Für den Klimaschutz setzen sich auch Aktivisten in Loßburg ein. Foto: Fridays for Future Loßburg

Erst fünf Monate ist die Fridays-for-Future-Bewegung in Loßburg alt. Zu dritt haben sie angefangen. Und schon hat sich eine Gruppe von 17 Personen formiert, Tendenz steigend. Die Idee hatten Adrian Kirsch und Rebecca Silzle. Sie verraten, was sie antreibt.

Loßburg - Manchmal hupen die Leute, oder sie winken freundlich. Aber nicht immer. "Letztens hat ein Autofahrer das Fenster runtergekurbelt, gerufen: ›Zum Glück fahre ich Diesel!‹ und ist mit Vollgas weggefahren", erinnert sich Adrian Kirsch. Auch den "Stinkefinger" würden die Aktivisten öfter sehen, ergänzt Rebecca Silzle. Aufmerksamkeit sei der Gruppe sicher, wenn sie einmal im Monat zur Feierabend-Verkehrszeit vor dem Kinzighaus an der Durchgangsstraße ihre Mahnwache abhält. Und genau darum gehe es auch: Aufmerksamkeit erregen, Gespräche und Debatten anregen. Aber die Reaktionen seien sehr gemischt.

 

"Ich habe den Eindruck, dass viele Menschen dem Klimaschutz ablehnend gegenüberstehen, weil sie Angst haben, dass ihnen etwas verboten wird", mutmaßt Kirsch. Das sei aber nicht ihr Anliegen.

"Verbote sind immer eine schlechte Option"

Er hält die CO2-Bepreisung für ein gutes Instrument, von dem er glaubt, dass viele Menschen das System dahinter noch nicht verstanden haben. "Die Produkte mit hohem CO2-Abdruck werden teurer", erklärt er. "Trotzdem zahlt der Bürger erst einmal nicht mehr. Die Einnahmen aus dem CO2-Preis sind abhängig vom Ausstoß und werden pro Kopf zurückerstattet." Der Bürger fliege also Flugzeug und fahre Auto, zahle dafür mehr Steuern als bisher, bekomme einen bestimmten Betrag am Jahresende aber zurück. "Und wer einmal weniger Flugzeug geflogen ist oder weniger Auto gefahren ist, bekommt den Betrag auch zurück, macht also sogar Plus." Das könne ein Anreiz sein, das Auto öfter stehen zu lassen. Dazu, so Kirsch, gebe es gerade Modellversuche.

"Verbote sind immer eine schlechte Option. Das gibt so viel Gegenwind. Und man kann auch nicht alles verbieten." Zumindest nicht, solange keine guten Alternativen da seien. "Hier ist es zum Beispiel nicht so einfach, ohne Auto zu leben", sagt er. "Es wäre wichtig, dass der Bahnanschluss besser wird, zum Beispiel zwischen Freudenstadt und Loßburg."

Es sollte den Menschen allgemein leichter gemacht werden, umweltfreundlich zu leben, fügt Rebecca Silzle hinzu.

Zum Verzicht auffordern, ohne eine Alternative zu bieten, bringe nichts. Was aber jeder einzelne unabhängig von der Politik für seinen ökologischen Fußabdruck tun könne, so Silzle, sei, sein Konsumverhalten zu überdenken. "Zum Beispiel welche Lebensmittel man kauft oder wie man sich fortbewegt. Man kann sich zum Beispiel fragen: ›Brauche ich für den kurzen Weg zum Einkaufen wirklich das Auto?‹" Auch tierische Lebensmittel seien sehr aufwendig in der Produktion und hätten eine schlechte CO2-Bilanz.

Demonstranten zwischen 20 bis 60 Jahre alt

"Manchmal denke ich, wir leben in einer Blase aus wenigen klimafreundlich denkenden Menschen", sagt Kirsch. "Aus der kommt man nur heraus, indem man mit den anderen den Kontakt sucht und mit ihnen ins Gespräch kommt."

Dabei sei es natürlich nicht möglich, mit allen zu reden, aber das sei auch gar nicht nötig. "Ich glaube, es spricht sich herum, dass wir regelmäßig vor dem Kinzighaus stehen", sagt er.

Angefangen haben sie zu dritt, bei der zweiten Mahnwache waren es acht. Dann elf Personen. Und zuletzt 17. Sogar zwei Gemeinderatsmitglieder seien dabei gewesen, von den Grünen und den Freien Wählern.

Die Kerngruppe der Demonstranten ist um die 20 Jahre alt, der älteste Unterstützer sei aber 60. Der Sinn für Klimaschutz habe also nichts mit der Altersgruppe zu tun. Obwohl die 20-Jährigen in Sachen Überzeugungsarbeit einen Vorteil hätten: "Wir sind jung, haben kein Geld und sind keine Politiker", fasst Kirsch zusammen.

Ob sie glauben, dass ihre Mahnwache etwas bewirken kann? "Greta Thunberg hat auch mal alleine angefangen", sagt Silzle. "Und dann wurde eine riesige Bewegung daraus. Das ist durch Corona nur in den Hintergrund gerückt."

"Die Folgen des Klimawandels werden immer sichtbarer"

So kamen die beiden auf die Idee. "Ich habe wegen dem Studium bis zuletzt in München gewohnt", erzählt Adrian Kirsch. Da sei die Verkehrsbelastung stärker, aber es gebe auch mehr Umweltschützer. Dort sei er auf die Bewegung aufmerksam geworden und habe sich gedacht: "Das könnte man doch auch auf dem Land machen."

Bei Rebecca Silzle traf er auf ein offenes Ohr. "Die Folgen des Klimawandels werden immer sichtbarer", sagt sie. "Es war ja lange bekannt, dass viele Auswirkungen auf uns zukommen, wenn es immer wärmer wird. Aber so langsam bekommen wir das auch ganz deutlich zu spüren", meint sie. "Deswegen ist es wichtig, jetzt etwas zu tun und für eine Zukunft zu sorgen, die lebenswert ist."

Den ersten Schritt haben sie geschafft. "Viele der Leute, die jetzt mit uns zu den Mahnwachen gehen, hätten sich das alleine nicht getraut." Aber in der Gruppe seien sie stark.

Und sie wollen weiter machen und immer mehr werden, betont Silzle. "Jeder Regen fängt mit einem Tropfen an."

Info: "Darum engagieren sich Loßbuger Klimaaktivisten"

Gianluca und Camillo Gisonni: "Für uns war Fridays for Future schon immer eine Herzensangelegenheit. Uns ist es wichtig, dazu beizutragen, dass auch in Loßburg das Bewusstsein für den Klimawandel wächst. Der ganze Wald in unserer Region sorgt nicht nur für ein gutes Klima, sondern ist für uns alle ein herausragender Rückzugsort."

Bernd-Lothar Wechler: "Der Grund, warum ich bei Fridays for Future in Loßburg mitmache, ist, dass immer mehr Leute auf das sehr große und offensichtliche Problem Klimakrise aufmerksam gemacht werden. Denn ohne eine Umwelt, die nicht in Balance ist, haben wir alle keine wirkliche Zukunft. Deshalb muss man jetzt handeln, um das Schlimmste zu verhindern."

Lena Bässler: "Wieso ich mich aktiv für Klimaschutz einsetze? Jeden Tag gehe ich meiner Arbeit als Erzieherin nach, sehe, wie die Kinder lernen, wachsen, fröhlich sind. Und es bricht mir das Herz, daran zu denken, dass sie vermutlich den Großteil ihres restlichen Lebens damit verbringen, die Folgen des Klimawandels auszubaden, statt sich ein erfülltes und selbstbestimmtes Leben zu gestalten. Überschwemmungen, Waldbrände, das ist nur der Anfang. Reisen? – Dann wohl eher vor dem Klima flüchten. Güter werden knapp, wegen der Gier weniger, und die restliche Menschheit und vor allem auch die Tiere, sie sich wehrlos allem hingeben müssen, sind die Leidtragenden. Ich wünsche mir eine lebenswerte Zukunft, für alle!"

Hannah Saile: "Jeder Schritt zur Nachhaltigkeit zählt, um unsere Erde zu retten, deswegen sollten auch kleiner Dörfer wie Loßburg Aktivismus betreiben."