Über 120 Bienenvölker schweben in Gefahr, dass sie getötet werden müssen. In amtlichem Auftrag. Bei Waldhaus ist aktuell ein Sperrbezirk eingerichtet, da in einem Volk die Amerikanische Faulbrut ausgebrochen ist – tödlich für die Insekten.
23 Bienenzüchter warten und bangen. Ihnen ist ihr Hobby im Wesentlichen aus der Hand genommen. Denn in einem Bienenstand in Bräunlingen-Waldhausen ist die Amerikanische Faulbrut ausgebrochen, eine für Bienenlarven tödliche Infektionskrankheit, die eine anzeigepflichtige Seuche ist. Rund um Waldhausen hat das Landratsamt deshalb einen Sperrbezirk eingerichtet. Einer der 23 Imker im Sperrbezirk ist der 83-jährige Emil Tritschler aus Hubertshofen. Wie geht er mit der Situation um? Hat er Angst um seine Bienenvölker?
Emil Tritschler hat derzeit acht Bienenvölker. Nein, Angst habe er keine, sagt er. „Wenn das kommt, kann man nichts machen. Das ist ein Virus, der in der Brut hängt. Und wenn das kommt, gehen die Bienen kaputt.“ Als Rentner habe er die Zeit, jeden Tag zu seinen Bienen zu gehen und diese zu beobachten, was er ohnehin tue. Dabei sieht er, ob die Bienen normal fliegen. Kritisch sei es, wenn es weniger werden. Dann müsse man genauer nachschauen und der Ursache nachgehen.
Bienen sind räuberisch veranlagt
Vieles könne man selbst feststellen. Beispielsweise, wenn Wabenteile am Flugloch liegen. „Bienen sind Räuber. Wenn sie merken, dass ein benachbarter Schwarm schwächer ist, gehen sie hin und räubern ihn aus. Sie fressen alles, machen die Waben kaputt, machen die Bienen kaputt, fressen Honig oder Zuckerwasser“, weiß Tritschler. Wenn man das rechtzeitig merkt, müsse man die Völker räumlich trennen, bevor es zu spät sei. So könne er vieles rechtzeitig regulieren. Dazu gehört natürlich auch jede Menge Erfahrung.
Bienen müssen beobachtet werden
Mit einem Fall von Faulbrut habe er es aber noch nicht zu tun gehabt. In der derzeitigen Situation könne er nichts weiter tun, als seine Bienen weiter zu beobachten und einfach abzuwarten, was die Ergebnisse der Beprobung bringen. Was ihm derzeit durch den Kopf geht, ist die Frage nach der Ursache für den Ausbruch der Seuche. „Ich weiß nicht, ob das nicht vielleicht mit Wanderimkern zusammenhängen könnte. In letzter Zeit waren welche aus dem Allgäu in der Gegend. Dort gab es keine Nahrung für die Bienen, im Schwarzwald dagegen viel. Dann kommen sie mit ihren Völkern hierher.“ Doch er möchte niemanden zu Unrecht beschuldigen.
Emil Tritschler ist Hobby-Imker aus Leidenschaft. Hierzu hat er ein kleines Gelände neben dem Hubertshofener Weiher Richtung Mistelbrunn gepachtet. Dort steht eine kleine Hütte, um sein Werkzeug zu lagern, damit er es nicht immer hin und her transportieren muss. Der 83-Jährige stamme aus der Landwirtschaft und sei gerne in der freien Natur. Und wenn dabei nebenher etwas Honig abfällt, sei das auch kein Fehler. Der Honig reicht für den Eigenbedarf. Und ein Glas Honig sei bei Besuchen immer ein willkommenes Gastgeschenk. Auch der Verwandtschaft mache er damit immer wieder eine Freude. Ein großes Geschäft mache er damit nicht, da müsse man schon mehr Bienen haben.
Einfüttern für den Winter
Nach der Trachtzeit, vor dem Winter, muss er die Völker mit Zuckerwasser und Fertigsirup füttern, das kostet Geld. Und er weiß nicht, ob sie überleben. Im vergangenen Winter habe er alle durchgebracht. Im Jahr davor seien ihm nur zwei geblieben, da habe er neue dazu kaufen müssen. Ein Volk kostet über 150 Euro, ohne dass er die Garantie habe, dass es wirklich Honig gibt.
Doch zurück zur Seuche: „Wo die Ursache liegt, wird man wahrscheinlich gar nie herausbekommen“, sagt August Wehr, Vorsitzender des Imkervereins Baar-West. Sicher könnte das Virus durch Wanderimker eingeschleppt worden sein. Aber genauso könnte es ein Glas mit Honigresten aus einem Nicht-EU-Land in einem Glascontainer gewesen sein. Die seien oft mit Sporen belastet. Wenn eine Biene diesen Honig holt, trägt sie die Sporen ins Volk. Fakt sei, dass der letzte Fall in der Umgebung 2019 in Grüningen auftrat und davor vor über zehn Jahren in Wolterdingen.
Positiver Befund
Maßnahmen
Nachdem der Sperrbezirk um Waldhausen angelegt ist, dürfen dort keine Bienen bewegt und keine eingebracht werden. Jetzt werden in jedem der rund 120 Bienenvölker Proben gezogen und untersucht, ob dort die Amerikanische Faulbrut nachgewiesen werden kann. Die Arbeit wird von den Bienensachverständigen des betroffenen Imkervereins Baar-West, Michael Brüner, August Weh und Norbert Wetzel in Zusammenarbeit mit dem Veterinäramt erledigt. Ferner haben Bienensachverständige aus Nachbarvereinen ihre Hilfe angeboten. Bei einem positiven Befund wird der jeweilige Bienenstand Vorort genauer untersucht. Die von der Faulbrut betroffenen Völker müssen abgetötet werden. Die jeweiligen Imker können Entschädigungen aus der Tierseuchenkasse beantragen. Erst nach zwei negativen Nachkontrollen wird schließlich der Sperrbezirk aufgelöst.