Nadja Pohl klärt über Fledermäuse auf. Foto: Bombardi

Exkursion: Die Säugetiere kommunizieren untereinander in der Lautstärke eines Presslufthammers

Sie sind lautlose Jäger in der Abenddämmerung und in der Nacht: Fledermäuse. Es ranken sich einige Geschichten um die geheimnisvollen Tiere. Die Teilnehmer der Fledermausexkursion rund um den Salinensee erfuhren hingegen viele Fakten.

Bad Dürrheim. In der Abenddämmerung rund um den Salinensee erfuhren Exkursionsteilnehmer einiges über Ultraschall, Spermienkonservierung und Nahrungsmittel­suche.

Die Fledermaussachverständige Nadja Pohl hatte eingeladen und auf einem interaktiven Rundgang reichlich Wissenswertes über die Flattermänner zu berichten. Bei den mehr als 1000 Fledermausarten handelt es sich nicht um Vögel. Sie gehören zu den Säugetieren, werden über 30 Jahre alt und wie fossile Funde belegen, gab es sie bereits vor mehr als 52 Millionen Jahren.

Tiere im Alten Testament

Kulturhistorisch seien die Fledermäuse bereits im Alten Testament ein Thema und der Respekt vor ihnen sei seit jeher groß. Das liege daran, dass sie die einzigen fliegenden Säugetiere sind und die Angst unter anderem durch Feste wie Halloween oder die Vampire in Dracula kontinuierlich geschürt werde. Das sei im übrigen Nonsens und auch die Mär von den Fledermäusen als Überträger von Covid stimme so nicht. Wissenschaftliche Untersuchungen, wie etwa vom Naturschutzbund, würden dies belegen, erklärte Pohl. Dennoch wies sie darauf hin, dass die Fledermäuse auf Grund ihrer aktivem nächtlichen Flugaktivität täglich eine Nahrungsmittelmenge aufnehmen, die bis zu einem Drittel ihres Körpergewichtes beträgt. Darunter befinden sich auch die in Südamerika beheimateten Vampirfledermäuse. Sie beißen mit ihren Zähnen die Opfer und lecken deren Blut. Da sie ihre Opfer am Geruch erkennen, kehren sie immer wieder zu ihnen zurück. Krankheitsüberträger sind die Tiere ebenfalls, da sie Tollwut übertragen und stark mit Parasiten befallen sein können.

Europaweit geschützt

Auf der Exkursion hob Pohl hervor, dass die Fledermäuse dennoch europaweit strikt unter Naturschutz stehen und tote oder verletzte Tiere umgehend dem NABU zu melden sind. Die Durchschneidung der Landschaft, Holzschutzmittel, Pestizide und andere Giftstoffe sind eine Gefahr für den Bestand der Fledermäuse, die ihren Winterschlaf auf die Zeit zwischen November und dem Frühjahr legen. Unmittelbar vor Beginn des Winterschlafs begatten die Männchen die Weibchen, die das Sperma konservieren, um im Winter nicht zu viel Energie auf Grund einer Schwangerschaft zu verlieren. Nach der Tragzeit von 40 bis 70 Tagen kommen die Jungen zur Welt und während sich im Sommer die Männchen in ihren Männerquartieren aufhalten um auf die Jagd zu gehen, ziehen die Weibchen in ihren Quartieren die Jungen groß.

Nadja Pohl unterteilte ihre Exkursion in fünf Etappen und machte sich mit einem Detektor und Echolot ausgerüstet mit den Teilnehmern gegen Schluss der Veranstaltung auf die Suche nach den Fledermäusen. Da der Abend weit fortgeschritten war dauerte es nicht lange, bis die ersten im Abendhimmel gesichtet wurden. Auch der Detektor sprang rasch an. Pohl wies darauf hin, dass die Fledermäuse im Ultraschallbereich in einer Lautstärke miteinander kommunizieren, die jener eines Presslufthammers entspricht.

Kreislauf heruntergefahren

Auch erfuhren die Exkursionsteilnehmer, dass Fledermäuse die in ihrem Winterschlaf pro Stunde mehrfach gestört werden, auf Grund ihres nahezu auf Null zurückgefahrenen Kreislaufs, kaum Überlebenschancen besitzen. Letztlich ist das einer der Gründe des teilweisen Fahrverbots durch die Tunnel für die Sauschwänzlebahn. Der andere liegt daran, dass 500 Mopsfledermäuse im Tunnel überwintern, was bundesweit rund einem Drittel aller festgestellten Tiere dieser Art entspricht. Pohl erhielt für ihr Wissen um die Fledermäuse reichlich Applaus. Sie kann sich sicher ein, dass so mancher der Teilnehmer die Fledermäuse aus einem anderen Blickwinkel betrachtet.