Philipp Schütz hält eines seiner Lieblingsbilder in der Hand. Das Foto entstand, während das Mädchen ihren Freundinnen bei Spielen zusah. Foto: Szyltowski

Aktuell ist in Stammheim die Fotoausstellung „Erinnerungen – Begegnungen in Tansania“ zu sehen. Der Calwer Fotograf Philipp Schütz erzählt, wie er zu seinen Schnappschüssen gekommen ist.

Was haben die Stadt Calw und Tansania gemeinsam? Die Antwort: Philipp Schütz. Der Fotograf hatte sich in das ostafrikanische Land aufgemacht. Von seiner Reise zurückgekommen ist er mit persönlichen Eindrücken, Erfahrungen und Schnappschüssen – zu sehen in der Evangelisch-methodistischen Kirche in Stammheim.

 

Die Kirche ist aktuell also nicht nur ein Ort der Begegnung, sondern auch Schauplatz von Schütz’ Fotoausstellung mit dem Titel „Erinnerungen – Begegnungen in Tansania.“ Unsere Redaktion hat ihn vor Ort getroffen.

Hintergrund Doch wie kam es überhaupt zu der Tansania-Reise? Schütz engagiert sich ehrenamtlich bei dem Verein „time2help“. Die Organisation, die notleidenden Menschen in Tansania helfen möchte, „wurde vor zehn Jahren von den Eltern meiner Freundin gegründet“, erzählt der 28-jährige Calwer.

Seine Freundin sei auch im Verein aktiv und reiste als Projekt-Koordinatorin nach Afrika. Und Schütz, der kam mit – sein Ziel: das Projekt vor Ort fotografisch zu dokumentieren, unter anderem „für den Verein und die Paten.“

„An unserem Auto rannten plötzlich Löwen vorbei“

Surreal Im Rahmen der Reise ergaben sich für Schütz und seine Freundin auch ein paar freie Tage. Diese nutzten sie und gingen auf Safari im Serengeti-Nationalpark. Er zeigt auf die dort entstandenen Naturfotografien, die im Nordteil der Kirche ausgestellt sind. Doch als er vom Erlebten erzählt, schweift sein Blick ab in die Ferne, als sei er wieder in der weiten, ebenen Landschaft Tansanias unterwegs.

„An unserem Auto rannten plötzlich Löwen vorbei, das war surreal“, schildert er. Ebenso überraschend: Löwinnen, die sich in Baumkronen niederließen, um Mittagsschlaf zu machen. Schütz erkannte wie anders sich die Tiere, die er nur aus dem Zoo kannte, in der Natur verhielten: „Ich habe gedacht, so ist die Welt eigentlich. Das war ein erdender Moment.“

Ursprung Mit Naturfotografie begann übrigens Schütz’ Laufbahn als Fotograf. Nach dem Abitur machte er mit einem Kumpel eine neunmonatige Rundreise durch Südamerika. Damals teilten sie sich ohne Hintergedanken Aufgaben ein: Sein Freund übernahm das Kochen, Schütz war für die Fotos zuständig. Das ist nun knapp zehn Jahre her. Aus einer Aufgabe ist ein Hobby und dann ein Beruf geworden. Heute ist er bei einem Calwer Unternehmen angestellt, für das er Produktfotos und -videos macht. Nebenberuflich ist er Hochzeitsfotograf.

Versagensängste vor der Reise

Angst Auch wenn er schon viele Brautpaare und Hochzeitsgäste abgelichtet habe, empfand er vor der Reise nach Tansania Versagensängste. „Diese Angst haben mir die Menschen aber schnell genommen“, sagt er lächelnd. Vor allem die Kinder zeigten natürliche, echte Emotionen und so sei es ihm gelungen, so findet Schütz, ungestellte Bilder zu schießen und spontane Situation einzufangen.

„Ich wollte nicht nur Armut fotografieren“, ergänzt er noch. Damit wäre er den Menschen, die er kennenlernte, nicht gerecht geworden. „Wir haben Familien besucht, die unter der Armutsgrenze leben. Klar, sie haben ihre Herausforderungen Aber viele strahlten trotzdem Freunde und Zuversicht aus“, so Schütz. Er findet es bedenklich, dass viele Europäer denken würden, sie müssten den Menschen in Afrika etwas beibringen. Auch einfache Spendenprogramme seien nicht sinnvoll, die schafften“ nur Abhängigkeit.“

Gemeinschaft Der Verein „time2help“ gehe einen anderen Weg. Durch Spenden und Patenschaften würden Projekte finanziert, die den Menschen helfen, sich selbst zu helfen. Die einen bekämen etwa Starthilfe mit einem Hühnerstall, andere würden unterstützt, sich einen eigenen landwirtschaftlichen Betrieb aufzubauen – um zwei von vielen Beispielen zu nennen. Der zweite Schwerpunkt des Projektes sei es, so Schütz, die Gemeinschaft der Familien untereinander zu stärken. „Jeder kennt sich in etwas anderen gut aus und so können sie sich gegenseitig unterstützen.“

Mit Bildern aufmerksam machen

Aufmerksamkeit Schütz hofft, mit seiner Ausstellung auch Werbung für die Arbeit des Vereins zu machen. Mit den Einnahmen, etwa aus dem Verkauf von Fotodrucken oder Fotokalendern mit Motiven der Ausstellung möchte er „time2help“ finanziell unterstützen.

Zukunft Die Dokumentation des Projekts sei für Schütz eine „sehr bereichernde Erfahrung gewesen“, sagt er. Seine Freundin arbeite im Bereich Entwicklungshilfe. Es würde ihm gefallen, in der Zukunft als Fotograf mit Ihr zusammenzuarbeiten. Ein weiterer Wunsch sei es, irgendwann den Sprung in die Selbstständigkeit zu schaffen.