Kristin Sprecher ist seit fast einem Jahr als Ärztin in der Weiterbildung in der Praxis Oberle in Eutingen, wo sich auch Julian Dürr weiterbildete. Foto: Schwarzwälder Bote

Medizin: Julian Dürr verlässt nach zweijähriger Weiterbildungsphase das Eutinger Praxis-Team / Enge Bindung zum Patienten gehabt

Das Eutinger Praxis-Team Oberle verabschiedet nach der zweijährigen Weiterbildungsphase Julian Dürr. Der Humanmediziner wird nun in der Praxis seines Vaters in Stuttgart einsteigen.

Eutingen. Die letzten Stunden in der Eutinger Hausarztpraxis fallen Julian Dürr sichtlich schwer. "Das Familiäre habe ich sehr geschätzt", verweist der 33-Jährige auf das tägliche Mittagessen mit Beatrix und Jürgen Oberle. Er wolle jedoch mit dem Oberle-Team in Kontakt bleiben, immerhin seien ihm alle ans Herz gewachsen. Herzlichst verabschiedet er sich auch von Kristin Sprecher. Die Humanmedizinerin bildet sich seit fast einem Jahr als Ärztin in der Eutinger Praxis fort und wird, wie Julian Dürr, die Vielfalt einer Hausarztpraxis auf dem Land kennenlernen.

"Das Programm von der kassenärztlichen Vereinigung ist wertvoll, um Nachwuchs zu gewinnen", betont Jürgen Oberle. Bereits vier Weiterbildungsassistenten sammelten bei Oberles in Eutingen Erfahrungen. Beatrix Oberle ist Lehrärztin an der UNI Tübingen. Gemeinsam mit ihrem Mann zählt sie 46 Studenten und 13 Auszubildende auf, die in den vergangenen zehn Jahren im Praxisteam mitwirkten. Nicht nur der Arzt in der Weiterbildung, sondern auch das erfahrene Ärzte-Team würden von dieser Fortbildungsmaßnahme profitieren und können Netzwerke ausbauen.

"Wir haben bis heute noch mit den meisten Kontakt", sagt Beatrix Oberle freudig und blickt Julian Dürr an. Auch wenn er nun in die Landeshauptstadt wechselt, wolle er immer wieder in Eutingen vorbeischauen. Die Praxis Oberle sei eine große, mit unterschiedlichen Bereichen, von der Urologie über die Chirurgie bis hin zu weiteren Bereichen. "Auf dem Land hat es eher weniger Fachärzte", begründet er die tägliche Vielfalt. Im Vergleich zur Praxis seines Vaters, spiele das ländliche Umfeld und damit auch die enge Bindung zum Patienten sowie zu dessen Umfeld, in Eutingen eine große Rolle.

Da Julian Dürr noch vor der Corona-Pandemie nach Eutingen kam, lernte er, den interkollegialen Austausch zu schätzen. "Wir haben uns mit anderen Ärzten getroffen. Das war dann aber nicht mehr möglich", bezieht er sich auf die Zeit ab März vergangenen Jahres. Auf die Normalität folgte laut ihm ein harter Einschnitt. Als Coronaschwerpunkt-Praxis mit getrennter Infekt-Praxis gab es einige Herausforderungen zu meistern, was vor allem die Hygieneverschärfung betrifft. "Für uns alle war das erschwerend. Mir hat die Mimik, die für die Diagnostik wichtig ist, gefehlt", beschreibt der junge Arzt, dass jedoch alle das sinnvollste aus dieser schwierigen Zeit gemacht hätten. Die Teststation in der Garage habe ihm sehr gefallen, denn da habe er an der frischen Luft gearbeitet.

Wohnhaft in Tübingen, hat er die Landluft Eutingens immer sehr genossen. Auch die Arztbesuche und damit das Kennenlernen des Patientenumfelds seien eine Besonderheit gewesen. "Als Allgemeinmediziner hat man ein anderes Verhältnis als beispielsweise in einer Klinik. In der Notaufnahme sieht man die Patienten nach der Behandlung meist nicht mehr und oft fragt man sich, wie ging es weiter? Was ist aus dem geworden?", beschreibt Dürr, warum ihn die Allgemeinmedizin so fasziniert.

Vater meinte: Mach, was dich glücklich macht

Von seinem Vater sei er auf keinen Fall dazu gedrängt worden, einmal dessen Praxis zu übernehmen. "Er hat immer zu mir gesagt: Mach, was dich glücklich macht", beschreibt Julian Dürr, dass er sich eine Zeit lang über das Ingenieurwesen informiert habe. Als er sich dann aber für das Medizinstudium entschieden hatte, kam der Wunsch nach der Allgemeinmedizin auf. Im März 2016 war er dann Arzt in Weiterbildung für den Facharzt zur Allgemeinmedizin.

Als Assistenzarzt an der Universitätsklinik in Tübingen sammelte er Erfahrungen im Bereich Innere Medizin, HNO, Sportmedizin und Geriatrie. An der Orthopädie habe ihm die "OP-Stimmung" nicht so sehr gefallen. "Ich wollte lieber den Menschen als Ganzes behandeln", verweist er auf die Weiterbildung im Bereich Allgemeinmedizin. Diesen Schritt habe er nicht bereut und würde ihn wieder gehen.

Nach seiner Zeit in der Praxis Oberle folge noch die Abschluss-Prüfung, mit der die Weiterbildung abgeschlossen ist. Das Eutinger Team wünscht dafür viel Erfolg und darf bald den nächsten Arzt in der Weiterbildung in den eigenen Reihen begrüßen.

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