Bei den Einsätzen der Feuerwehr kann es um Leben und Tod gehen. Die Einsatzkräfte müssen für jedes Szenario gerüstet sein und sich auf ihren Fuhrpark verlassen können. Die Oberndorfer Abteilung zeigt ihre beeindruckende Flotte.
Oberndorf - Insgesamt 24 Fahrzeuge hat die Feuerwehr im Stadtgebiet in ihren Reihen. Der Preis für einen Feuerwehrwagen beläuft sich auf rund 400 000 bis 500 000 Euro – für ein Drehleiter-Fahrzeug können sogar 700 000 Euro fällig werden. Stadtbrandmeister Manuel Suhr stellt vor dem Feuerwehrhaus einige Einsatzfahrzeuge vor.
"Auch mal vom Gas gehen"
Der Kommandowagen, ein Audi Q5, ist mit zusätzlicher Ausrüstung ausgestattet: Ein Feuerlöscher, ein Gasmessgerät oder ein Rettungsrucksack sorgen dafür, dass Suhr nach dem Eintreffen bei Bedarf erste Maßnahmen ergreifen kann. Das Ziel ist aber, dass der Stadtbrandmeister als Erster an der Einsatzstelle ankommt, um die Lage zu sondieren und die eintreffende Brigade zu koordinieren.
Wie bei herkömmlichen Lastwagen ist das Tempo der großen Einsatzfahrzeuge auf 90 Stundenkilometer gedrosselt – eine Ausnahme für die Feuerwehr gibt es nicht. Doch auf die Geschwindigkeit kommt es nicht zwingend an, wie Suhr erklärt. "Die Sicherheit geht immer vor. Wir erklären unseren Fahrern, dass es besser ist, auch mal vom Gas zu gehen." Wenn man im Stadtverkehr mit Tempo 40 bis 45 unterwegs ist, sei das ordentlich.
Schere und Spreizer
Bei technischen Hilfseinsätzen rückt der Rüstwagen (RW2) aus. Dieser ist mit Werkzeugen und Geräten vollgepackt, mit denen beispielsweise eingeklemmte Autofahrer befreit werden können. Neben hydraulischen Rettungsgeräten wie Schere oder Spreizer, befinden sich unter anderem auch ein Notstromaggregat, eine Kettensäge, ein Be- und Entlüftungsgerät an Bord, sowie Ausrüstung, um Gefahrstoffe zu beseitigen. Mit einer Seilwinde können zudem Fahrzeuge geborgen werden.
Beim Vorausrüstwagen (VRW) handelt es sich um den kleinen Bruder des Rüstwagens. So hat der VW-Bus auch Schere und Spreizer an Bord. Der kompakte Wagen ist bei Einsätzen auf der Autobahn von Vorteil, da man leichter zum Einsatzort kommt.
5000-Liter-Tank und Wasserwerfer
Eine besondere Rolle nimmt das Großtanklöschfahrzeug (TLF24/48) ein. Es rückt bei Brandeinsätzen an entlegenen Orten aus. Es liefert das nötige Wasser für den Erstangriff und überbrückt die Zeit, bis eine Wasserversorgung steht. Beim Waldbrand-Einsatz nahe Aistaig Anfang August musste eine 1,5 Kilometer lange Verbindung gelegt werden. Das könne etwa 30 bis 45 Minuten dauern, erklärt Suhr. Das Fahrzeug fasst 5000 Liter verfügt über einen Wasserwerfer auf dem Dach. Die Reichweite beträgt je nach Windlage etwa 50 Meter.
Das Löschgruppenfahrzeug (LF16Ts) führt kein Wasser mit, aber dafür Schlauch-Komponenten, mit denen eine Wasserversorgung aufgebaut werden kann. Mit 32 Jahren ist es das älteste Fahrzeug der Flotte. Da der Fuhrpark regelmäßig modernisiert wird, soll das Fahrzeug in den kommenden Jahren ersetzt werden.
Die "Allzweckwaffe"
Das mittlere Löschfahrzeug (MLF) ist die "Allzweckwaffe" der Feuerwehr. Es kommt bei Brandeinsätzen und technischen Hilfeleistungen zum Einsatz. Das Gesamtgewicht beträgt 7,49 Tonnen. Der Vorteil: Die Einsatzkräfte brauchen keinen Lkw-Führerschein, sondern können es mit einem speziellen Feuerwehr-Führerschein fahren. In seinem Tank führt es 800 Liter Wasser mit.
Auf dem Lindenhof ist zudem noch das Hilfeleistungslöschfahrzeug (HLF20) stationiert. Es hat als Multifunktionsfahrzeug einen 2500-Liter-Löschwassertank und umfangreiche Ausrüstung zur technischen Hilfeleistung.
Leiter lässt sich 30 Meter ausfahren
Ein Fahrzeug, das immer wieder staunende Blicke auf sich zieht, ist die Drehleiter mit Korb (DLK23/12). 30 Meter lässt sich die Leiter ausfahren. Dank der an der Leiter angebrachten Beleuchtung kann es auch bei nächtlichen Einsätzen taghell werden. An Bord befindet sich zudem die Ausrüstung, die die Fachgruppe Absturzsicherung bei Einsätzen in steilem Gelände benötigt.
Um bei Katastrophenschutz-Fällen gewappnet zu sein, sind im Landkreis vier Wechselladerfahrzeuge (WLF) im Einsatz. Austauschbare Abrollbehälter kommen je nach Bedarf zum Einsatz. In Sulz ist der Abrollbehälter Schlauch stationiert, in Schramberg der Abrollbehälter Atemschutz, in Rottweil der Abrollbehälter Gefahrgut. In Oberndorf befindet sich der Abrollbehälter Einsatzleitung, der als mobile Zentrale zur Koordination größerer Einsätze dient.
Über 200 Einsätze im Jahr
Die Oberndorfer Feuerwehr hat etwa 200 bis 220 Einsätze im Jahr, erklärt Manuel Suhr. Zahlreiche Übungen kommen noch hinzu. Entsprechend hoch ist die Belastung für die Geräte und den Fuhrpark. Fünf ehrenamtliche Gerätewarte prüfen alle zwei Wochen die Ausrüstung und führen bei Bedarf Reparaturen durch. Die Fahrzeuge werden regelmäßig von einem Kfz-Mitarbeiter des Werkhofs geprüft.
Im vergangenen Jahr wurden die größeren Fahrzeuge mit Kameras ausgerüstet. Diese filmen den toten Winkel ab. Wenn sich in diesem Bereich jemand aufhält, ertönt ein Signal und ein Monitor zeigt, was sich vor der Linse abspielt. Die neueren Fahrzeuge haben ein Automatikgetriebe. Gerade für die Einsatzkräfte, die nicht regelmäßig Laster fahren, sei das von Vorteil, erklärt Suhr. Sie können sich besser auf den Verkehr konzentrieren.
"Sicherheit steht an erster Stelle"
Einige Fahrzeuge tragen das neue Design der Oberndorfer Feuerwehr. Zum klassischen Rot kommen noch gelbe und silberne Streifen und Schriftzüge, die Licht reflektieren. Das sorge für eine bessere Sichtbarkeit. Künftige Anschaffungen sollen ebenfalls dieses Design haben.
Egal ob Totwinkel-Kamera, Automatikgetriebe oder neues Design. Alle Ausstattungsmerkmale dienen der Sicherheit der Einsatzkräfte und der Bürger, sagt Manuel Suhr. Denn Gefahren lauern auch auf dem Weg zum Einsatzort. Für die Feuerwehr gilt zu jeder Zeit: "Die Sicherheit steht an erster Stelle."