Richtung Rötenberg in der Kreisklasse B2. In der ersten Saison 1946 belegte der Verein den sechsten Platz. Mit in der Liga waren die Mannschaften aus Hardt, Lauterbach, Mariazell, Seedorf, Waldmössingen, Locherhof und Dunningen. Bis 1961 war der Waldsportplatz Schauplatz so manch umkämpfter und hitziger Partie. Zu Auswärtsspielen ging es damals zu Fuß, mit dem Fahrrad oder auf einem Lastwagen.

Neuer Sportplatz wird 1957 eingeweiht

Der Standort Waldsportplatz hatte den Nachteil, dass er doch recht abgelegen und außerhalb war. Daher war ab 1956 der Wunsch groß, sich Richtung Dorf zu orientieren.

1957 konnten die Mitglieder dann voller Stolz den neuen Sportplatz einweihen. Seitdem ist der FV Aichhalden am Reißerweg beheimatet. 1961 folgte der Bau des Sportheims in Eigenleistung. Damit war der FVA einer der ersten Vereine im Bezirk mit eigenem Sportheim mit Duschkabinen.

Der größte sportliche Erfolg jener Zeit war der Aufstieg in die damalige A-Klasse – vergleichbar mit der heutigen Bezirksliga – im Jahr 1965. Von dort ging es aber im folgenden Jahr postwendend wieder eine Etage tiefer. 1969 folgte gar der Absturz in die "Heidelbeerliga", der C-Klasse, aus der ein Abstieg nicht mehr möglich war. Dort blieb der FVA 15 Jahre lang kleben – doch dann sollte eine fußballerische Ära anbrechen, die bis heute ihresgleichen sucht und viele Aichhalder ins Schwärmen geraten lässt.

In einer mehrteiligen Serie wird aus Anlass des 75-jährigen Bestehens des FV Aichhaldens die bewegte Geschichte des Vereins vorgestellt. Forschungsmaterial stellten Vorsitzender Benjamin Weller und der frühere Vorsitzender Peter Pieronczyk zur Verfügung. Gefeiert werden kann das Jubiläum nicht – wegen Corona.

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