Erich Frey begleitete über fast drei Jahrzehnte das Amt des Schiedsrichterobmanns.Foto: SRG-HP Foto: Schwarzwälder Bote

Fußball: Simmersfelder stellt sein Amt nach rund drei Jahrzehnten zur Verfügung / Heute Abend virtuelle Hauptversammlung

Am heutigen Freitag treffen sich die Fußball-Schiedsrichter der Gruppe Calw zur virtuellen Hauptversammlung. Nach über 35 Jahren – davon die letzten 27 Jahre als Obmann – scheidet Erich Frey aus Simmersfeld aus dem Führungsgremium aus. In einem Interview mit dem Schwarzwälder Boten blickt er zurück auf mehr als drei Jahrzehnte Ehrenamt.

Erich Frey hat mehr als 2000 Spiele geleitet und war zudem lange als Spielbeobachter für den DFB und in der Oberliga Baden-Württemberg unterwegs. Diese Tätigkeit hat er vor zwei Jahren beendet. Seit der Saison 2019/ 2020 ist er als Spielbeobachter in der Landesliga und in der Verbandsliga im Einsatz.

Herr Frey, Sie hatten schon beim Bezirkstag 2018 angekündigt, dass Sie 2021 nicht mehr als Obmann der Schiedsrichtergruppe Calw kandidieren werden. Jetzt stehen Sie unmittelbar vor Ihrem Abschied. Wie ist das Gefühl so kurz vor dem sportlichen Ruhestand.

Ich habe ein gutes Gefühl, da ich weiß, dass die Schiedsrichtergruppe in gute Hände kommt.

In den vergangenen vier Jahrzehnten waren Sie auf vielen Plätzen und in vielen Stadien als Schiedsrichter unterwegs. Gibt es ein Spiel oder eine Begebenheiten, an die Sie sich immer wieder erinnern?

Ja klar, an den 22. Oktober 1994 erinnere ich mich besonders gut, wenn auch nicht sehr gerne. Ich leitete das Verbandsligaspiel zwischen der Spvgg Renningen und dem FC Marbach. Im Spiel musste ich insgesamt drei Gelb-Rote und zwei Rote Karten verteilen. Beim Frühstück am Sonntagmorgen erhielt ich dann ein Fax mit dem Spielbericht aus der Presse. Die Überschrift lautete: "Schiedsrichter Erich Frey spielt Lucky Luke. Er zog schneller als sein Schatten". Damit hatte ich schon einige Zeit zu kämpfen.

Schauen wir mal ganz auf den Anfang zurück. Was hat Sie dazu bewegt, Schiedsrichter zu werden?

Ich war bei meinem Heimatverein SV Enzklösterle C-Jugend-Trainer, und dort erschien zu den Heimspielen bis auf ganz wenige Ausnahmen nie ein Schiedsrichter. Also musste ich selber die Pfeife in die Hand nehmen, was mir damals eigentlich gar nicht lag. Als ich dann wenige Jahre später meine aktive Spielertätigkeit in Enzklösterle wegen Heirat und Umzug beendete, kam mir der Gedanken: Dann mache ich eben Schiedsrichter und pfeife am Samstag einige Jugendspiele. Aus einigen Spielen wurden dann schnell viele, und schon hatte ich ein neues Hobby gefunden.

Was hat Ihnen als Schiedsrichter immer am meisten Spaß gemacht?

Eigentlich fast alles auf dem Platz. Mit hat es immer gut gefallen, im Team unterwegs zu sein. Die Einsätze in den höhren Ligen, als Schiedsrichterassistent in der Oberliga, habe ich sehr gerne gemacht, aber natürlich auch die Einsätze als Schiedsrichter in den Amateurligen.

Wie ist es derzeit um den Nachwuchs bestellt?

Wir können zufrieden sein, das heißt aber nicht, dass man sich nun ausruhen kann.

Was muss man mitbringen, um ein guter Schiedsrichter zu werden?

Zeit ist ein sehr wichtiger Faktor. Man muss bereit sein, Erfahrung zu sammeln. Das schafft man, wenn man viele Spiele leitet. Man muss sich intensiv mit den Regeln beschäftigen und sich immer weiterbilden. Dazu sollte man regelmäßig die Schulungsabende besuchen. Zudem spielt auch die Fitness eine Rolle.

Sie haben die Schulungsabende angesprochen. Deren Besuch war aufgrund der Coronapandemie in den vergangenen Monaten gar nicht mehr möglich. Haben Sie Online-Schulungen angeboten? Und wie war die Resonanz?

Wir haben die Schulungen online durchgeführt. Die Resonanz dabei war sogar wesentlich besser als bei Präsenzveranstaltungen.

In den vergangenen Jahrzehnten waren es – wie beispielsweise der SV Rotfelden – immer wieder dieselben Vereine, die besonders viele Schiedsrichter in ihren Reihen hatten. Welche Vereine sind heute besonders aktiv?

In den zurückliegenden Jahren waren das vor allem der SC Neubulach und der SV Rotfelden. Inzwischen ist der VfL Nagold ganz weit vorne.

Hängt das zusammen mit dem Engagement einzelner Vereinsfunktionäre oder wie lässt sich das erklären?

Das ist eigentlich ganz einfach. Wer sich mit der Sache intensiv beschäftigt, wird am Ende auch erfolgreich sein. Beim VfL Nagold hat sich Wolfgang Bastians dem Thema Schiedsrichter angenommen, und seitdem läuft es dort richtig gut. Die Nagolder haben lange Zeit viel Geld an den Verband überwiesen. Dieses Geld können sie jetzt in die Jugendarbeit stecken. Ein zweites Beispiel ist der TSV Möttlingen. Dort ging viele Jahre fast gar nichts. Seit sich Danny Wohlgemuth um das Thema Schiedsrichter kümmert, stehen auch die Möttlinger gut da.

Befürchten Sie, dass sich die Corona-Pandemie negativ auf die Zahl der einsetzbaren Schiedsrichter auswirkt?

Das muss man abwarten. Es kann schon sein, dass der eine oder andere Schiedsrichter seine Laufbahn beenden wird.

Wie sieht es in der Schiedsrichtergruppe Calw hinsichtlich des Frauenanteils aus?

Da sieht es tatsächlich dürftig aus. Wir haben nur zwei aktive Schiedsrichterinnen, eine weitere ist noch verletzt. Zwei Schiedsrichterinnen gehören momentan dem Schiedsrichter -Ausschuss an.

Ganz abgesehen davon, dass Sie nach 27 Jahren als Obmann ausscheiden, es gibt ja sicherlich auch Schiedsrichter-Kameraden, denen Sie Ihren persönlichen Dank aussprechen wollen und die sie gerne persönlich ehren würden. Wie können Ehrungen überhaupt über die Bühne gehen?

Ich möchte bewusst jetzt niemanden besonders herausheben. Mein Dank geht an alle Schiedsrichter und Schiedsrichterinnen. Alle haben mit ihrem Einsatz dazu beigetragen, dass wir jedes Jahr eine Vielzahl Schiedsrichter melden konnten. Was die Ehrungen angehen, die sind vorbereitet. Wenn wir uns wieder in größeren Gruppen treffen dürfen, werden wir unseren Ehrungsabend mit rund 30 Ehrungen durchführen. n Die Fragen stellten Michael Stark und Michael Oehler

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