Beim Fastenbrechen im Nagolder Kubus standen auch musikalische Vorträge auf traditionellen türkischen Instrumenten auf dem Programm. Foto: Uwe Priestersbach

Im Kubus feierte der Nagolder Schwarzwald-Bildungsverein mit zahlreichen Gästen das Fastenbrechen.

Fleißige Helfer des Vereins sorgten dabei für eine große Auswahl an türkischen Spezialitäten, während die Gruppe Nevbahar aus Filderstadt auf traditionellen türkischen Instrumenten spielte.

 

Der Fastenmonat Ramadan hat in diesem Jahr am 23. März begonnen und endet nach 30 Tagen mit dem dreitägigen Zuckerfest. Die Regeln für Fastende an Ramadan schreiben vor, dass zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang weder feste noch flüssige Nahrung zu sich genommen wird.

Wenn die Sonne untergegangen ist, beginnt für gläubige Muslime das Fastenbrechen. Im Rahmen des interkulturellen und interreligiösen Dialogs laden die Mitglieder des Schwarzwald-Bildungsverein immer auch Gäste zum Fastenbrechen ein.

Anhänger der Gülen-Bewegung

„Wir wollen Kontakt zu unseren Mitmenschen in Deutschland haben und ihnen die Angst vor dem Islam nehmen“, machte der Vorsitzende Güray Türk am Rande des Fastenbrechens deutlich. Als Anhänger der Gülen-Bewegung verstehen sich die Mitglieder des Vereins als liberale und weltoffene Muslime.

„Je gebildeter die Menschen sind, umso friedlicher ist das Miteinander“, ist Güray Türk überzeugt. Deshalb hatte der Nagolder Verein auch viele Jahre lang Nachhilfeunterricht für ausländische Schüler angeboten. Nach dem Putschversuch in der Türkei wurde das Angebot zwar eingestellt – aber nach wie vor hat man sich die Themen Kultur, Bildung und Dialog auf die Fahnen geschrieben. Daneben werden soziale Hilfseinrichtungen wie die Tafel oder Flüchtlinge unterstützt.

Unter den Gästen ist auch ein Pfarrer

So kam jetzt beim Fastenbrechen beispielsweise der 19-jährige Taha Melih Bektas zu Wort, der die Türkei aus politischen Gründen mit seiner Familie verlassen hatte. Zwischenzeitlich besucht er das Technische Gymnasium in Nagold und strebt nach dem Abitur ein Studium an. In Sachen Integration sei er vom Schwarzwald-Bildungsverein unterstützt worden – und Bektas betonte: „Ich freue mich auf eine spannende Zukunft in Deutschland“.

Unter den Gästen weilte auch der evangelische Nagolder Pfarrer Matthias Trumpp. Er fand es wichtig, dass sich die Christen und Muslime in der Stadt gegenseitig kennenlernen und bezeichnete das gemeinsame Fastenbrechen als „Zeichen des Teilens“. Und wenn das Fasten dazu führe, dass die Menschen zusammenrücken, „haben wir etwas richtig gemacht“, so Trumpp.

Nach einigen Gedanken zum Fastenmonat von Nuri Tiraki, dem Ruf des Muezzins und einem gemeinsamen Gebet war das Büffet mit zahlreichen türkischen Leckereien für das Fastenbrechen eröffnet.

Information

Der Ramadan ist als Fastenmonat der Muslime auch als neunter Monat des islamischen Mondkalenders bekannt. Zu dieser Zeit soll dem Propheten Mohammed der Überlieferung zufolge der Koran offenbart worden sein. Im Ramadan sollen sich Gläubige auf Selbstbeherrschung und Verzicht besinnen. Mit der Beschränkung auf das Wesentliche soll die Barmherzigkeit gegenüber Bedürftigen und Schwachen ins Bewusstsein der Menschen rücken. Die Zeit des Ramadan gilt deshalb auch als „Monat der guten Taten“. Im Mittelpunkt stehen Versöhnung und Mitmenschlichkeit. Während der Fastenzeit genießen Muslime das besondere Miteinander in der Familie und mit Freunden.