Christin Löhner erzählt, warum sie sich als Aktivistin und Feministin auch am Internationalen Frauenkampftag engagiert. Denn die Gründerin der Selbsthilfegruppe für Transpersonen sieht für Frauen noch viele Benachteiligungen innerhalb der Gesellschaft.
Am Internationalen Frauenkampftag wird die Fischingerin Christin Löhner in Singen-Hohentwiel stehen und eine flammende Rede zur Situation der Frauen halten.
Denn die sieht der Einschätzung der Webentwicklerin nicht sehr rosig aus. „Es gibt keine echte Gleichstellung zwischen Männer und Frauen“, erklärt sie.
Haus, Kind und Herd
So verdienten Frauen gemäß der „Gender-Pay-Gap“ immer noch weniger als ihre Kollegen. In Werbung und Gesellschaft herrsche vielerorts eine enorme Sexualisierung des weiblichen Körpers vor.
Gleichzeitig gäbe es politische Strömungen, die alte Geschlechterrollen wieder aufleben lassen wollten. „Für die ist der Platz der Frau am Herd und bei den Kindern“, sagt Löhner mit Blick auf das, etwa von der AfD vertretene, Familienbild.
Auch Transfrauen mitdenken
„Ich betrachte mich nicht nur als Aktivistin, sondern auch als Feministin“, erläutert die Gründerin der Selbsthilfegruppe für Transpersonen in Fischingen und Umgebung. Denn bei der Gleichberechtigung von Frauen müsse man eben auch Transfrauen mitdenken.
Doch sei das Traurige dabei, dass manche Frauen auch behaupteten, Transfrauen seien keine Frauen, sondern wollten diese vielmehr „nicht sichtbar“ machen.
Körperbau schützt vor Anmache
Doch Löhner zufolge ist vielmehr das Gegenteil der Fall. „Ich bin eine Frau und deshalb kämpfe ich für Frauenrechte!“, macht sie ihre Position deutlich. Allerdings könne sie dem Sachverhalt, einst in einem männlichen Körper geboren worden zu sein, etwas Positives abgewinnen.
Sie wünsche sich zwar, eine kleiner und zierlichere Gestalt zu haben. Doch: „Ich bin einfach so groß und breit gebaut – da haben Kerle doch schon Hemmungen, mich blöd anzumachen“, sagt sie.
Zivilcourage ist gefragt
Doch anderen ginge es nicht so gut. „Jedes Jahr werden in Deutschland 100 000 Frauen Opfer von häuslicher Gewalt“, erklärt sie. Wobei die Dunkelziffer deutlich höher liege, da viele der Betroffenen sich nicht trauten, Hilfe zu holen.
Hier sieht sie auch die Gesellschaft in der Pflicht. „Jeder sollte sich an der Bushaltestelle oder wo auch immer schützend vor Frauen stellen, wenn sie angemacht werden“, forderte sie.
Sozialistin machte den Anfang
Mit ihrer Rede wolle sie auf die vielfachen Baustellen aufmerksam machen, mit der Frauen heutzutage noch zu kämpfen hätten.
So habe der 1911 von der Sozialistin Clara Zetkin ins Leben gerufenen Internationale Frauenkampftag mit der Revolution von 1918 in Deutschland zwar das Wahlrecht erreicht. Doch sei die patriarchal geprägte Gesellschaft von echter Gleichberechtigung auch über 100 Jahre später noch weit entfernt.
Demos machen Mut
„Meine Hoffnung ist, dass wir Frauen alle zusammenstehen, um langfristig etwas an den Verhältnissen zu ändern“, blickt sie nach vorne.
Mut machten ihr die zahlreichen Demonstrationen gegen rechts, die jedes Wochenende in ganz Deutschland stattfänden. Dabei gingen Menschen mit den verschiedensten Hintergründen für eine weltoffene Gesellschaft auf die Straße.
„Vielleicht ändert sich mit diesem Aufbruch von tausenden Menschen etwas“, überlegt Löhner. Aus ihrer Sicht sei dies mit Blick auf die immer noch herrschende gesellschaftliche Ungleichheit bitter nötig.