Mario Klotz wurde kurz vor dem Jahreswechsel als neuer Coach und Sportdirektor des FC 08 Villingen vorgestellt. Foto: Marc Eich

1. Juli 2010: David McAllister ist neuer Ministerpräsident von Niedersachsen, der Hurrikan „Alex“ rast über Mexiko hinweg, die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bereitet sich in Südafrika auf das WM-Viertelfinale gegen Maradonas Argentinien vor - und Mario Klotz wechselt nach 55 Spielen und 19 Toren vom Villinger Friedengrund zum VfL Kirchheim.

Nach 4929 Tagen kehrt Mario Klotz nun zum FC 08 Villingen zurück. Der neue Coach des Oberligisten gibt nicht nur Details zu seinem neuen Vertrag preis, sondern der Ex-Nullachter verrät auch, mit wem er bereits in Kontakt stand.

 

„Ich bin stolz und glücklich, wieder ein Teil der 08-Familie zu sein“, sagt der neue Coach und Sportdirektor des Oberliga-Tabellenzweiten, der bis zur Winterpause den Liga-Rivalen TSG Backnang betreute.

Mario Klotz, wo erreichen wir Sie am zweiten Tag des Jahres 2024?

Zuhause in meinem Arbeitszimmer (Klotz arbeitet bei einer gesetzlichen Abschlussprüfungsgesellschaft, die für die Prüfung von Banken zuständig ist, Anm. d. Red).

Werden Sie von Ihrem Wohnort Renningen aus nach Villingen pendeln - oder ziehen Sie in die Doppelstadt?

Nach Villingen sind es etwa 105 Kilometer und rund eine Stunde Fahrtzeit. Von der Zeit her wird es somit ähnlich wie die Fahrt nach Backnang durch den Stuttgarter Berufsverkehr. Ich bin das Fahren also gewohnt und werde erst einmal pendeln.

Seit dem vorletzten Tag des Jahres 2023 ist also klar, dass Sie nicht nur die vakante Trainerstelle beim FC 08 besetzen, sondern auch die Rolle des Sportdirektors ausüben. Wann gab es denn die ersten Gespräche mit den 08-Verantwortlichen?

Als Ex-Nullachter hatte ich natürlich immer wieder Kontakt in den Friedengrund. Vor der Saison gab es erste, lockere Gespräche. Jeder hat seinen Weg verfolgt, meiner ging bei der TSG Backnang weiter, beim FC 08 kam Ryszard Komornicki.

In der Folge gab es dann – wie früher auch – einen guten Austausch. Nun bin ich glücklich und stolz, dass ich wieder ein Teil der 08-Familie sein darf.

Der Wechsel

Und weshalb haben Sie sich für den FC 08 Villingen entschieden?

Ganz klar – die sportliche Perspektive und die ambitionierten Ziele, welche der FC 08 Villingen verfolgt. Zudem ist es auch kein Geheimnis, dass der FC 08 mein Herzensverein ist, bei welchem ich meine schönste Zeit als Spieler erleben durfte. Entsprechend bin ich hoch motiviert und voller Tatendrang, an der Umsetzung dieser gemeinsamen Ziele mitwirken zu können.

Sie hatten bei der TSG Backnang erst Ihren Vertrag verlängert. Ihr plötzlicher Abgang sorgte an den Etzwiesen natürlich für Diskussionen. Was sagen Sie zu den kritischen Stimmen von TSG-Fans?

Zunächst ist zu relativieren, welche Stimmen hier aufgekommen sind. Natürlich kann ich die von einzelnen Außenstehenden geäußerte Kritik zunächst nachvollziehen, sie kennen die internen Vereinbarungen und Absprachen nicht. Die TSG-Verantwortlichen um Sportvorstand Joachim Pfisterer und ich hatten bei meiner Vertragsverlängerung vor rund zwei Monaten sehr wertschätzende Gespräche geführt und in diesem Verlauf eine Ausstiegsmöglichkeit schriftlich vereinbart. Diese besagte, dass ich bei einem Angebot eines ambitionierten Oberliga-Vereins – wie dem FC 08 Villingen – oder eines höherklassigen Clubs wechseln kann.

Folglich war der Ablauf transparent und einvernehmlich gestaltet, weshalb die TSG und ich nach wie vor ein sehr gutes Verhältnis haben. Ich gehe also absolut im Guten und mit großer Dankbarkeit.

Am 27. April geht es mit dem FC 08 nach Backnang. Das wird sicher ein ganz besonderes Spiel für Sie an der Etzwiese. Oder?

Auf jeden Fall. Doch daran denke ich jetzt noch nicht.

Die Ziele

Bis dahin hat Villingen bereits die Top-Spiele gegen Großaspach (2. März) und Gmünd (16. März) hinter sich. Wie sollte dann die Ausgangslage vor den wohl entscheidenden Wochen im Kampf um Meisterschaft und Aufstieg aussehen?

Ich möchte erst einmal allen Verantwortlichen für den momentan Stand mein Kompliment aussprechen. Im sportlichen Bereich sind dies Sportvorstand Denis Stogiannidis und Co-Athletiktrainer Alois Ribeiro. Sie haben es mit der Mannschaft geschafft, sehr gute und erfolgreiche Arbeit abzuliefern, was ja der starke zweite Tabellenplatz unterstreicht. Natürlich geht der Dank auch an die weiteren Vorstandsmitglieder Armin Distel, Reinhard Warrle und Andreas Flöß, die ebenfalls die Entwicklung des Vereins vorantreiben. Ich bin nach Villingen gekommen, um mit viel Leidenschaft und großer Motivation den erfolgreichen Weg gemeinsam fortzuführen. Ich weiß um die gute Ausgangslage.

Als Spieler bejubelte Mario Klotz (links) – hier mit Toco und Piero Saccone – viele Erfolge mit dem FC 08. Foto: Michael Kienzler

Zunächst gilt es für mich, die Mannschaft in der täglichen Arbeit kennenzulernen. Auch wenn es eine beliebte Phrase ist, wir schauen von Spiel zu Spiel und möchten in jedem Spiel unser Bestes geben.

Spielführer Tevfik Ceylan betonte in einem großen Interview mit uns kurz vor Weihnachten, dass ein neuer Coach „zwischenmenschlich“ passen müsse und nicht die „Homogenität durcheinanderbringen“ dürfe, weil er „seinen“ Fußball sehen will. Was sagen Sie dazu?

Ich habe natürlich unter anderem bereits mit Tevfik telefoniert. Wir kennen und schätzen uns schon seit Jahren und freuen uns auf die Zusammenarbeit. Wir denken hier beide gleich, das Zwischenmenschliche steht auch bei mir ganz oben.

Zudem bin ich ein Verfechter des Teamgedankens und einer mannschaftlichen Geschlossenheit. Es gilt somit, den erfolgreichen Weg als Einheit fortzuführen.

Der Plan war, dass die Vorbereitung am 22. Januar beginnt. Bleibt es dabei?

In Rücksprache mit Denis und Alois – sowie im Hinblick auf den Auftakt am 24. Februar, wenn es im Pokal zum Freiburger FC geht sowie eine Woche später dem Oberliga-Spitzenspiel gegen Großaspach – wird der Auftakt gegebenenfalls um ein paar Tage vorgezogen werden. In Sachen Testspiele stehen wir ebenfalls im Austausch und werden zeitnah weitere vereinbaren. Spiele gegen Konstanz, die U23 des SC Freiburg und den SC Lahr sind bisher angedacht.

Dazu kommen auch Hallenturniere. Was ist geplant, werden Sie das Team da schon betreuen?

Am 6. Januar spielen wir in Tuttlingen, eine Woche später dann bei der Sindelfinger Hallenfußball-Gala. Ich werde dort erst einmal nur stiller Beobachter sein und freue mich auf den offiziellen Trainingsauftakt.

Denis Stogiannidis

Zurück zu Denis Stogiannidis. Dieser meinte gegenüber unserer Redaktion, dass er von Ihrer Verpflichtung „überrannt“ worden sei. Was sagen Sie dazu?

Denis und ich stehen bereits in ständigem Austausch und sind auch kurz auf die Berichterstattung eingegangen. Wir freuen uns beide auf die Zusammenarbeit. Auch haben wir in der Vergangenheit bereits viele, gute Gespräche geführt.

Ich bin mir sicher, dass wir einen sehr guten Austausch haben und gemeinsame Lösungen im Sinne einer erfolgreichen Zukunft des FC 08 finden werden.

Der Sportvorstand ist mit seinen Vorstandskollegen – und Ihnen als Sportdirektor – ja auch für die Verträge zuständig. Wie lange haben Sie denn beim FC 08 unterschrieben? Sicher ja nicht nur bis zum Ende der Runde 2023/24.

Ich habe bis zum Ende der Saison 2024/25 unterschrieben.

Und ohne Ausstiegsklausel?

Ohne Ausstiegsklausel – das ist richtig.