Auf Kuschelkurs ging Günther Oettinger (Mitte) trotz der beschaulichen Runde im Hintergrundgespräch nicht. Er verstand es jedoch, unangenehme Thesen unterhaltsam zu verpacken. Foto: Eberhardt

CDU-Stadtverband und Unternehmer diskutieren mit EU-Energie-Kommissar Günther Oettinger.

Freudenstadt-Kniebis - Das Thema Energiewende geistert allseits durch die politischen Diskussionen, so auch bei der CDU in Freudenstadt. Bei einem Hintergrundgespräch hat man sich hier nun Impulse von der Spitze geholt – bei einem Referat von EU-Energie-Kommissar Günther Oettinger.In einer erlesenen Runde aus Politikern und Unternehmern wurde im Hotel Waldblick in Kniebis launig, aber knackig diskutiert. Die Christdemokraten drückt nämlich der Schuh beim Thema Energiekosten, Verlässlichkeit der Politik und Entwicklung der energetischen EU-Rahmenbedingungen für Unternehmen.

Auf die Frage des stellvertretenden CDU-Stadtverbandsvorsitzenden Andreas Bombel, wo die Reise hier hingehe, vermochte Oettinger zwar keine konkrete Antwort zu geben. In Windkraft und Photovoltaik sieht er das Heil aber nur bedingt, vor allem, wenn diese Ressourcen in Kleinanlagen auf Schwarzwaldhöhen und Hausdächern angezapft werden sollen. "Kein Bauer würde einen Orangenbaum auf dem Kniebis pflanzen", stichelte Oettinger mit Blick auf Photovoltaik-Rummel und Sonnenkraft im Nordschwarzwald.

Netzüberlastungist ein Problem

Statt sich zu verzetteln, riet der Energie-Kommissar dazu, die alternativen Energiequellen an der ergiebigsten Stelle zu suchen: Windkraft an der Nordsee, Sonnenenergie in Südspanien. Diese Frage bewegte auch Stadtverbandsvorsitzende Carola Broermann. "Warum ist hier denn keine Leitung machbar?", fragte sie. Die Transportmöglichkeiten wären gegeben, erklärte Oettinger, das Problem sei jedoch die Netzüberlastung.

In Sachen Energie befinde man sich derzeit in einem Goldrausch, der von den sogenannten "Global Players" gesteuert werde, erklärte Oettinger. Eine EnBW sei dabei bestenfalls Kreisliga. "Wir brauchen deshalb keine dezentralen Idealisten", orakelte der EU-Kommissar, "die bauen keine Gasleitung von Baku hierher." Planungssicherheit in Sachen Energiepreise und -versorgung, da war sich die Versammlung einig, ist dringend geboten.

Deutschland stehe vor einem Strompreis-Problem, erklärte Oettinger angesichts des wachsenden Energiebedarfs in einer modernen Industrie, der mit alternativen Modellen allein nicht gedeckt werden kann. "Und dann geht es bald mit Stromkosten gegen Arbeitsplätze."

Beck sieht Vorteile bei der Wasserkraft

Rainer Schuler, Leiter der Stadtwerke Freudenstadt, trieb in diesem Zusammenhang das Thema Kohlekraft um: "Gibt es den keine Rahmenbedingungen, alte Kraftwerke durch neue zu ersetzen?" Das fossile Kraftwerk als Geschäftsmodell lohne sich inzwischen nicht mehr, informierte Oettinger, da dieses bei Wind und Sonne runtergefahren werden muss. "Im Netz gilt der perfekte Vorrang", erklärte Oettinger die Hintergründe der Energiepolitik. "Und dieser muss weg."

Ein großes Potenzial sah der CDU-Landtagsabgeordnete Norbert Beck beim Thema Wasserkraftwerke. Problematisch seien jedoch die abschreckenden EU-Rahmenrichtlinien. Hier konnte Oettinger keine Erleichterungen in Aussicht stellen, rief aber dennoch zu verstärkter Aktivität auf.

 "Das ist die umweltschonendste Form der Stromgewinnung." Alleine bei Industrie und Gewerbe soll das Thema jedoch nicht hängenbleiben. Auch wenn der Bürger insgesamt nur ein Viertel des bundesweiten Energiebedarfs generiert, müsse auch er seinen Teil der Verantwortung im Energieprozess tragen. Hier sieht Oettinger die Lösung vor allem in intelligenten Messsystemen, die den Stromverbrauch detailliert offenlegen – und in den Vertretern der Politik.

Auf die Frage des stellvertretendem CDU-Stadtverbandsvorsitzenden Gerold Hau nach Hilfestellungen für Kleinverbraucher, die zunehmend vor einem Finanzierungsproblem stehen, erklärte Oettinger: "Wir müssen die Verbraucher kompetent machen für eine intelligente Nutzung."

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