Beim Zunftball in Weitingen wurde auch das Jubiläum der Gruppe "Jaunerschecken" gefeiert, diese besteht in dieser Form seit 40 Jahren. Fotos: Mattenschlager Foto: Schwarzwälder Bote

Brauchtum: "Bettschoner" brennen tolles närrisches Feuerwerk ab / Rückblick auf das Ringtreffen / "Blotzer"-Auftritt verschoben

Einen tollen närrischen Abend boten die Weitinger "Bettschoner" beim traditionellen Zunftball am Fasnetssamstag in der bunt dekorierten Narrenhalle, die schier aus den Nähten platzte.

Eutingen-Weitingen. Schon lange vor Beginn gab es keine Sitzplätze mehr, umso gefragter waren die Stehplätze an der Weizenbar. Nach dem Einmarsch aller Maskengruppen samt Tanzgarde und Narrenrat bot sich ein farbenprächtiges Bild auf der Bühne, als Narrenpräsident Pascal Schmitt mit launigen Worten den Zunftball eröffnete. Diesmal als "Ball der Jubiläen" – der Narrenverein feierte seinen 90. Geburtstag vor kurzem mit dem großen Ringtreffen, die Gruppe der "Jaunerschecken" besteht in dieser Form seit 40 Jahren und die "Blotzer" können auch schon auf ihr 25-jähriges Bestehen zurückschauen. Stolz sei man in Weitingen auf das erfolgreiche Ringtreffen, was nur durch die tolle und engagierte Arbeit Vieler möglich war.

Unter den Besuchern konnte Schmitt neben Gerd Herzer vom Närrischen Freundschaftsring Neckar-Gäu, die früheren Präsidenten Gerhard Raible und Roland Schneider sowie zahlreiche Ehrenmitglieder und "alte Bettschoner" begrüßen, außerdem Pfarrer Andreas Gog, Bürgermeister Armin Jöchle und "O-Vau" Rainer Himmelsbach.

Nach Tanzeinlagen der Tanzgarde und der Jugendshowtanzgruppe stieg Roland Schneider als "echter Narr" in die Bütt. Der frühere Narrenpräsident hatte die Schirmherrschaft beim Ringtreffen übernommen, weil man in Weitingen auf die "Großkopfeten" nicht sonderlich gut zu sprechen ist. Ausnahme: Bürgermeister Jöchle, dem für die Unterstützung gedankt wurde. Den Schirm hielt für Schneider ein Gardemädchen, denn als Narr werde man "im Regen stehen gelassen". Schneider machte einen Streifzug durch die große Politik, wo von Donald Trump bis Boris Johnson oder der Nullzins-Politik der EZB nichts Erfreuliches zu berichten war. "Ond findesch keine Worte mehr, bisch ao schao bei dr Bundeswehr", wo nichts mehr funktioniere. Man könne nur hoffen, dass alles friedlich bleibt, "weil – bevor’s in Deutschland zom erschta Mol kracht, hat sich der Feind längst totgelacht". Genauso sei es bei den Vereinen: "Mit Hunderte von Paragrapha doant se heut d’Verei‘ bestrafa." Insofern müsse man schon ein "echter Narr" sein: "Und führt uns das Schicksal auch ab und zu vor, dann pfeife mir drauf mit Spaß und Humor".

Positiv war der Rückblick auf das Ringtreffen, das mit immensem Arbeitsaufwand gestemmt wurde. Und dass ein "echter Narr" sich auch selbst auf die Schippe nehmen kann, bewies Schneider mit seiner Schilderung, wie er selbst nach dem kräftezehrenden Zeltaufbau auf dem Heimweg "vor Entkräftung vom Fahrrad ra g‘falla" war. An Pascal Schmitt gerichtet höchstes Lob: "Am Schluss, wenn’s Narraherz lacht, dann weischt du: Alles richtig g’macht!" Neben einem Riesenapplaus vom Publikum gab es die Bestätigung von Schmitt: "So muss ein Schirmherr aussehen."

Die Gruppe der Kanoniere zeigte eine lustige Show vom Synchronschwimmen, als Bademeister fungierte der älteste Aktive des Abends, Manfred Braun, der tapfer den bösen Haifisch verjagte. Der Maskentanz der "Blotzer" zu ihrem 25-jährigen Jubiläum musste wegen Krankheit vieler Akteure auf kommendes Jahr verschoben werden, stattdessen zeigte eine Beamer-Show vor allem die Highlights aus den tollen Bühnenauftritten der Maskengruppe, die stets eine tolle Bereicherung der Saalfasnet darstellten, so Schmitt. "Blotzer"-Chef Ingo Flaig, den Kevin Schwab unterstützte, erinnerte an die Entstehung der Maskengruppe, die auf ein altes Häs von Anfang 1900 zurückgeht. Eine kleine Ehrengabe erhielten die Gründungsmitglieder Manfred, Gerda und Sven Schneider, Thomas Tronsberg, Berthold Gaus, Achim und Mary Breining, Roland und Marianne Straub sowie Michael Kegreiß.

Einen echten Höhepunkt steuerten die Urnburghexen mit ihren "Expeditionen ins Narrenreich" bei. Die beiden Forscher (Fabian Teufel und Christoph Schneider) erklärten dem staunenden Publikum die Weitinger Maskengruppen. Ihrer Farben wegen waren die Blotzer die "Biene Maja", die Bettschoner wegen der Laternen die Glühwürmchen, beim Jaunerschecken­tanz könne man an den mitgeführten Saubloodern gleich sehen, "wer die größte Blooder isch". Natürlich waren die Hexen bei den beiden die "Krönung der Schöpfung". Die von den Forschern ausgelegten Lockstoffe, in Form zweier Fläschle Bier, wirkten jedenfalls auf alle Gruppen gleichermaßen.

In der nächsten Folge der bejubelten Sendung soll es um das Fortpflanzungsverhalten der Bettträger gehen: "Warum braucht man 18 Männer, um eine Frau ins Bett zu bringen?" Auch das "Dr. Sommer-Team" werde über eine Weitinger Gruppe, nämlich die "Langen Mannen" berichten: "Ist länger wirklich immer besser? Ein langer Mann packt aus." In der stürmisch geforderten Zugabe kamen dann noch "zwei weitere Gattungen" dran: Die blaue Farbe des Narrenratsgewandes leite sich von deren Zustand ab, und die Tanzgarde sei bekannt für ihre Balztänze.

"Neueste Meldungen aus der Eutinger Sau- und Mischtwirtschaft" brachte Andreas Gaus als Dorfbüttel (wir werden noch berichten). Die Jaunerschecken ergänzten ihren Scheckentanz zu den Klängen des Weitinger Narrenmarsches mit dem Rap "Weidenga super geil", toll dargestellt mit einer Beamer-Show über die Highlights der Weitinger Fasnet. Vorbereitet hatte diesen Auftritt das "Kommando Zisch", die frühere Tanzgarde. Frank Katz, der Chef der mit mehr als 70 Hästrägern größten Weitinger Maskengruppe, bat alle seine Hästräger zum Gruppenbild auf die Bühne. Unter ihnen waren auch mehrere "Schuddig", die vor den Jaunerschecken die Weitinger Straßenfasnet bereichert haben. Die Gründung der Schecken vor 40 Jahren sei hauptsächlich Jule Fischer, Wolfgang Schmid, Gerhard Raible und Hermann Nesch zu verdanken gewesen. Sie und die ersten Hästräger erhielten kleine Präsente zur Erinnerung. Den passenden Abschluss lieferte die Tanzgarde mit der tollen Show "Ein Grund zu feiern". Danach feierten die Weitinger ausgelassen eine weitere lange Bettschoner-Nacht.