Andrea Wardzichowski vom Chaos Computerclub rät: Zweitperson für das Netz zulegen

Furtwangen (wi). Einen mit viel Beifall bedachten Einführungsvortrag ("Keynote Speech") zur Informatica Feminale "Unterwegs im Netz" hielt Andrea Wardzichowski, im Netz als "Princess" bekannt, vom Chaos- Computerclub (CCC) Stuttgart.

Sie habe sich bereits in der Schule für die Computerei interessiert ("ich habe ein Mädchengymnasium besucht, da hat mich niemand davon abgehalten") und hatte bereits 1990 die Möglichkeiten des Netzes entdeckt. Mit Erstaunen wurde registriert, dass damals lediglich 300 User weltweit (!) online waren. Die Folgen der Vernetzung und Archivierung seien nicht bekannt gewesen, doch seien die Frauen mit der Mitteilung ihrer Telefonnummer schon damals vorsichtiger gewesen als Männer. Und das war berechtigt: "Die Datenspur kann man nicht mehr tilgen". Sie riet dazu, sich eine "Zweitpersönlichkeit" zuzulegen, mit der man im Netz unterwegs sei, und dazu, nur so viel über sich selbst preiszugeben, dass die privaten Daten nicht zu googeln seien. Der Aufschrei der Lehrer nach dem Verbot, offizielle Mitteilungen über soziale Netzwerke zu kommunizieren, ist für Andrea Wardzichowski nicht nachzuvollziehen. "Wie haben sie denn früher ihre Arbeitsgruppen organisiert?"

Nicht gelten lassen wollte sie auch das Argument jener Netzgläubigen, die sagten, "ich habe mir doch nichts zu schulden kommen lassen, mir kann nichts passieren". Auch sie hätten zu Hause eine Gardine, "weil sie nicht wollen, dass man reinschaut".

Sie riet dazu, auch bei (Sport)Vereinen das massenhafte Einstellen von Bildern ins Netz zu thematisieren. Aus ihrer Berufserfahrung teilte sie mit, dass Frauen keineswegs die dümmeren Fragen stellten, wenn es um das Netz gehe. "Am schlimmsten sind Leute, die mit ihrem Halbwissen kommen."

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