Fast hätte der Nullachter nach seiner Einwechslung noch ein Kopfballtor erzielt. Foto: Darshan Mehta

30 Grad, Luftfeuchtigkeit rund 85 Prozent. "Das ist schon extrem hier", vermisst Harry Föll im fernen Singapur durchaus etwas die frische Schwarzwald-Luft. Doch für eine ganz besondere Premiere nimmt der Mittelfeldspieler des FC 08 Villingen diese Strapazen gerne in Kauf.

Schon mehrfach war er sehr nahe dran, sich seinen wohl größten sportlichen Traum zu erfüllen. Nun soll es endlich mit dem ersten Einsatz für die philippinische Nationalmannschaft klappen. Dies würde nicht nur seine rund 40 philippischen Cousinen und Cousins stolz machen. Wir erreichen den 24-Jährigen kurz vor dem Anpfiff des Spiels gegen Malaysia im Nationalstadion von Singapur.

 

Herr Föll, was haben Sie gedacht, als Sie von der Nominierung erfahren haben?

Ich habe mich natürlich erst einmal riesig darüber gefreut. Das ist ja schon etwas Besonderes – gerade für einen Oberliga-Spieler. Die Konkurrenz ist groß, da sind ja Spieler aus der 1. und 2. Bundesliga dabei, dazu Spieler aus den höchsten Klassen in Malaysia oder Thailand. Mein Name stand also wohl noch auf einem Zettel (lacht). Im Jahr 2017 war ich ja schon zweimal im Kader. Damals hat es aber noch nicht für einen Einsatz gereicht. Ich war übrigens auch im vergangenen Jahr für Länderspiele nominiert. Aufgrund von Corona oder einer fehlenden Genehmigung der Asiatischen Fußball-Konföderation hat es da leider nicht geklappt.

Was bedeutet für Sie diese Nominierung?

Es ist wohl für jeden Fußballer ein Traum, für das eigene Land zu spielen. So geht es auch mir. Die Philippinen sind das Land meiner Mutter, mein Vater kommt ja aus Deutschland. Ich habe eine sehr große Verwandtschaft auf den Philippinen, meine Mutter hat alleine schon zwölf oder 13 Geschwister, die wiederum zahlreiche Kinder haben. Da kommen schon rund 40 Cousinen und Cousins zusammen. Es macht mich also sehr stolz, meine Familie – ja das ganze Land (die Philippinen haben rund 110 Millionen Einwohner, Anm. d. Red.) – im Nationalmannschaftstrikot zu vertreten.

Was verbinden Sie mit den Philippinen?

Meine Mutter stammt – wie schon gesagt – aus den Philippinen, ich habe – neben dem deutschen – auch einen philippinischen Pass. Den habe ich mir besorgt, als es zum ersten Mal eine realistische Option war, dass ich für die Nationalmannschaft nominiert werde. Ich war bisher vor allem als Kind mehrfach da, es ist ein schönes Land. Dort kann man auch super Urlaub machen. Und natürlich verbinde ich mein Aussehen mit diesem Land. Das ist ja kaum zu übersehen (lacht). Ich spreche leider aber die Sprache nicht. Englisch funktioniert aber gut.

Wie groß wäre die Freude über das Länderspiel-Debüt?

Ein Einsatz würde mir wirklich sehr viel bedeuten. Ich habe mir immer Ziele gesetzt. Eines war, dass ich einmal mit meinem Namen beim FIFA-Spiel auf der PlayStation vertreten bin. Ich wollte also auf der PS4 mit mir selbst spielen, das ist mir gelungen. Damals war ich bei Hansa Rostock. Zudem wollte ich auf jeden Fall ein Profi-Spiel bestreiten. Das habe ich ebenfalls mit Hansa Rostock geschafft. Leider ist es bei einem Spiel in der Dritten Liga geblieben. Sonst wollte ich immer die regionalen Pokale gewinnen, was mir mit Rostock und dem FC 08 Villingen gelungen ist. Leider hat es aufgrund der Verletzung (Kreuzbandriss) noch nicht mit dem DFB-Pokal geklappt. Und schließlich war es mein großer Traum, ein Länderspiel zu bestreiten. Ich wäre unglaublich stolz, wenn dies nun klappt. Da schauen ja auch viele Millionen Landsleute zu. Ich denke, dass die Chancen dafür recht gut stehen.

Und wie stehen die Chancen, dass Sie Ihren Vertrag im Sommer beim FC 08 verlängern?

Ich kann von meiner Seite aus nur sagen, dass es mir in Villingen sehr gefällt. Das passt für mich. Mein Studium in Schwenningen läuft zudem noch bis März 2023. Dann bin ich Polizeikommissar – oder sogar Polizeioberkommissar. Ich würde also sehr gerne bei den Nullachtern bleiben. Es gab auch schon Gespräche, diese waren positiv. Nach der Länderspielpause reden wir weiter.

Bei der Premiere fast ein Kopfballtor

Wenige Stunden und enorm wichtige elf Spielminuten später. Harry Föll meldet sich noch einmal aus Singapur. Klar, die 0:2-Niederlage gegen Malaysia ärgert den 24-Jährigen. "Ich hätte nach meiner Einwechslung fast noch mit einem Kopfball den Anschlusstreffer erzielt", war der Villinger aber vor allem "beeindruckt" von seiner Premiere. "Das war einfach krass, ein cooles Erlebnis. Man hat gesehen, dass die anderen Spieler echt stark sind, eben professionell spielen", durfte Föll auf der Außenposition – sonst spielt er im zentralen Mittelfeld – ran.