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Freudenstadt Zahl der Baulücken vergleichsweise groß

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In Freudenstadt sind durchschnittliche Flächenreserven vorhanden. Foto: Stadtverwaltung Foto: Schwarzwälder Bote

Die Stadt Freudenstadt beteiligt sich am vom Regionalverband Nordschwarzwald initiierten Projekt "Regionaler Wohnraumscanner". Dies mit dem Ziel, vorhandenes Wohnraumpotenzial zu erheben und Strategien für dessen Aktivierung zu entwickeln.

Freudenstadt (mos). Erste Ergebnisse des Projekts wurden nun im Ausschuss für Infrastruktur und Umwelt von Bürgermeisterin Stephanie Hentschel präsentiert. Das vom Regionalverband Nordschwarzwald initiierte Projekt geht auf die Wohnraumoffensive der Landesregierung zurück und wird vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau unterstützt.

Hochrechnung Grundlage für Handlungsleitfaden

Freudenstadt habe sich dafür gemeinsam mit den Kommunen Pforzheim, Nagold und Remchingen – "vier Städte mit unterschiedlichen Ausgangslagen" – als Modellkommune zur Verfügung gestellt, so Henschel einführend. Ziel des Projekts sei es, das vorhandene Wohnraumpotenzial in einer Region zu erheben und Strategien für die Aktivierung zu entwickeln.

Die für die gesamte Region ermittelten Potenziale wurden in den vier Modellkommunen vertiefend untersucht und auf die Region im Anschluss "hochgerechnet". Entstanden ist –­ daraus resultierend – auch ein Handlungsleitfaden.

Im Rahmen des Prozesses wurde anhand von Verbrauchsdaten und Melderegisterauszügen beispielsweise der Leerstand von Gebäuden ermittelt. Siedlungsflächenreserven wurden mittels einer Luftbildanalyse entdeckt, mit kommunalen Katastern abgeglichen und anschließend mit den Modellkommunen besprochen. Abschließend wurden die ermittelten Potenziale in mögliche Wohnpotenziale transformiert, um die Ergebnisse auch vergleichbar zu machen. Diese Ergebnisse waren der Ausgangspunkt für den Handlungsfaden.

Das Wohnraumpotenzial insgesamt hat sich aus der bestehenden Flächen- und Bestandsreserve, die sich ihrerseits noch weiter unterteilen lässt in Flächenreserven vom Typ A (Siedlungsreserven) und Typ B (Minderbebauung) sowie Bestandsreserven vom Typ C (Aufstockung) sowie Typ D (Leerstand), ergeben.

Siedlungsflächenreserven sind die Gebiete oder Einzelparzellen, die in den jeweiligen kommunalen Flächennutzungsplänen für eine Wohnbebauung vorgesehen, tatsächlich aber weder bebaut noch genutzt sind. Darunter fallen Baulücken genauso wie Innenstadtentwicklungspotenziale und eine bestehende Außenreserve. In der gesamten Region Nordschwarzwald umfasst dieser Bereich rund 2000 Hektar – was 33,5 Quadratmeter pro Einwohner entspreche, so Hentschel.

Für die Region Nordschwarzwald wurde im Zuge der Untersuchungen eine maximale Wohnkapazität von insgesamt 63 000 zusätzlichen Wohneinheiten ermittelt, von denen der Großteil – nämlich 42 000 Wohneinheiten – auf die 2000 Hektar des unbebauten Wohnflächenpotenzials entfallen. Etwa 2000 Wohneinheiten könnten durch die Erschließung von 100 Hektar minderbebauten Bereichen (Typ B) geschaffen werden und weitere 5000 Wohneinheiten durch die Aufstockung von 2600 Wohngebäuden (Typ C). 14 000 Wohneinheiten könnte man darüber hinaus durch die Aktivierung von Leerständen in etwa 7500 Wohngebäuden realisieren.

Im Landkreis Freudenstadt haben sich die größten Siedlungsreserven im Außenbereich gezeigt, gefolgt von Baulücken und einem schon weitgehend ausgereizten Innenstadtbereich. Den vergleichsweise eher kleinen Bereich der Minderbebauung könne man eher vernachlässigen. Auch das ermittelte Aufstockungspotenzial von immerhin 5000 Wohneinheiten sei aufgrund bestehender Restriktionen "mit Vorsicht zu genießen".

Außerdem müsse man die Eigentümer in dem Fall erst einmal überzeugen. Interessanter sei deshalb der Leerstandsbereich, der in Freudenstadt vergleichsweise hoch sei, so Hentschel. Herangezogen wurden dafür die Zahlen des Zensus 2011 (damals 5,9 Prozent), die an die weiteren Entwicklungen angepasst worden sind. In Freudenstadt vermute man heute ein Potenzial von etwa sieben Prozent. Relativ viele Baulücken lägen im unteren Herrenfeld.

Bei den Leerständen habe sie im Rahmen einer selbst vorgenommenen Kontrolle aber festgestellt, dass es sich dabei nicht um einen statischen Zustand handle, sondern dass viele der Gebäude in jüngster Zeit auch frisch renoviert worden sind – was man so nicht erwartet habe. Eine solche Studie zeige immer nur den Bestand zum Zeitpunkt der Erhebung – was auch die Wertung der Riedgasse als Baulücke erkläre. Eine neue Erhebung käme dort heute zu anderen Ergebnissen, viele Baulücken seien bereits geschlossen.

Bevölkerung wächst nach wie vor geringfügig

Insgesamt wurde Freudenstadt auf Grundlage der Untersuchungen in den Gemeindetyp II (von IV) eingeordnet, was eigentlich erfreulich sei, so Hentschel. Konkret bedeute dies, dass durchschnittliche Flächenreserven vorhanden sind, dass die Bevölkerung nach wie vor geringfügig wachse, dass die Zahl der Baulücken vergleichsweise groß ist und die Bestandskapazität mäßig.

Geraten werde zu einer Stabilisierung der Ortskerne, zur Leerstandsbekämpfung und interkommunalen Zusammenarbeit sowie zur Sicherung der Infrastruktur und Nahversorgung. Empfohlen werde weiterhin ein kommunales Wohnraummanagement, ein Aktionsplan Wohnraumentwicklung, Eigentümeransprachen und Beratungsangebote. All dies seien Themen, die man im Rahmen des Stadtentwicklungskonzepts aufgreife.

Elisabeth Gebele (Bürgeraktion) erkundigte sich, welche Schlüsse man nun aus den Erkenntnissen zieht. Die Politik rate generell zu einem sensiblen Umgang mit dem Flächenverbrauch, weshalb man Außenflächen eher schone und sich stärker auf Innenflächenpotenziale konzentriere. Die seien aber begrenzt, sagte Henschel dazu.

In Freudenstadt habe man nach wie vor den Bereich der Sonnenhalde zur Verfügung, weitere Schwerpunkte setze man im Bereich der kleinteiligen Entwicklung. Außerdem versuche man immer wieder, auch Grundstücke zu erwerben und selbst "Marker" bei der Bebauung zu setzen. Der Trend gehe da zum Mehrfamilienhaus. Oberbürgermeister Julian Osswald ergänzte, dass die Verwaltung sämtliche Bereiche im Auge behalte.

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