Wenigstens sie haben was zu lachen: Roberto Blanco (li.) und Karl König. Foto: NDR/ Sandel

Das Erste nervt Schlagerfans und Schlagerhasser: Erst präsentiert Florian Silbereisen eine Musikgala – hinterher gibt es den völlig verunglückten Ulk „Karl Königs Schlagerparty“, bei dem auch Roberto Blanco mitmacht.

Stuttgart - Deutscher Schlager macht Laune, das ist schon mal sicher. Den einen allerdings gute, den anderen furchtbar schlechte, da haben wir schon eines der Probleme der öffentlich-rechtlichen Sender. Zwar sind die fraglos auch für Millionen Schlagerfans da und können sogar auf gute Quoten für einschlägige Shows setzen. Aber die polarisierende Mitklatschmusik nährt bei vielen das bequeme Vorurteil, ARD, ZDF und die dritten Programme böten vor allem Seichtes, Altbackenes, Überflüssiges und von den Privaten sowieso frei Haus Geliefertes. Anders gesagt: sie seien Rundfunkgebühren gar nicht wert.

 

An diesem Samstagabend ist es wieder so weit: Florian Silbereisen präsentiert im Ersten die Show „Schlagercountdown – So wird’s bald wieder sein!“. Ja, genau, Andrea Berg, Helene Fischer, Andreas Gabalier, Roland Kaiser, Ross Antony sowie ein paar kleinere Namen des Gewerbes werden hier flott als Botschafter einer Nach-Abstandszeit verkauft, als Verkündigungsengel des wiedergefundenen Paradieses der nun impfgeschützten Umarmungen, der angstfreien Begegnungen – und des maskenlosen Schunkelns natürlich. Darum darf das Ganze auch bis 23.30 Uhr dauern.

Eine Kunstfigur will Star werden

Die einen wird das glücklich machen. Die anderen werden in den sozialen Netzwerken wieder das Spottbajonett aufpflanzen und in den Nahkampf mit anderer Leute Vergnügung gehen. Um diese auch von der Schlagerfrage gespaltene Welt wenigstens ein bisschen zu versöhnen, hat man bei der ARD aber eine Idee gehabt, aus der vielleicht sogar etwas hätte werden können. Nach dem „Schlagercountdown“, den „Tagesthemen“ und dem „Wort zum Sonntag“ läuft „Karl Königs Schlagerparty“.

Dieser halbstündige Comedy-Plauder-Mix hätte wohl Schlagerfans zeigen sollen, dass man die ganze Branche auch mal auf die Schippe nehmen kann, ohne sie zu verachten – und Schlagerhassern, dass man die Schlagerwelt genießen kann, auch wenn man ihr Billiglametta-Glitzern durchschaut. Herr König, eine Kunstfigur, hat sich Ireen Sheer als Talkgast eingeladen, präsentiert Einspieler von Begegnungen mit anderen angeblichen Idolen wie Roberto Blanco und Nicole. Und irgendwie schwebt da noch eine dünne Handlung herum. König möchte selbst ins Schlagergeschäft, hofft auf Tipps und darauf, dass der Hitkomponist Ralph Siegel ihm einen Chartstürmer schreibt.

„Karlpool-Karaoke“: aua, aua

Dass sich läppisches Herumgehampel als spritzige Vergnügtheit ausgibt, kommt im Fernsehen immer wieder mal vor, aber so ein geistloses, pointenfreies, konzentrationsunfähiges Zickzackgefasel wie hier dann doch nicht alle Tage. Ireen Sheer versucht, bei der Qualkalauerparade noch professionell sonnig zu tun. Der „Ein bisschen Frieden“-Nicole merkt man aber den Wunsch , es möge schnell vorbei sein, sympathischerweise deutlich an. Schlimmste Entgleisung: der dauernde Hinweis, Königs Gesangsversuche seien „Karlpool-Karaoke“.

Aber vielleicht ist das ja gar kein so schlechtes Begleitstück zum „Schlagercountdown“, nur die Reihenfolge ist verdreht. Liefe dies vornweg, die ärgsten Schlagerhasser könnten mit Florian Silbereisen im Anschluss endlich ihren Frieden machen.

ARD, Samstag, 20.15 Uhr: „Schlagercountdown“. Ab 23.55 Uhr: „Karl Königs Schlagerparty“.