Geschäftsführer Thomas Vosseler in der Maskenproduktion seines Unternehmens in Schwenningen. Foto: Preuß

FFP2-Masken bieten keinen Rundumschutz. Filterleistung und Atemwiderstand müssen stimmen.

Villingen-Schwenningen - Seit Montag sind nicht nur im Südwesten beim Einkaufen und im öffentlichen Personennahverkehr medizinische Masken Pflicht: OP-Masken und die höherwertigen FFP2-Masken. Doch reicht das Tragen dieser Mund-Nasen-Bedeckungen aus, um sich vor Corona zu schützen?

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Nein, sagen Experten. Selbst das vollständige ­CE-Prüfzeichen garantiert gleich aus mehreren Gründen keineswegs umfassenden Schutz, meinen sie. Thomas Vosseler, Geschäftsführer des Maskenproduzenten Univent Medical aus Villingen-Schwenningen, Maximilian Weiss, Geschäftsführer des Prüfgeräteherstellers Palas in Karlsruhe, und der vereidigte Sachverständige und Maskenexperte Roland Ballier warnen deshalb vor Sorglosigkeit: "Nach wie vor schützen viele Masken nicht so gut, wie sie sollten."

Mehr als die Hälfte der Masken fällt durch

FFP2-Masken dürfen nach der Norm Din EN 149 nur einen Durchlassgrad von sechs Prozent der Aerosol- Prüfpartikel aufweisen. "Von den mehr als 400 in den letzten drei Monaten von uns geprüften Masken haben aber 80 Prozent dieser Vorgabe für kleinste Aerosolpartikel nicht genügt", erklärt Weiss. Zugelassene und mit CE-Kennzeichnung versehene ­FFP2-Masken hatten zum Teil einen Durchlassgrad von mehr als 30 Prozent im Bereich der Viruspartikel.

Weiss zählt weltweit zu den führenden Wissenschaftlern im Bereich der Aerosolforschung und Palas zur Spitze der Aerosol-Technologie. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt Ballier: Mehr als die Hälfte der geprüften ­FFP2-Masken fällt durch, sagt der Konstanzer Experte. Wenn nicht wegen mangelnder Filterleistung, dann wegen zu hohen Atemwiderstands.

Neben qualitativ ungenügend hergestellten und teilweise gefälschten Masken ist auch die Norm selbst problematisch, mit der Atemschutzmasken bei benannten Prüfinstituten getestet werden, meinen die Experten. ­FFP2-Masken sind eigentlich für gröbere Staubpartikel ausgelegt, nicht für kleinste Aerosole. Und nur auf diese größeren Partikeln wird auch geprüft. "Die Messergebnisse von Prüfinstituten spiegeln also nicht den Durchlassgrad von kleinsten Aerosolen wider und bewerten FFP2-Masken im Hinblick auf den Schutz vor kleinsten Aerosolpartikeln, wie etwa Corona-viren, falsch", kritisiert Weiss.

Pro Monat acht Millionen FFB2-Masken

Diese Problematik wird bisher in der öffentlichen Diskussion unzureichend berücksichtigt, sind die drei Experten überzeugt. Dabei könnten FFP2-Masken mit modernen Messverfahren korrekt und realitätsnah bewertet werden, glauben sie. Bei Univent Medical entstehen pro Monat acht Millionen FFP2-Masken. Als entscheidender Faktor hat sich die Qualität des Meltblowns, das als Filtermaterial eingesetzt wird, herausgestellt. "Die Herausforderung besteht darin, ein Meltblown einzusetzen, das hinreichende Filtereigenschaften im Bereich von 150 Nanometer, also der Größe des Coronavirus, besitzt – und gleichzeitig geringen Atemwiderstand ermöglicht", erläutert Vosseler.

Nicht nur die Norm ist unzureichend, sondern auch das Prüfverfahren als sogenannte Baumusterprüfung, verdeutlicht Vosseler. Dabei werden eingereichte Masken einmalig geprüft. "Über die Qualität der Masken, die dann in Masse produziert werden, sagt das wenig aus." Gleichbleibende Qualität und Sicherheit könnten nur dann garantiert werden, wenn jede einzelne Rolle, die zur Maskenproduktion verwendet wird, vor der Produktion auf deren Filterleistung im Bereich der Virengröße gemessen wird.

Deshalb nutze Univent Medical ein modernes Messgerät von Palas, deshalb werde jede Rolle Meltblown vor Verwendung getestet, deshalb werden nach der Produktion jeweils Stichproben durchgemessen, heißt es. Für Aerosol-Experte Weiss der einzig gangbare Weg, wirklich sichere Masken zu produzieren. Sein Rat deshalb: "Bevorzugen Sie bei der Auswahl von Schutzmasken Hersteller, die die Qualitätssicherung sehr ernst nehmen. Erkundigen Sie sich bei Ihrem Lieferanten über die Qualitäts­sicherung." Ballier benennt die Kriterien für einen guten Mund-Nasen-Schutz: "Eine gute Maske besitzt eine hohe Filterleistung und gleichzeitig einen geringen Atemwiderstand. Das ist die Herausforderung in der Herstellung."

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