Mal so, mal so: Ein altes Rohr am 25. März am Hauptbahnhof, aber... Foto: Kovalenko

Erst im Schlossgarten, dann auf einem Schulgelände: Immer wieder Fehlalarme trotz Tiefensondierung.

Stuttgart - „Das kann leider immer wieder passieren“, sagt Peer Müller, Leiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Baden-Württemberg. Harmlosen Metallschrott hatten seine Mannen am Sonntag aus dem Bereich des Schulzentrums an der Sigmaringer Straße in Möhringen geborgen. Von einer Fliegerbombe keine Spur. Evakuierung des angrenzenden Wohngebiets: unnötig.

Noch mehr Aufsehen hatte es am 25. März im Mittleren Schlossgarten am Hauptbahnhof gegeben: Wegen einer vermeintlichen Weltkriegsbombe im Boden war die Evakuierung von Hotels und Häusern schon vorbereitet, der Zugverkehr komplett umgeplant worden – und am Ende war’s nur ein Abwasserrohr. Kann man da vorher nicht genauer hinschauen?

Fachfirma hat sogar Tiefensondierung gestartet

Im jüngsten Möhringer Fall kann Chef-Feuerwerker Müller nur mit den Schultern zucken. Um mögliche Störungen durch metallische Rückstände auszuschließen, hatte eine Fachfirma sogar eine Tiefensondierung gestartet. „Um die Detektoren nicht zu beeinflussen, wurde sogar ein Metallzaun auf dem Schulgelände entfernt“, sagt Müller.

In vier Meter Tiefe stießen die Experten auf ­Metall. Vergleiche mit historischen Luftbildaufnahmen zeigten, dass in diesem Bereich tatsächlich die Einschlagstelle einer Fliegerbombe gewesen sein konnte. „Man findet Metall in einer plausiblen Tiefe, dazu passende Luftbilder – das sind die einzigen Anhaltspunkte für die Entscheidung, den Boden ­aufzugraben“, sagt Müller.

Ein Röntgenbild aus der Tiefe gibt es nicht. „Das wäre super“, sagt Müller. Für seine Zwecke gibt es nur Eisendetektoren, die Abweichungen von den natürlichen Magnetfeldern der Erde feststellen. Eine Frage von Wahrscheinlichkeiten, dem Studium von Leitungsnetzen und dem Ausschluss anderer Erklärungsmöglichkeiten. Am Ende war es in Möhringen ein vor Jahrzehnten entsorgter Metallschrott. „Früher war da nur eine ­Wiese“, sagt Müller.

Falschalarme ist der Kampfmittelbeseitigungsdienst gewohnt

Dass einst Bomberpiloten die Gegend in der Nähe des Riedsees im Visier gehabt haben sollen, ist für die Kampfmittelbeseitiger durchaus erklärbar. „Zum einen gab es statt Zielgenauigkeit einfach nur Großflächenbombardements“, sagt Müller, „ zum anderen hatten die Piloten manchmal wegen Flakbeschusses ihre Pläne ändern müssen.“ Da wurden Bomben als lästige Last einfach so abgeworfen.

Falschalarme ist der Kampfmittelbeseitigungsdienst gewöhnt. Auch bei Fällen von zufälligen Munitionsfunden. „Oft wurden uns alte Handgranaten gemeldet“, so Müller, „das waren dann aber Tannenzapfen von Kuckucksuhren oder Verzierungen von Metallzäunen.“ So manche angebliche Stabbrandbombe entpuppte sich als verrosteter ­Sonnenschirmständer.

Es gibt auch unterschätzte Gefahren

Die Feuerwerker wissen: Wenn der Frühling kommt, die Bauarbeiter wieder buddeln und die Gartenbesitzer werkeln, dann ist wieder verstärkt Saison. Dabei nehmen die Experten Fehlalarme gerne in Kauf – andersherum wäre es weitaus dramatischer. Denn es gibt auch unterschätzte Gefahren. Am 2. April beispielsweise hatten Kinder in einem Erdaushub ein interessantes Spielzeug gefunden. Ein Siebenjähriger tollte damit ausgelassen herum – bis ein Anwohner das Teil identifizierte: Es handelte sich um eine scharfe amerikanische Handgranate aus dem Zweiten Weltkrieg.

„Zum Glück war der Zündmechanismus weitgehend weg“, sagt Peer Müller. Aber ein Belastungstest, etwa mit einem Hammer, hätte böse Folgen haben können. „Das Problem bei solchen Handgranaten ist, dass nach Jahrzehnten die Sicherung oft weggerostet ist.“ Und da liegt offenbar noch vieles im Verborgenen: „Kleinkampfwaffen kann man überall finden“, sagt Müller.

Am Montag rückte er schon wieder zum nächsten Einsatz aus – auch eher harmloser Natur. In Schorndorf, Rems-Murr-Kreis, wurde eine Handgranate gefunden. Eine französische, aus dem Ersten Weltkrieg. „Weil es zu der damaligen Zeit hier keine Kämpfe gab, kann es sich nur um ein Souvenir von einem Ururopa handeln“, stellt Müller gelassen fest. Solche Andenken, weiß der Feuerwerker, gibt es hierzulande noch immer in Hülle und Fülle. Doch die nächste Bombe kommt bestimmt.