Pfarrer Bethäuser stellt seine blonde Lebensgefährtin vor. Foto: Schwarzwälder Bote

Narrenmesse: Pfarrer Harald Bethäusers Premiere gelingt trotzdem / 50 Hästräger klatschen spontan Beifall

Auch wenn in diesem Jahr die Fasnet nur auf Sparflamme kocht und fast nur online stattfindet – die traditionelle Furtwanger Narrenmesse wurde dennoch am Morgen des schmutzigen Donnerstags mit einer ganzen Reihe von Narren in der Pfarrkirche St. Cyriak gefeiert.

Furtwangen. Für Pfarrer Harald Bethäuser war dies nach seinem Amtsantritt im November eine Premiere, vor allem auch mit der traditionellen gereimten Predigt. Vor 30 Jahren, beim Golfkrieg 1991, hatte Pfarrer Josef Beha die besondere Narrenmesse in dieser Form ins Leben gerufen. Und auch seine Nachfolger Markus von Chamier und Paul Demmelmair pflegten die Tradition weiter.

Diese griff nun auch Pfarrer Harald Bethäuser auf, als er unter den Klängen des Narrenmarsches von der großen Kirchenorgel in die Kirche einzog. Er wolle mit dieser Messe einen kleinen närrischen Akzent setzen. Vor allem erinnerte er an Don Bosco und seinen Spruch "Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen". Selbst in der Pandemie könne man sich am Pfeifen der Spatzen, die sich an keine Corona-Verordnung halten müssen und singen dürfen, erfreuen. Unter den gegebenen Umständen war diese Messfeier mit rund 50 Narren im Häs gut besucht.

Auch Pfarrer Harald Bethäuser nutzte die Reimform für seine Predigt, allerdings habe er "den Dialekt noch net so druff". Als erstes präsentierte er seine jahrelange blonde "Lebensgefährtin": eine Puppe, die er auf einem Stuhl platzierte. Sie sei wichtig, da sie ihm immer wieder die Meinung sage und korrigierend wirke. Auch wenn er erst kurz in Furtwangen lebt, hat er doch aufmerksam viele interessante Beobachtungen gemacht und diese dann zu einem bunten Vortrag gemixt, der bei den Gottesdienstbesuchern sehr gut ankam, wie immer wieder Gelächter, Beifall und Tusch bewiesen. So ging es um die Schneemassen genauso wie um das bunt beleuchtete Rathaus: "Für Schwarzseher taugt Furtwangen nicht!"

Als neuen Künstler entdeckte er Bürgermeister Herdner, der für die evangelische und altkatholische Kirche zu Weihnachten eine Fahne gestaltet hatte. Auch die Ausgangssperre während der Pandemie nahm er sich vor, doch er habe seit Jugendjahren Übung im nach Hause schleichen und durch das Fenster klettern. Er dürfe sich nur nicht von Hermann Fengler erwischen lassen, sonst werde der nächste Gottesdienst aus dem Gefängnis übertragen. Und ganz wichtig ist ihm auch die Feststellung, dass die Donau aus Furtwangen kommt, belegt durch die schönste Kapelle der Region, die Martinskapelle.

Nach der Predigt waren dann auch die von Dorothea Nopper vorgetragenen Fürbitten in Reimform gehalten und widmeten sich in gelungener Form ganz speziell der närrischen Zeit. Am Ende der Messfeier folgten noch einmal kleine humoristische, aber auch zum Nachdenken anregende Beiträge von Pfarrer Bethäuser und Dorothea Nopper, bevor Narrenpräsident Roland Wehrle die offizielle Proklamation der Narrenzunft verlas. Darin wurde manches Geschehen in der Stadt aufs Korn genommen. Zum Abschluss erhielten die Gottesdienstbesucher noch eine kleine Stärkung: einen Berliner und eine kleine Bratwurst mit Wecken.

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