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Furtwanger Pfarrer gibt Einblick Das bedeutet die Weihnachtszeit für Lutz Bauer

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Er ist nicht nur als evangelischer Pfarrer bekannt: Lutz Bauer, der sich in auch in verschiedenen Vereinen engagiert und als humoriger Unterhalter auftritt. Foto: Kouba

Die Weihnachtszeit verbindet jeder Christ mit eigenen Erfahrungen, Erlebnissen und Prägungen. Für den evangelischen Pfarrer Lutz Bauer steht neben den religiösen Vorstellungen, Riten und regionalen Gebräuchen auch etwas Profanes: kulinarischer Genuss. Mehr lesen Sie in unserem (SB+)Artikel.

Furtwangen - Lutz Bauer wuchs in der Karlsruher Nordweststadt auf, einem Stadtteil, der nach dem Krieg von vielen Heimatvertriebenen und Flüchtlingen aufgebaut worden war. Vater Gustav Bauer (Jahrgang 1932) war aus der donauschwäbischen "Batschka" geflohen. Das Gebiet war Teil der Vojvodina, die seinerzeit zu Jugoslawien gehörte. Jetzt ist die Region auf Serbien und Ungarn aufgeteilt. Eine wechselvolle Geschichte steckt dahinter, die auch durch die Einwohner geprägt wurde. Ungarn, Juden, Slowaken, Serben und Deutsche gehörten dazu. Die Mutter stammte aus Eggenstein, nahe Karlsruhe.

Die familiäre Mischung sorgte auch für kulinarische Vielfalt an Weihnachten. Die Schwarzwälder Oma mütterlicherseits stammte aus den Vierundzwanzig-Höfen in der Nähe von Freudenstadt. Sie backte köstliche Springerle, die "Butterbackes" genannt wurden. Der Nikolaus brachte den "Dambedei" (Weckemaa) und die Leckereien wurden ergänzt durch die slowakische Mohnmehlspeise "Opeganzen" oder das Weihnachtsgebäck "Muskazoni", das mit viel Zimt und Muskatnuss gewürzt wurde. Blechmodel sorgten für die Tatzenstruktur des Gebäcks, das nur mit viel grobem Zucker aus der Form gelöst werden konnte.

Vater erinnert sich

Lutz Bauers Vater erinnert sich noch gut an die alten Zeiten. Besonders faszinierend sind die serbischen Weihnachtserlebnisse im dörflichen Milieu. Das Völkergemisch in der Batschka lebte freundschaftlich zusammen bis die deutschen Reichskommissare eintrafen. Um den Dreikönigstag herum kam gewöhnlich die serbische Nachbars-Oma "Baba Maria", die den kleinen Gustav einlud: "Komm Gustika, wir feiern Weihnachten". Er durfte mit ins Nachbarhaus, dessen Bewohner das Wohnzimmer mit Unmengen Stroh ausstatteten. Es wurde gegessen und als Nachtisch wurden Mohnnudeln serviert. Man feierte tagelang und erst am Ende des Festes wurde aufgeräumt und das Geschirr gespült.

Wenn Gustav die alten Erinnerungen aufkeimen lässt, dann sind das rührende und begeisternde Momente, die auch die Zeitgeschichte tangieren, denn die serbisch-orthodoxen Christen feierten und feiern 13 oder 14 Tage später (Dreikönig) als die westlich orientierten Kirchen, das Weihnachtsfest. Auch der "Milchjude" wurde eingeladen, ein Mann, der mit einem zweirädrigen Karren durch die Gegend fuhr und Milch verkaufte. Es schien selbstverständlich, dass Weihnachten für alle da ist und nicht nur Familienmitglieder zum Feiern gehörten.

Weihnachten 1943 erlebte Gustav Bauer das letzte Mal ein derartiges Weihnachtsfest, denn als Zwölfjähriger mussten er und seine Familie die Heimat verlassen. Sie landeten zunächst im Lager Backi Jarak. Nach weiteren Unterbringungen in den Schreckensstätten Kruschiwl und Gakowa gelang die Flucht über Österreich und München, um endlich in Karlsruhe zu landen.

Die Erzählungen in jungen Jahren blieben dem jetzigen evangelischen Pfarrer haften und vermitteln ihm immer noch das Gefühl, "dass gute Erfahrungen die furchtbaren überwiegen". Denn sein Vater konnte trotz negativen Vorgängen stets schöne Erlebnisse von entsetzlichen Dingen trennen. So meint der Theologe: "Für diese Unterscheidung, die leider nicht allen Menschen gelingt, die schlimme Erfahrungen machen mussten, bin ich ihm sehr dankbar." Einen weiteren Aspekt böte die Speisekarte zu Weihnachten, wo sich das geflügelte Wort "Liebe geht durch den Magen" sprichwörtlich in vielen Kontexten bewahrheite.

Denn was könne sich ein Junge mehr wünschen als die Verknüpfung serbisch-österreichisch-ungarischer Küche mit der badischen Kochkunst.

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