Der Frühling ist da, und bald heben die Flieger in Musbach wieder ab. Und die Mitglieder der Fliegergruppe Freudenstadt haben zudem einen Grund zu feiern. Ihr Verein wird 95 Jahre alt. Dazu ist im Sommer ein Fest geplant.
Das Jubiläum will der Verein am 20. und 21. Juli mit einem „Fly Inn“ und einem Flugplatzfest sowie einem Tag der offenen Tür begehen. Dabei wird Interessierten auch die Infrastruktur des Vereins vorgestellt.
Auch Probesitzen in den Segelflugzeugen, dem Motorflugflugzeug DR 400 und in einem Ultraleichtflugzeug ist möglich. Mit im Boot ist die Fliegergruppe Renchtal, die seit 1982 ihre Heimat in Musbach gefunden hat. Das Miteinander in der Schulungs- und Nutzungsgemeinschaft funktioniert gut.
Was die acht Gründungsmitglieder im Krisenjahr 1929 bewog, einen Flugsportverein zu gründen, ist nicht überliefert. Doch es könnte durchaus Wolf Hirth gewesen sein, der den Impuls dazu gab. Zu jener Zeit war er beim Württembergischen Luftfahrtverband tätig und wirkte an der Gründung von 60 Flugsportgruppen mit. 1930 wurde ein erster Schulgleiter gebaut und eingeflogen. Die Freude währte nur kurz. Schon beim zweiten Start wurde er stark beschädigt. Doch schon bald folgte ein zweiter Schulgleiter.
Neugründung 1951
Von 1931 bis 33 zählte der Verein bereits 25 Mitglieder. 1937 endete das Vereinsleben durch die Umwandlung solcher Vereine in nationalsozialistische Fliegerkorps vorläufig. Mit Neugründung der Fliegergruppe startete 1951 wieder das reguläre Vereinsleben.
Statt Fliegen war zunächst viel Arbeit angesagt. Mit Holzrücken verdienten die Mitstreiter Geld, um das Material zum Bau eines neuen Schulgleiters SG 38 zu beschaffen. Idealismus war damals gefragt. Dem inzwischen verstorbenen Ehrenvorsitzenden August Bruder glückte es durch seinen großen Einsatz, ab 1969 erste Grundstücke in Musbach zu erwerben. Das war der Grundstein zu einer Erfolgsgeschichte. Mit viel Idealismus und Kraftaufwand wurden das Fluggelände und die erste Flugzeughalle erstellt. Nach und nach erweiterte der Verein die Infrastruktur. Inzwischen ist die Fliegergruppe Freudenstadt unter Segelfliegern weltbekannt.
Neben zwei Segelflug-Weltmeisterschaften (2002 und 2011) wurden in Musbach eine Junioren-Segelflug-Europameisterschaft, eine Deutsche Meisterschaft sowie mehrere Landesmeisterschaften und Quali-Grand-Prix ausgetragen. Im Kongresszentrum und Kurhaus richtete die Fliegergruppe drei Deutsche Segelfliegertage aus. Die gute Jugendarbeit wurde 1989 mit dem Grünen Band der Dresdener Bank belohnt. Mit zwei Flugzeughallen, einem Werkstattteil und einem Vereinsheim ist der Verein gut aufgestellt. Möglich wurde dies in den vergangenen Jahrzehnten durch viele Unterstützer. Zu ihnen gehörte auch der inzwischen verstorbene Unternehmer Artur Fischer. Er liebte das Fliegen und war für die Mitglieder trotz seiner Bekanntheit einfach nur „der Artur“.
Heute verfügt die Fliegergruppe über einen modernen Flugzeugpark. Zahlreiche jugendliche Nachwuchsflieger wollen die Musbacher Erfolgsgeschichte fortsetzen. Mit Michael Buchthal stellte Freudenstadt schon einmal einen Segelflugweltmeister (2008 in Rieti/Italien). Mit Dirk und Axel Reich, Christoph Geißler und dem Renchtäler Joachim Treier haben die Musbacher Piloten deutsche Senioren- und Juniorenmeister in ihren Reihen.
Weiterhin im Aufwind
Neben der Aufbaugeneration mit August Bruder, Werner Haug, Siegfried Haas und weiteren haben in den vergangenen Jahrzehnten Axel Reich, Christof Geißler, Karl Pfau und viele weitere engagieren Mitglieder zum Erfolg beigetragen.
Nahezu vier Generationen haben es geschafft, dass der Segelflug rund um Freudenstadt sich weiterhin im Aufwind befindet.