„Es gibt kein Unheilbar – Gott ist der größte Arzt!“, steht auf den Flyern, die seit Mitte September in den Briefkästen in Balingen und den Stadtteilen landen. Foto: Kübler

In vielen Haushalten landete dieser Tage ein Flyer des „Bruno Gröning Freundeskreis“: Der Verein glaubt an geistige Heilung durch die Lehre Grönings. In Balingen zeigt der Verein an zwei Sonntagen einen Film über den angeblichen Geistheiler.

Bruno Gröning ist schon viele Jahre tot - und doch glauben noch immer Menschen an eine göttliche Heilkraft des 1959 verstorbenen Mannes. Offenbar auch in der Region: So lädt der örtliche „Bruno Gröning Freundeskreis“ nun an zwei Sonntagen, 1. und 15. Oktober, zu einer Filmvorführung in die Balinger Stadthalle ein.

 

Laut Website des Vereins glauben die Anhänger Grönings an eine göttliche Heilkraft, die sich beim Ansehen des vermeintlichen Dokumentarfilms entfalten könne. „Durch eine entsprechende Körper- und Geisteshaltung kann jeder Mensch die göttliche Kraft in sich aufnehmen“, heißt es auf der Website.

Sprecher verweist auf „außergewöhnliche Heilungen“

Laut Tobias Metzger, einem Sprecher des Vereins, soll es sich bei dem Film um einen Dokumentarfilm mit dem Titel „Das Phänomen Bruno Gröning – Auf den Spuren des ‚Wunderheilers‘“ handeln. Anlass der weltweiten Filmvorführungen ist laut Metzger das 20-jährige Jubiläum des Gröning-Freundeskreises.

Metzger schreibt unserer Redaktion: „Der Dokumentarfilm zeichnet die Ereignisse um Bruno Gröning (1906-1959) auf eindrucksvolle Weise nach. Doch ist er mehr als ein dokumentarischer Blick in die Vergangenheit. Der Film zeigt, dass das, was damals geschah, auch heute möglich ist. Denn auch heute geschehen außergewöhnliche Heilungen, von Ärzten bestätigt.“

Stadt distanziert sich indirekt

Heilung durch Glaube? Ein schöner Gedanke. Doch er birgt Gefahren, wenn Patienten ihre medizinische Behandlung wegen der Heilsversprechen abbrechen. Hierauf angesprochen meint Tobias Metzger vom Freundeskreis: „Entsprechend dem Vorbild Bruno Grönings wird im Freundeskreis nicht von Arztbesuchen oder medizinischen Maßnahmen abgeraten. Innerhalb des Freundeskreises erfolgen keine medizinischen Beratungen, Untersuchungen oder Behandlungen.“

Wie steht aber die Stadt Balingen zu der Veranstaltung? Sie distanziert sich gegenüber unserer Redaktion indirekt. So schreibt Pressesprecher Dennis Schmidt: „Eine Vergabe städtischer Einrichtungen ist grundsätzlich keine Identifikation mit den Zielen der Veranstaltung und den Positionen der Veranstalter.“ Schmidt erklärt, dass die Vermietung der Stadthalle auf Grundlage der vom Gemeinderat beschlossenen Miet- und Benutzungsordnung erfolge. „Die Stadthalle Balingen steht als öffentliche Einrichtung im Prinzip allen offen. Bei der Vergabe der öffentlichen Räume erfolgt keine inhaltliche Vorauswahl, sondern es gilt der Gleichheitsgrundsatz“, führt er weiter aus.

Pfarrerin steht Veranstaltung skeptisch gegenüber

Der Veranstaltung skeptisch gegenüber steht ferner Birgit Wurster. Ihr ist die Organisation zwar nicht persönlich bekannt, die Darstellung im Flyer findet die evangelische Pfarrerin jedoch fragwürdig. Glaube könne in einem Heilungsprozess eine große Rolle spielen, ist auch Wurster überzeugt. „Wie in jeder Lebenslage kommen menschliches Können (in diesem Fall medizinisches Wissen) und das Vertrauen auf Gott zusammen. Das heißt aber nicht, dass wir durch unseren Glauben über Gott verfügen oder zu irgendetwas zwingen könnten“, betont sie. Und verweist auf die von der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Balingen betriebene Sozialstation, auf der Menschen nach wissenschaftlich anerkannten medizinischen Methoden geholfen werde.

Die Filmvorführungen

Der Film wird an den beiden Sonntagen, 1. und 15. Oktober, in der Stadthalle Balingen gezeigt. Los geht es um 13.30 Uhr. Weitere Infos zu den Vorführungen finden Sie hier.