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Fußball Rassismus-Eklat: Spieler verlassen Feld

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Das Derby wurde nach der verbalen Beleidigung abgebrochen. (Symbolbild) Foto: Shutterstock: topseller

Erneut sorgt die Staffel 4 der Kreisliga B Böblingen/Calw für Negativschlagzeilen: Beim Gäu-Derby zwischen dem SV Mötzingen und dem SV Bondorf soll der dunkelhäutige Kapitän der Gäste unter anderem als "Scheiß-Neger" beleidigt worden sein. Die Spieler des SV Bondorf erklärten sich daraufhin mit ihrem 21-jährigen Mitspieler solidarisch und verließen in der 76. Minute geschlossen den Platz. Die Partie wurde daraufhin beim Stand von 3:1 für den SV Mötzingen abgebrochen. Anschließend rückte die Polizei mit zwei Streifenwagen an.

Ruppiges Spiel, viele Fouls

Auch zwei Tage nach dem Derby, das aufgrund des Totensonntags bereits am Samstag auf dem Mötzinger Sportplatz ausgetragen wurde, ist Frank Lutscher noch immer fassungslos. "Für uns ist das nur ein Hobby. Natürlich dürfen Zuschauer ihre Meinung sagen, aber das geht viel zu weit", sagt der Fußball-Abteilungsleiter des SV Bondorf im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten.

Beide Vereine bestätigen, dass es von Beginn an ein ruppiges Spiel mit vielen Fouls war. Im Mittelpunkt stand zunächst ein griechisch-stämmiger Spieler des SV Mötzingen. Er sei nach Darstellung der Gastgeber immer wieder von den Bondorfer Spielern beleidigt worden. Unter anderem habe man ihn aufgefordert, "erst mal richtig Deutsch" zu lernen. Mötzingens Spielleiter Matthias Haarer, der den verhinderten Trainer Cesare Lupo am Spielfeldrand vertrat, habe seinen Spieler deshalb in jener 76. Minute vom Feld genommen. Er musste den Rasen wegen der neuen Auswechsel-Regel direkt vor den Bondorfer Fans verlassen und habe dabei wutentbrannt gegen eine Bande getreten. Daraufhin kam es zu Tumulten, die in den rassistischen Beleidigungen gegen den Bondorfer Kapitän gipfelten.

Ob die Beleidigungen rassistisch waren oder nicht, dazu macht der SV Mötzingen widersprüchliche Angaben. Auf seiner Facebook-Seite schließt er den Derby-Spielbericht zwar mit den Worten ab: "An dieser Stelle möchte der SV Mötzingen sich ganz deutlich von jeglichen rassistischen Äußerungen und Vorwürfen distanzieren! Unser Verein steht für Offenheit und Miteinander in allen Bereichen und lebt genau dies Tag für Tag vor!" Spielleiter Matthias Haarer behauptet jedoch, mehr als "Du Schwarzer bist ruhig" sei nicht gesagt worden und meint: "Ich weiß nicht, was sich die jungen Spieler da zusammengereimt haben. Für mich war das reiner Kindergarten."

SV Bondorf ist fassungslos

Worte, die Frank Lutscher nicht fassen kann. "Ich weiß nicht, was daran Kindergarten sein soll", ärgert sich der Fußball-Chef des SV Bondorf und vergleicht: "In der Bundesliga macht man bei jeder rassistischen Beleidigung ein Riesenfass auf, was ja auch richtig ist. Aber in der Kreisliga B soll das normal sein?"

Auch widerspricht Lutscher der Darstellung, dass der griechisch-stämmige Spieler des SV Mötzingen aufgrund von Beleidungen vom Platz genommen worden sei. "Der hat das ganze Spiel über provoziert", sagt Lutscher. Nachdem er mehrere rüde Fouls begangen hätte, sei seine Auswechslung lediglich eine taktische Maßnahme gewesen, um einer Roten Karte zuvorzukommen.

Stattdessen, so Lutscher, seien ihm Mötzinger Zuschauer aufgefallen, die in der zweiten Halbzeit plötzlich neben den Bondorfer Fans aufgetaucht seien, um dort für Ärger zu sorgen. "Zuerst haben sie unsere Spielerfrauen beleidigt, die sich aber glücklicherweise nicht provozieren ließen. Dann waren unsere Spieler dran", verweist der Abteilungsleiter auf die rassistischen Beleidigungen. Neben "Scheiß-Neger" sei der Bondorfer Kapitän dabei auch als "Nigger" und "Negerbengel" beleidigt worden. "Dafür haben wir genug Zeugen", versichert Lutscher. Diese seien auch von der Polizei befragt worden.

Die Bondorfer Spieler seien – trotz des 1:3-Rückstands – ruhig geblieben. "Warum auch? Es reicht ein Blick auf die Tabelle", sagt der Abteilungsleiter des SV Bondorf, der in dieser Saison erst ein Spiel gewonnen hat und abgeschlagen Tabellenletzter ist. Stattdessen hätten sich die Spieler entschieden, ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen und geschlossen das Spielfeld zu verlassen. "Das war vollkommen richtig, nicht weiterzuspielen", nimmt Lutscher seine Spieler in Schutz.

Schiedsrichter zu weit weg

Fraglich ist, wie die Partie nun gewertet wird. Schiedsrichter Joachim Ernst (Erzingen) hatte die Tumulte nur aus der Ferne gesehen und von den rassistischen Beleidigungen nichts mitbekommen. Dementsprechend finden sie auch im offziellen Spielbericht keine Erwähnung. Es ist also möglich, dass die Partie mit einem 3:0-Sieg für den SV Mötzingen gewertet wird.

Für Lutscher ist indes wichtiger, wie sein erst 21-jähriger Kapitän die Beleidigungen verkraftet. Bisher habe er noch nie so etwas auf einem Sportplatz zu hören bekommen. "Er ist ein ganz sensibler, junger Mann, der bei uns bei jedem Arbeitseinsatz zur Stelle ist und mithilft. Der war danach total geschockt", verdeutlicht der Bondorfer Abteilungsleiter und schiebt hinterher: "Gott sei Dank ist jetzt erst mal Winterpause."

Ihre Redaktion vor Ort Nagold

Heiko Hofmann

Fax: 07452 837333

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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