In den Geschäften Rottweils sorgte der Start des Feuerwerksverkaufs für einen regelrechten Kundenansturm. Bereits vor Ladenöffnung bildeten sich Menschenansammlungen. Dennoch mussten viele mit leeren Händen davonziehen. Wir haben uns vor Ort von dem Wahnsinn überzeugt.
Man kann man über Pyrotechnik in den Händen von Hobbyisten denken, was man mag: Grundsätzlich verboten ist das Böllern und der Abschuss von Raketen am Silvesterabend nicht. Und so strömen auch in diesem Jahr zahlreiche Knaller-Fans in die jeweiligen Verkaufsstellen in Rottweil, um sich mit ausreichend Munition einzudecken. Doch das birgt für viele eine ganz andere Herausforderung.
Denn in den meisten Geschäften waren die Raketen und Böller kurz nach Ladenöffnung bereits vergriffen. Und das trotz der Meldung, dass in Baden-Württemberg in diesem Jahr so viel Feuerwerk importiert wurde, wie nie zuvor. Der Grund ist also kein Lieferengpass, sondern viel simpler, wie ein Mitarbeiter eines Rottweiler Supermarkts erklärt: „Die Menschen drehen völlig durch, die kaufen schneller, als wir nachlegen können.“
Bereits zur Ladenöffnung um sieben Uhr morgens habe sich vor der Filiale eine Menge von, wie er schätzt, 200 Leuten versammelt gehabt. „Um fünf nach sieben war alles leer." Gemäß des Prinzips von Angebot und Nachfrage stellt sich die Frage, warum die Händler nicht von Anfang an einfach mehr Feuerwerk zur Verfügung stellen. Schließlich wäre das einfacher Umsatz.
„Das ist nicht so einfach, da hängt ein ganzer Rattenschwanz dran“, erklärt der Mitarbeiter. Denn dahinter stecken brandschutztechnische Gründe. In einem Verkaufsraum dürfen maximal 70 Kilogramm Silvesterfeuerwerk der Kategorien F1 und F2 (das klassische Silvesterfeuerwerk, wie Böller, Raketen und Batterien) aufbewahrt werden. Im Lager dürfen weitere 350 Kilogramm auf Vorrat liegen. Und so wird über den Tag immer wieder nachgeliefert, die Regale werden aufgefüllt und direkt wieder leergekauft. „Ich verstehe es nicht. Alle jammern, dass sie kein Geld haben und dann verbrennen sie mal eben hunderte Euro“, meint der Mitarbeiter achselzuckend zum Abschluss.
Ähnliche Szenen spielen sich auch im Rottweiler Kaufland-Markt ab. Kunden schleichen um fast leere Drahtboxen, beäugen kritisch die Mitarbeiter, die mit dem Nachfüllen beschäftigt sind, ob nicht endlich die erhoffte 20er-Packung XXL-Raketen aus dem Karton zum Vorschein kommt.
Was man in beiden Geschäften in ausreichender Menge zur sofortigen Mitnahme parat liegt, ist das sogenannte Kinderfeuerwerk. Das erscheint paradox, denn wenn man die wartenden Menschen fragt, erklären viele, dass sie die Feuerwerkskörper „für die Kinder“ kaufen.
Sie mag es laut und bunt
Direkter antwortet ein Pärchen mittleren Alters aus dem Rottweiler Umland. Er hat eine mittelgroße Batterie ergattert, sie ein paar Raketen. „Ich hätte gerne eine größere gehabt, aber na ja, man nimmt was man kriegt“, sagt der Mann. „Und ich mag es halt gerne laut und bunt“, ergänzt sie fröhlich. Die beiden haben sich ein Limit von 50 Euro gesetzt.
Währenddessen sind Stefan Bässler und Bodo Felsch in einem unscheinbaren Lieferwagen in der Rottweiler Innenstadt unterwegs. Die beiden sind Mitarbeiter der Firma „pro-plakat“ und bringen im Auftrag der Stadt Plakate an, die auf das Feuerwerksverbot in der historischen Innenstadt hinweisen.
Das mache er schon seit mehr als zehn Jahren, erklärt Bässler. Gefragt, wie er selber zu Silvesterfeuerwerk stehe, meint er nur: „Beruflich bin ich da ohne Meinung.“ Schließlich habe er andernorts kürzlich die Plakate, die auf den Feuerwerksverkauf hinweisen, angebracht. „Privat denke ich aber, dass man diese Knallerei ganz verbieten sollte.“ Nicht nur, weil es stinke und sprichwörtlich Geld verbrannt wird, sonder auch, weil er sich um das Wohl seines Rottweiler-Rüdens sorgt.
„Um Mitternacht knallt es ein paar Minuten und dann hängt so viel Rauch in der Luft, dass man eh nichts mehr sieht“, stimmt Felsch ein. Seine Wunschvorstellung wäre, dass alle die Summe, die sie in Feuerwerkskörper investieren, in einen Topf werfen. Damit könnte man dann ein professionelles Feuerwerk oder Lichtspiele organisieren, von dem die Gemeinschaft deutlich mehr hätte. „Aber dazu wird es wohl nie kommen, dafür gibt es zu viele Freaks“, sagt er.