Gesprächsrunde im Nationalparkzentrum am Ruhestein (von links): Arved Fuchs, Moderatorin Simone Stübner vom Nationalpark-Team, Andreas Fath und Wolfgang Schlund Foto: Wiegert

Wie gelangt Müll aus Deutschland ins Polarmeer? Dieser Frage geht der Film „The North Drift“ nach. Jetzt war er Grundlage einer Diskussion mit den Umweltexperten und Abenteurern Arved Fuchs, Andres Fath und Wolfgang Schlund im Nationalparkzentrum in Baiersbronn.

Die Kamera zeigt eine abgelegene Insel der Lofoten, die zu Fuß nicht zu erreichen ist. Von unberührter Natur kann dort allerdings nicht die Rede sein. Die Uferbereiche sind übersät mit Müll, darunter auch eine deutsche Plastik-Bierflasche.

 

Stammt die Flasche tatsächlich aus Deutschland? Diese Frage lässt den Filmemacher Steffen Krones nicht mehr los. Mit Hilfe von GPS-Bojen verfolgt er gemeinsam mit Freuden, Ingenieuren und Wissenschaftlern den Weg des Plastikmülls von der Elbe bei Dresden bis zu den Lofoten.

Eine Reise, bei der das Kamerateam erschreckende Bilder von den Auswirkungen der Wegwerfgesellschaft auf die Umwelt einfängt, denn laut Naturschutzbund landen jährlich mehr als zehn Millionen Tonnen Plastikmüll in den Weltmeeren. Und der gelangt größtenteils über die Flüsse dorthin, weiß der Chemieprofessor Andreas Fath von der Universität Furtwangen. Er hat schon den Rhein und die Donau vom Ursprung bis zur Mündung durchschwommen und dabei den Verschmutzungsgrad der Flüsse untersucht.

Frühwarnsystem Arktis

Das Ergebnis ist erschreckend: An vielen Stellen kann man beispielsweise in der Donau nicht mehr schwimmen, da das Wasser gesundheitsgefährdend verunreinigt ist – mit Mikroplastik, Medikamenten, Fäkalien und vielem mehr. Forscher, so berichtet Fath, hätten in der Donau mehr Plastikteile als Fischlarven gefunden.

Von vermüllten Ufern berichtet auch der Polarforscher Arved Fuchs. Vieles, meint er, bleibt dabei aber unter der Oberfläche. Zum Beispiel die sogenannten Geisternetze, die von den Fischerei-Schiffen im Meer verloren oder entsorgt werden. Diese Kunststoff-Netze sind dann über Jahrzehnte hinweg eine Todesfalle für Meeresbewohner, die sich darin verfangen.

Im hohen Norden sei neben der Vermüllung aber noch ein anderes Problem deutlich sichtbar: der Klimawandel. Die Arktis erwärme sich viel schneller als der Rest der Welt und ist für Fuchs daher eine Art Frühwarnsystem, an dem sich die dramatischen Veränderungen durch die Erderwärmung deutlich erkennen lassen.

Vogelnester aus Abfall

Weltensegler und Nationalparkleiter Wolfgang Schlund hat auf seinen Touren durch europäische Gewässer keinen Ort gefunden, an dem Plastikmüll nicht zum Problem geworden ist. Auf Helgoland, berichtet er, bauen Vögel ihre Nester schon mit Abfall, im Magen vieler Meeresbewohner finde man mehr unverdauliches Plastik als Nahrung, und kleine Schildkröten müssten nach dem Schlüpfen am Strand oft über Unrat steigen, um ins Meer zu gelangen.

Was muss passieren, damit die Weltmeere nicht zur globalen Müllkippe werden? Jeder kann durch bewussteren Konsum Plastikmüll vermeiden, meinen die drei Experten – sind sich aber einig, dass dies allein nicht reicht. Auch die Politik sei gefragt: So müsste etwa gesetzlich verankert werden, dass derjenige, der nicht natürlich biologisch abbaubare Waren in Umlauf bringt, auch zu deren Entsorgung verpflichtet ist.

Und ein weiterer Punkt ist für sie wichtig: die Sensibilisierung für den Umweltschutz durch Bildung. Alle drei sind in diesem Bereich engagiert: Andreas Fath bietet entlang seiner Flussrouten Workshops für junge Menschen an und informiert über die Arbeit in seinem mobilen Labor. Wolfgang Schlund vermittelt den Besuchern im Nationalpark Schwarzwald mit Angeboten, wie wichtig der Erhalt der Natur ist, und Arved Fuchs organisiert Jugendcamps und ermöglicht jungen Wissenschaftlern auf seinem Segelschiff die Feldforschung. „Wir brauchen beim Thema Umweltschutz jetzt die Stimmen der Jugend, denn meine Generation hat es vermasselt“, meint er.