Einfühlsam und humorvoll bot das Berliner Kriminal-Theater in der Ebinger Festhalle die Theaterkomödie „Der Tag, an dem der Papst gekidnappt wurde“ dar. Darsteller und Stück wussten das Publikum zu überzeugen – bis auf eine einzige Schwachstelle.
Ein Klassiker unter den niveauvollen Komödien ist „Der Tag, an dem der Papst gekidnappt wurde“. Das Stück des Brasilianers João Bethencourt wurde bereits 1972 uraufgeführt und hat doch nichts von seiner Aktualität verloren. Das Berliner Kriminal-Theater unterhielt nach der Regie von Thomas Wingrich damit in der Ebinger Festhalle.
Eine anstrengende Reise nach New York hat Papst Albert IV angetreten. Geplant ist auch eine Auszeit in einem Kloster, doch auf dem Weg dorthin wird er von Taxifahrer Samuel Leibowitz entführt. Sein etwas tumber Sohn Irving, gespielt von Henning Wolf, hat auch schon einige Ideen für das zu fordernde Lösegeld: Aktien oder Devisen, landesweite Drogenfreigabe oder doch lieber einige Kisten schottischen Whiskey?
Glaube auf dem Prüfstand
Nichts davon, beschließt der jüdische Samuel, verkörpert von Silvio Hildebrandt: Nichts weniger als 24 Stunden Frieden auf der ganzen Welt ist seine Forderung. Während alle Welt in Aufruhr ist, findet Papst Albert Gefallen am Leben in der Familie. Dazu gehören auch Mutter Sara (Gundula Piepenbring) und die hippe Tochter Miriam (Nicole Bunge), die sich mit dem geistlichen Oberhaupt anfreunden. Witzige Unterhaltungen prägen das Stück, sehr zur Freude des Publikums.
Albert, von Mutter Sara liebevoll Angelo genannt, berichtet von seiner Jugend in einer Bauernfamilie: „Das einzige Schwarze Schaf der Familie bin ich, ich bin Papst geworden.“
Eine kurze Szene ist ernster gehalten und macht die Motivation des Entführers deutlich: Neben der Menora, dem siebenarmigen Leuchter des Judentums, steht ein Foto des in Vietnam gefallenen Sohnes. Auf der Suche nach dem Sinn dahinter fragt Sara ihren unfreiwilligen Gast: „Glauben Sie an ein höheres Wesen? Ach ja, stimmt ja, ist ja ihr Beruf!“
Den Aufenthaltsort des Entführungsopfers verrät zuletzt Hausfreund Rabbi Meyer. Hartmut Kühn in der Rolle des Rabbi besticht durch sein knitzes Minenspiel, könnte sich aber der jiddischen Sprache noch weiter annähern. Papst und Rabbi, Christentum und Judentum, kommen sich beim gemeinsamen Schachspiel näher. Jean Maesér spielt dabei einen Papst zum Liebhaben; anders als der von Karl-Heinz Barthelmeus verkörperte Kardinal O´Hara. Als er zum Zugriff auffordert, überschlagen sich die Ereignisse, und Friedensengel Samuel greift selbst zur Gewalt, um sich zu verteidigen.
Mit Sprengstoff zum Frieden
Hier liegt auch die einzige Schwäche des Stücks: Samuel, der doch Frieden in der Welt fordert, nimmt mit Zuhilfenahme von Sprengstoff Verletzte in Kauf, doch wird dies nicht mehr thematisiert. Im Gegenteil, alles löst sich, zumindest für Familie Leibowitz, in Wohlgefallen auf. Die Welt hingegen beginnt nach Ablauf der Tagesfrist wieder mit Krieg und Morden.