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Fachkräfte gesucht Stuttgart wirbt um Neubürger

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Das Alte Waisenhaus am Karlsplatz ist als Domizil für das geplante Willkommenszentrum im Gespräch Foto: Peter Petsch

Stuttgart - Schon Mitte Juli 2014 soll es in Stuttgart ein sogenanntes Willkommenszentrum für neue Einwohner geben. Damit sich die Ankömmlinge schnell orientieren können, wie es sich in Stuttgart leben und arbeiten lässt, wie all der bürokratische Kram zu bewältigen ist und wie man für das Kind einen Platz im Kindergarten ergattert.

Als Standort haben die Planer vakante Räume im Alten Waisenhaus im Sinn. Das ist einen Katzensprung von vielen Dienststellen der Stadt entfernt. Erwogen werden aber auch andere Standorte, etwa im Gebäude der Dresdner Bank am Schlossplatz. ­Zentral, ebenerdig und gut sichtbar sollen die Räume liegen. Zudem kommt es auf Platzreserven an. Denn die Wirtschaftsförderung der Region möchte möglichst nebenan ein Willkommenszentrum für die Region.

Sicher ist, dass sich kommenden Mittwoch der Internationale Ausschuss im Rathaus mit einer Beschlussvorlage befasst, die von OB Fritz Kuhn (Grüne) unterschrieben ist. Erarbeitet wurde sie vom Integrationsbeauftragten Gari Pavkovic. Am 25. September soll der Verwaltungsausschuss den Plan gutheißen, Pavkovic mit der Federführung beauftragen und ein genaues Konzept erarbeiten lassen.

„Erstanlaufstelle für Studierende, Fachkräfte und Familien“

Der Rahmen dafür ist gesteckt: Neubürger und potenzielle Zuwanderer werden vom Zentrum schnell an die richtigen Verwaltungsstellen weitergeleitet. Es soll als Türöffner und Lotse arbeiten, nicht die zahlreichen dezentralen Beratungsangebote ersetzen. Die Mitarbeiter der Bürgerbüros und der Ausländerbehörde hätten weder die Zeit noch den Überblick über die Angebote, um auf detaillierte Fragen einzugehen, meint Pavkovic. Die Neuankömmlinge hätten manchmal Hemmungen, die Behörden und Beratungsstellen zu besuchen. Bei der Suche nach dem richtigen Ansprechpartner gehe für sie auch viel Zeit verloren. Bestehende Beratungsstellen, Migrantenverein und überhaupt die Zivilgesellschaft soll im Zentrum aber mit Sprechstunden präsent sein.

Pavkovic versteht das Zentrum als „Erstanlaufstelle für Studierende, Fachkräfte und Familien, die neu nach Stuttgart kommen“ oder die hier noch neu sind. In erster Linie gehe es da um EU-Bürger und Bürger von Drittstaaten. Aber Menschen mit deutschem Pass stehe das Zentrum auch offen. An Zuspruch dürfte es eigentlich nicht fehlen, meint die Verwaltung. Stuttgarts Einwohnerzahl steige seit einigen Jahren. 2012 zogen 26 342 Deutsche nach Stuttgart und 22 447 Menschen mit Pässen anderer Staaten. Davon wiederum kamen 16 585 Personen direkt aus dem Ausland. Sehr viele Einwohner zogen zwar auch aus Stuttgart fort, doch unterm Strich blieben 5862 zusätzliche Einwohner übrig – und 3909 zusätzliche Ausländer. 2013 ging es ähnlich weiter.

Bisher bemühte sich die Stadt mit ihren Dienstleistungen „stark um sozial eher benachteiligte Zuwanderer-Gruppen“. Jetzt zielt sie klar darauf, Stuttgarts Chancen im Wettbewerb um Fachkräfte zu erhöhen. Künftig will man mit einem Internetportal auch schon Interessenten nach Stuttgart locken. Laut Industrie- und Handelskammern sei damit zu rechnen, dass der Region Stuttgart im Zeitraum bis 2030 angesichts der Überalterung der Bevölkerung etwa 67 000 Fachkräfte fehlen. Das bedeute auch einen Rückgang von Produktion, Aufträgen und Arbeitsplätzen, warnt Pavkovic. Deswegen hält man es für „unumgänglich“, das gesamte Fachkräftepotenzial auszuschöpfen, auch außerhalb von Deutschland. Zudem müsse die Stadt alles tun, damit Hochschulabsolventen nach dem Studium in der Region bleiben, sagt Pavkovic. Die Stadtkasse profitiere davon. Das Einwohnerplus von 5822 Personen im Jahr 2012 bedeute für Stuttgart mehr als 3,3 Millionen Euro zusätzlich aus dem kommunalen Finanzausgleich und weitere 9,5 Millionen an Steuereinnahmen.

Trotzdem plane man kein exklusives Willkommenskonzept für Hochqualifizierte, beteuert Pavkovic. Auch allein in Stuttgart ankommenden Flüchtlingskindern wolle man ein Willkommen entbieten: mit Sprachförderung, Kultur- und Sportangeboten und Sozialpraktika. Die Kosten dafür will Pavkovic aus dem Budget seiner Abteilung bestreiten. Fürs andere braucht es Finanziers.

Der Plan dafür steht: Rund 50 000 Euro pro Jahr will Kuhn für die Mieträume im Haushalt der Stadt vorsehen. Die Robert-Bosch-Stiftung hat signalisiert, dass sie drei Jahre lang eine von drei notwendigen Stellen finanziert. Das Integrationsministerium des Landes übernimmt eine halbe Stelle. Weitere Förderer werden gesucht. Die Pilotphase würde bis Dezember 2016 dauern – und im Fall eines Erfolgs in den Dauerbetrieb münden. Pavkovic: „Für den Versuch rechne ich mit einer großen Mehrheit im Gemeinderat.“

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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