Daniel Caligiuri ist am Dienstagabend beim Interview-Termin im Friedengrund gut drauf. Foto: Marc Eich

„Endlich wieder kicken!“ Daniel Caligiuri muss keine Sekunde überlegen, auf was er sich beim FC Villingen am meisten freut. Der Ex-Profi ist heiß, hat mit dem Oberliga-Tabellenzweiten klare Ziele.

Gut eine Stunde vor dem Training am Dienstagabend betritt Daniel Caligiuri die Katakomben der MS Technologie-Arena. Klar, der 372-fache Bundesliga-Spieler kennt sich im Villinger Friedengrund aus, hat er sich doch auch beim FC 08 in den vergangenen Monaten oft fit gehalten.

 

Dennoch warten auf den ehemaligen Champions-League-Spieler und FC Bayern-Bezwinger bei den Nullachtern einige Premieren.

FC 08 Villingen und BSV Schwenningen

Nun also hat der 36-Jährige einen Vertrag – erst einmal bis zum Ende der Saison – beim Oberliga-Tabellenzweiten unterschrieben. Der DFB-Pokalsieger von 2015 (VfL Wolfsburg) verrät nicht nur in unserem Gespräch, was er nach dem Ende der Oberliga-Saison 2023/24 plant, sondern Daniel Caligiuri gibt auch preis, wo er nach dem 34. Spieltag mit den Nullachtern in der Tabelle stehen will.

Herr Caligiuri, Sie waren in der jüngeren Vergangenheit ja oft als Trainingsgast in der 08-Kabine. Als gebürtiger Villinger hat es Sie aber als Kind nach Schwenningen gezogen.

Das ist richtig. Ich bin zwar hier ganz in der Nähe geboren, also im früheren Krankenhaus in Villingen, aber mit dem FC 08 hatte ich als Kind eigentlich wenig am Hut. Dies lag daran, dass es noch keine Bambini gab. Deshalb hat es mich damals zum BSV Schwenningen gezogen. Dort habe ich viele gute und spannende Jahre verbracht, dort hat in Sachen Fußball alles für mich begonnen.

Mit dem BSV waren ja kaum Spiele gegen den FC 08 möglich. Oder gab es Stadtduelle, an die Sie sich erinnern?

(lacht). Nicht wirklich, dies ist aber auch sehr lange her. Die Derbys gingen immer gegen die FSV Schwenningen.

Vielleicht kam es einmal in der Halle zu einem Spiel gegen den FC 08.

Aber als Zuschauer waren Sie immer mal wieder im Friedengrund später anzutreffen.

Ja. Als ich älter war, habe ich mir Spiele der Nullachter angesehen. Zunächst mit meinem Vater, später dann auch zu meiner Profizeit. Die Villinger waren ja auch schon damals der höchstklassige Verein der Region. Ich kann mich noch gut an ein Testspiel gegen den VfB Stuttgart erinnern. Mein früherer Teamkollege Michael Langer, mit dem ich übrigens beim FC Schalke 04 wieder zusammenspielte, stand beim VfB im Tor.

Es gab also in der Vergangenheit einige Verknüpfungspunkte, aber so richtig zusammen kamen Sie mit dem FC 08 erst durch die Trainingsmöglichkeiten in den vergangenen Monaten?

Ich kannte noch einige Leute vom FC 08 von früher, die im Verein tätig sind. Oder ehemalige Mitspieler. Da gab es also Kontakte. Und nun freue ich mich sehr auf die neue Aufgabe in Villingen. Mal schauen, was alles gemeinsam zustande kommen kann.

Die Ziele mit dem FC 08

Zustande gekommen ist bei den Nullachtern in der Winterpause viel. Nicht nur Sie wurden verpflichtet, sondern mit Mario Klotz (Chefcoach), Adam Adamos (Co-Trainer) und Daniel Siegler (Torwart) kam auch ein neues Trainerteam. Klar, dass die Erwartungen für die Restsaison nun noch höher sind.

Daniel Caligiuri fiebert seiner Premiere im 08-Trikot entgegen. Foto: Marc Eich

Man sieht es ja, dass es der FC 08 bisher auch ohne Trainer sehr gut gemacht hat. Hut ab dafür. Nun haben sie aber ein sehr gutes Trainerteam verpflichtet. Villingen ist Tabellenzweiter. Ich denke, wenn man schon ganz oben dabei ist, dann will man nicht wieder runterfallen. Wir wollen, so denke ich, mindestens da bleiben, wo wir gerade stehen.

Ihre Heimpremiere könnten Sie ausgerechnet beim Oberliga-Gipfeltreffen am 2. März gegen die SG Sonnenhof Großaspach feiern.

Das wäre für mich natürlich sehr schön. Ich muss mich, das sage ich auch ehrlich, noch an den Kunstrasen gewöhnen.

Das ist schon eine Umstellung. Vom Ablauf her ist es nicht so einfach, weil ich ja jahrelang nicht auf Kunstrasen gespielt habe. Dazu kommt das ungewohnte Schuhwerk, ich hatte so zunächst nur Stollenschuhe dabei. Ich musste also meine alten Schuhe herauskramen. Aber bis zum Großaspach-Spiel habe ich auch diese Umstellung geschafft. Toll wäre dennoch, dass wir dann im Stadion spielen könnten.

Klar ist, dass sich durch Ihre Verpflichtung auch die Hierarchie in der Mannschaft verändert. Wie sehen Sie ihre Rolle beim FC 08?

Ich bin ein Spieler, der sich schnell anpassen kann – natürlich auch der Spielweise der Nullachter. Ich habe mich immer fit gehalten, brauche aber noch ein, zwei Wochen im Mannschaftstraining. Dazu kommen noch Testspiele.

Über diese kommt man zu 100 Prozent. Vielleicht reicht es ja schon am Sonntag in Freiberg zu einigen Minuten. Ich freue mich echt riesig, wieder zu kicken. Wenn ich auf dem Platz stehe, egal wo und bei wem, dann will ich gewinnen. Ich gehe auf dem Platz voran und versuche eine gewisse Kompaktheit ins Spiel zu bringen. Auch mit verbalen Ansprachen.

Und auf welcher Position sehen Sie sich?

Da bin ich wirklich entspannt. Ich habe in meiner Profikarriere schon alles gespielt – bis auf Torwart und Innenverteidiger. Ich hoffe, da komme ich auch in Villingen nicht zum Einsatz (lacht). Im zentralen Mittelfeld, wo man den Überblick hat, ist es wohl am besten. Aber wenn ich auf der rechten oder linken Seite spielen sollte, ist das auch kein Problem. Ich kann das alles. Und ich spiele einfach da, wo mich der Trainer aufstellt.

2015, Jubel im Trikot des VfL Wolfsburg: Daniel Caligiuri hält den DFB-Pokal hoch. Foto: Eibner/Kolbert

Sie haben bei den Nullachtern einen Vertrag bis zum Ende der Saison 2023/24 unterschrieben. Wie sehen Ihre Planungen für die Zeit danach aus?

Für mich zählt es nur zunächst, auf dem Rasen zu stehen. Klar, natürlich kann auch meine Erfahrung neben dem Platz einbringen. Das habe ich immer gemacht, auch zu meinen Zeiten hier als Trainingsgast. Und erst einmal ist 36 auch nur eine Zahl.

Ich fühle mich fit und kann mir sehr gut vorstellen, dass ich noch ein paar Jahre als Fußballer habe. Ich habe einfach Bock zu kicken. Was danach ist, sieht man dann.

Zurück zur Gegenwart. Wer schießt die Elfer: Tevfik Ceylan oder Sie, der in Sachen Strafstöße mit 19 verwandelten Elfmetern in der ewigen Statistik der 1. Bundesliga auf Rang 21 geführt wird?

(lacht). Das werden Tevfik und ich vielleicht noch bei einem Kaffee besprechen. Auch da bin ich völlig entspannt. Hauptsache ist, dass der Ball im Netz zappelt.

Die Schnellfragerunde

So langsam rückt die erste Einheit der Fasnets-Woche näher. Diese endet für den FC 08 am Sonntag (14 Uhr) mit dem Härtetest beim starken Regionalligisten SGV Freiberg. Zeit für eine Kurzfragerunde.

Herr Caligiuri, Spätzle oder Spaghetti?

Spätzle. Am liebsten aber Penne.

Meer oder Berge?

Meer.

Meister oder Pokalsieger?

DFB-Pokalsieger war ich schon.

Also Meister.

Fasnet oder Karneval in Venedig?

Fasnet natürlich.

Bier oder Wein?

Wein.