Das deutsche Tennis hat ein dickes Nachwuchsproblem. Nur noch Alexander Zverev ist im Einzel-Viertelfinale der French Open am Start. Bei Männern wie Frauen kommt beim DTB nicht viel nach.
Nun muss es Alexander Zverev richten, er ist der letzte deutsche Tennisprofi, der bei den French Open in Paris im Einzel noch dabei ist. Bei den Frauen ist im Einzel keine einzige deutsche Spielerin mehr am Start, und auch in den Doppelwettbewerben ist niemand mehr aus Deutschland dabei. Lediglich Kevin Krawietz befindet sich noch im gemischten Doppel im Turnier. Er steht mit der Amerikanerin Nicole Melichar-Martinez im Halbfinale.
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Angelique Kerber scheiterte in der dritten Runde des Turniers, und für Andrea Petkovic war schon in der zweiten Runde Schluss. Für Zverev könnte im Viertelfinale ebenso Feierabend sein, bekommt er es doch mit den spanischen Ausnahmetalent Carlos Alcaraz zu tun – dann sind alle Augen auf das gemischte Doppel von Krawietz gerichtet. „Es gibt bei Alcaraz keine Schwäche. Er bewegt sich unglaublich gut für seine Größe und ist wahnsinnig schnell. Und er hat einfach einen hohen Tennis-IQ“, sagt der deutsche Exspieler Thomas Haas über den neuen Wundermann aus Murcia. „Es wird eine schwere Aufgabe, klar. Ich wünsche mir, dass Zverev von Anfang an voll reingeht, dass er daran glaubt, dass er gewinnen kann“, sagt Haas und sieht dennoch Chancen für Zverev, im Turnier zu bleiben.
Was kommt nach?
Und der Rest? Ist Schweigen. Es kommt nicht wirklich was nach. Bei den Männern standen neben Zverev nur Peter Gojowczyk, Oscar Otte und Daniel Altmaier in der ersten Turnierrunde, keiner kam weiter. Alle anderen deutschen Spieler blieben schon in der Qualifikation stecken. Männer für die Zukunft sind die drei Erstrunden-Spieler allerdings nicht. Gojowczyk ist 32 Jahre alt und Otte auch schon 28. Lediglich der 23 Jahre alte Altmaier könnte als Nummer 54 der Weltrangliste noch etwas Zukunft haben.
Bei den Frauen überstanden Jule Niemeier (22), Nastasja Mariana Schunk (19) und die Schwäbin Tatjana Maria (34) die erste Runde nicht, sie waren neben Kerber und Petkovic die einzigen deutschen Frauen im 128er-Feld der Hauptrunde. Schunk und Niemeier gelten als Nachwuchshoffnungen des Deutschen Tennis-Bundes (DTB), vielleicht schaffen sie noch den Sprung nach weiter vorne, vielleicht aber auch nicht. Lange wird die Generation um Kerber und Petkovic, die beide schon 34 Jahre alt sind, nicht mehr auf der Tour dabeisein. Und was kommt nach?
Kritik am Schulsystem
Man kann sich beim DTB auf ein paar Jahre einstellen, in denen das deutsche Frauen-Tennis auf internationalem Topniveau keine Rolle spielen könnte, und bei den Männern spielt Zverev den Alleinunterhalter. Die ehemalige Tennisspielerin Anke Huber führt den Rückstand, den die Deutschen haben, auch auf das Schulsystem zurück. „Wir haben ein wahnsinnig hartes Schulsystem in Deutschland. Da ist es fast unmöglich, Leistungssport zu betreiben“, kritisiert sie. Es gebe keine richtigen Internate und kein System, das fördernd sei. „Deshalb muss man unseren Mädels mehr Zeit geben“, sagt Huber – und den Männern vermutlich auch.