Viele Besucher zieht die Segmentanlage „Vier Jahreszeiten“ an, die zurzeit im Café Rundblick in Baiersbronn zu sehen ist. Die Anlage der Modellbahngruppe Südwest zeichnet sich durch viele selbst gefertigte Details aus.
Die Modellbahngruppe Südwest ist zu Gast im Café Rundblick. Modellbahnfreunde können noch an diesem Samstag von 10 bis 14 Uhr die 8,60 Meter lange und zwei Meter breite Anlage, bestehend aus 15 Modulen, besichtigen.
Tipps in Sachen Modellbahn hat Lothar Wissler parat. Er ist Modellbahner aus Leidenschaft. Das ist sofort zu spüren, wenn er über die rührige Modellbahngruppe berichtet. Schon zum 15. Mal ist die Gruppe nach Baiersbronn gereist. Erstmals wurde die Anlage im Café Rundblick aufgestellt.
Großen Stellenwert hat das soziale Miteinander für die Gruppenmitglieder. Die Mitglieder – zwischen 54 und 82 Jahre alt – kommen aus ganz verschiedenen Berufen. Das macht auch deutlich, dass der Modellbau weiterhin eine große Anziehungskraft hat.
Spannende Landschaft
Bei der Anlage schweift der Blick über eine spannende Mittelgebirgslandschaft, die zugleich die vier Jahreszeiten darstellt. Neben Schluchten und Viadukten sind zwei Bahnhöfe und ein Abstellbahnhof zu sehen. Dazu kommen ein Schwarzwaldhof und eine mittelalterliche Burg. Wichtig ist den Modellbahnern die Detailtreue und dass die Anlage die Epoche 3 der Bundesbahn (1949 bis 1968) darstellt.
Für seine Leidenschaft reiste ein Mitglied der Gruppe sogar aus Schwerin an. Rund die Hälfte der Gruppenmitglieder hat auch für die Bahn gearbeitet. So wie Wissler, der feststellt: „Ich war schon im Mutterleib Eisenbahner.“ Schließlich war seine Mutter von 1939 bis 1946 Fahrdienstleiterin im Bahnhof Seebrugg, der Endstation der Schluchsee-Bahn. Auch sein Vater war bei der Bahn. Wissler selbst war 30 Jahre als Lokführer aktiv.
Beständiges Feilen
Seine frühere Aussage, dass eine Modellbahnanlage nie fertig werden darf, muss er inzwischen etwas relativieren. Angebaut wird nichts mehr. Jetzt gilt es, die Anlage weiter zu verfeinern. So können sich Modellbahnfans vor Ort zum Beispiel darüber informieren, wie man detailgetreue Modellbäume fertigt. Denn das ist eine echte Kunst. Ein Experte auf diesem Gebiet ist Peter Schnell. Mit der Eisenbahn ist er eng verbunden. Schließlich war er von 1992 bis 2006 Präsident der Bundesbahndirektion Stuttgart. Als Höhenbergsteiger hat er auf der Anlage detailliert eine Seilschaft in der Schlucht hinter dem Modellviadukt platziert.
Spaziergänge inspirieren
Bei Spaziergängen durch den Wald hält Schnell Details fest, um sie später in Miniatur umzusetzen. Sehr früh fing der Bauingenieur und Eisenbahnmanager mit dem Sammeln von Modellloks und Wagen an, die die Württembergische Eisenbahngesellschaft widerspiegeln. Einen Hang zur Eisenbahn hat er schon lange. Schließlich war der Vater Eisenbahner und der Onkel Lokführer. Das Thema, wo der Stuttgarter Hauptbahnhof hinkommt, war für ihn schon immer spannend. Entwürfe für den Stuttgarter Hauptbahnhof gab es bereits 1835. Ursprünglich war ein Bahnhof in Bad Cannstatt geplant. Von diesem sollte eine Stichbahn in Stuttgarts Innenstadt führen. Diesen Plan verhinderte schlussendlich Wilhelm I als zweiter König von Württemberg.
Nächster Termin steht
Das nächste Treffen im Murgtal steht bereits fest. Vom 10. bis 17. November 2024 wird die Gruppe wieder in Baiersbronn sein. Einen großen Dank richten die Modellbahner, die auch Quartier im Café Rundblick bezogen haben, an Petra Klumpp, die ihnen zwei Räume für die Ausstellung zur Verfügung stellt.
Über den Winter schlummert die Modulanlage nun im Sankenbachtal, um im nächsten Herbst wieder zusammengefügt zu werden.