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Freudenstadt "Was hat der, was ich nicht habe?"

Von
Coach, Autor und perfekter Selbstinszenierer: Cristián Gálvez galt die ungeteilte Aufmerksamkeit des bunt gemischten Publikums bei der Vortragsreihe "Perspektiven". Foto: Fritsch Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Alexandra Alt Kreis Freudenstadt. Cristián Gálvez verlässt die Bühne, die Menge tobt. Rund 200 Zuhörer erheben sich von ihren Stühlen im Kienbergsaal und applaudieren frenetisch. Gálvez hat das, wovon mancher Gast am Donnerstagabend im Stillen gerne ein Stückchen abhaben will: eine Persönlichkeit, die Wirkung schafft. So jedenfalls ist Gálvez’ Vortrag überschrieben, der sich in die erfolgreiche Veranstaltungsreihe "Perspektiven" des Schwarzwälder Boten und der Süddeutschen Verlag Veranstaltung in Kooperation mit der Freudenstadt Tourismus und der freundlichen Unterstützung der Volksbank Freudenstadt-Horb einfügt.

"Persönlichkeit" – das ist ein starker Begriff, und doch zugleich so vage. Was macht eine starke Persönlichkeit aus? Und: Habe auch ich eine starke Persönlichkeit? Gálvez spannt den Bogen nach Übersee, nach Hollywood. Dorthin, wo sich all die charismatischen Stars die Türklinke in die Hand geben. Er erzählt die fiktive Geschichte eines deutschen Zahnarztes, der durch einen Zufall von Arnold Schwarzenegger auf eine Party eingeladen wird. Auf der Party gibt es einen zweiten Zahnarzt, der am Ende des Abends mit mindestens einem neuen und vor allem prominenten Patienten im Kundenstamm nach Hause geht. Was ist passiert? Was hat gerade dieser Zahnarzt anders gemacht?

Die Antwort liefert der Persönlichkeitstrainer auf dem Silbertablett, und sie ist so anhaftend wie die gut erzählte Geschichte eines Hollywood-Blockbusters: "Wenn Sie jemand fragt, was Sie beruflich machen, denken sie sich einen Titel aus, einen massenpackenden Stoff, schaffen Sie die Notwendigkeit zu handeln, und überlegen Sie sich einen Haken."

Was zu Beginn noch ein wenig abstrakt klingt, löst Gálvez geschickt mit Beispielen aus der Politik und Wirtschaft. Die Grundsatzfrage "Wie wirke ich auf andere" veranschaulicht Gálvez, indem er einen Mann und eine Frau aus dem Publikum nach vorne bittet. "Wirkung schafft Wirklichkeit", sagt der Coach, um gleich das Dreiergespann nachhaltiger Motivation "Sicherheit, Selbstwert, Bindung" hinterherzuschicken. "Wenn man es schafft, bei anderen ein Gefühl von Sicherheit, Selbstwert und Bindung zu erzeugen, hat man es geschafft", sagt Gálvez. Menschen müsse man bewegen. US-Präsident Barack Obama habe so seine erste Wahl gewonnen.

Wie man auf der Bühne Menschen bewegt, hat Gálvez schon früh gelernt. Mit gerade einmal 16 Jahren riss er als Zauberkünstler das Publikum im Berliner Theater des Westens mit. Nach seinem Studium – Gálvez ist Betriebswirt, Wirtschafts- und Sozialpsychologe – entwickelt er sich zu dem, was man allgemein als "Rampensau" bezeichnet. In Los Angeles tingelt er als Comedien durch die Clubs, spielt Improvisationstheater und wird schließlich Schüler des berühmten Lee Strassberg Theater Institute. In Jeff Goldblums Playhouse-West-Schule erlernt er die Meisner-Technik. Heute ist Gálvez Buchautor, preisgekrönter Referent und gern gesehener Gast in Talkshows und Radiosendungen.

Was ihn selbst vorangebracht hat, das gibt er im Kienbergsaal weiter. "Klarheit, Kompetenz, Kongruenz und Konsistenz" seien die Stoffe aus denen charismatische und vor allem erfolgreiche Menschen gemacht seien. Wer dann noch kleine Schwächen besitze und die sympathisch rüberbringen könne, habe gewonnen. "Welche Schwächen machen uns stark?", fragt Gálvez in die Runde, während auf der Leinwand ein Bild von Markus Lanz erscheint. "Perfektionismus will keiner sehen. Wir wollen Menschen sympathisch scheitern sehen" – so wie einen charismatischen Filmhelden.

Die Botschaft des Abends könnte mit dem Titel "Schreiben Sie ihr eigenes Drehbuch" überschrieben sein. Denn darum geht es Gálvez letztlich. Darum, seine eigene Rolle zu finden und sich zu trauen, Dinge anders zu machen.

Während Gálvez spricht, auf der Bühne im perfekt sitzenden Anzug hin und her läuft, seine Gestik und Mimik gekonnt einsetzt, um das Gesagte zu unterstreichen, wird deutlich: Auch der Redner beherrscht die Kunst der Selbstinszenierung in Vollendung. Nett und lustig, ernst und mitreißend und zu keinem Zeitpunkt langweilig. Wenn das Leben eine Bühne wäre, so hätte sie mit Cristián Gálvez ihren Meister gefunden.

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