Auf „Dance Fever“, dem fünften Album von Florence + The Machine, intoniert Florence Welch stimmstark Bekenntnisse einer unabhängigen Frau voller Selbstzweifel.
Florence Welch hat ihren eigenen Zugang zur Romantik gefunden. Die englische Singer-Songwriterin wirkt wie eine Figur aus einem Emily-Brontë-Roman, sie buchstabiert deren frühfeministische Perspektive für das Jetzt neu aus. Ihre Texte klingen wie Bekenntnisse zu einer Geisteraustreibung: Florence kämpft gegen das Patriarchat und gegen ihre eigenen Dämonen. Auf „Dance Fever“, dem aktuellen Album ihrer Band Florence + The Machine, intoniert sie gleich im Opener „King“ mit mächtiger Stimme die Selbstvergewisserung einer unabhängigen Frau: „I need my empty halls to echo with grand self-mythology / ’cause I am no mother, I am no bride, I am king.“ Selbst-Mythologisierung, Frauenrollenlosigkeit: Auf dem Album-Cover inszeniert sie sich in erhabener Gothic-Kostümierung.
Sie hat einen „heiligen Krieg“ losgetreten
Florence umarmt die Ambivalenz des Lebens, sie jauchzt und ist zugleich betrübt. Immer geht es ihr ums Ganze, nie gibt sie sich zufrieden. In „Girls against God“ singt sie zur Lagerfeuergitarre von geopferten Gefühlen im „heiligen Krieg“, den sie losgetreten hat, um als Frau ernst genommen zu werden – allerdings begleitet von Selbstzweifeln: „And in my darkest fantasies / I am the picture of passivity.“
Die Musik ist eher dekorativ ausproduziert
Etwas Koketterie schwingt da mit, alles andere als passiv wirkt die stimmgewaltige Pop-Persona, die in „Dream Girl Evil“ mit verführerischem Unterton enttäuschte Männerfantasien aufspießt. In „Free“ offenbart Florence zum Synthesizer-Beat ihre impulsive Natur, die sie oft verberge: „I’m on fire but I’m trying not to show it“, singt sie, ausleben könne sie sich nur in ihrer Musik. Selbige haben Jack Antonoff und Dave Bayles eher dekorativ dienend ausproduziert: Es geht allein darum, Florence’ Gesang herauszustellen, wo zum Beispiel im Rocksong „Cassandra“ die nur angedeutete Orgel stärkere Akzente hätte setzen können.
Der Albumtitel preist die Lebenslust, in „Choreomania“ rehabilitiert sie das im Spätmittelalter verteufelte Phänomen der „Tanzwut“. „Heaven is here“ öffnet eine hoffnungsvolle Perspektive: Der Himmel sei da, man müsse ihn nur wollen, deklamiert Florence – und auch hier kann die begnadete Bardin sich einen düsteren, selbst-reflexiven Dreh nicht verkneifen.
Florence + The Machine: Dance Fever . Polydor/Universal