Deutsche und französische Umweltschützer demonstrieren am Wochenende grenzüberschreitend gegen das im Elsass geplante „Europa-Valley“.
Die Pläne des Europa-Parks Rust, am elsässischen Rheinufer ein „Europa-Valley“ anzusiedeln, stoßen auf Widerstand. Die badische Bürgerinitiative „Jetzt langt’s“ und die französischen Aktivisten von „Le chaudron des alternatives“ (Kessel der Alternativen) wollen am kommenden Sonntag, 3. Juli, gemeinsam am Sitz des Familienbetriebs Mack in Rust demonstrieren. Die Protestaktion startet um 11 Uhr in Rhinau, per Fahrrad geht es über den Rhein zur Kundgebung um 14 Uhr in Rust am Skaterplatz, nahe des Park-Haupteingangs. „Sie sollen sehen, dass es uns ernst ist“, erklärt Theo Maurer aus Rheinhausen, Mitgründer der Bürgerinitiative „Jetzt langt’s“.
Es täte jetzt mal reichen
Mit „sie“ sind die Betreiber des größten deutschen Freizeitparks gemeint, der vor 50 Jahren von Franz und Roland Mack gegründet und zu einer Großattraktion für Millionen Gäste ausgebaut wurde. „Ich bin nicht generell gegen den Park“, betont Theo Maurer (68). Der ehemalige Mitarbeiter der Gemeindekämmerei in der Nachbargemeinde Rheinhausen und nebenberufliche Altrhein-Fischer ist erst seit drei Jahren öffentlich auf Gegenkurs zur fortschreitenden Expansion des Europa-Parks gegangen. „Rulantica 2019 war mir zu viel“, erzählt Maurer. Darum habe er mit anderen Kritikern die Bürgerinitiative gegründet, die mittlerweile auf rund 250 Personen angewachsen sei.
Mit der Badelandschaft Rulantica ist der Europa-Park von 95 auf 140 Hektar gewachsen, viele der rund 4000 Ruster fühlen sich von Verkehr, Beschallung und Trubel auf den Achterbahnen bedrängt. Und das, obwohl der Park derzeit aus Personalmangel die Zahl der Besucher deckelt. Es gibt Unmut über den immensen Wasserverbrauch in Dürrezeiten. „Es tät‘ jetzt mal reichen, sagen viele in Rust und Umgebung“, sagt Maurer. Doch der Europa-Park will nun auf die linke Rheinseite expandieren. Nur fünf Kilometer Luftlinie westlich von Rust entfernt, soll auf 150 Hektar landwirtschaftlicher Fläche zwischen Diebolsheim und Sundhouse das „Europa-Valley“ – ein Europatal – entstehen: Eine Ferienanlage mit Campingplatz, Hotels und Hütten im elsässischen Stil sowie Verkaufsstätten für regionale Produkte. Auch die Multimedia-Firma von Juniorchef Michael Mack „MackNext“ wird im Elsass südlich von Straßburg angesiedelt.
Französische Besucher spielen für den Europa-Park eine große Rolle, und etwa ein Viertel seiner Beschäftigten pendelt aus dem Elsass zur Arbeit nach Rust. Europa-Park-Chef Roland Mack ist Ritter der französischen Ehrenlegion, Ehrenbürger von Sélestat und Träger des renommierten Prix Bartholdi. Sohn Michael Mack wurde 2018 von Staatspräsident Macron zum Ehrenbotschafter ernannt. Praktisch zeitgleich wurde bekannt, dass Mack junior die Idee ausgetüftelt hatte, vom Europa-Park eine Seilbahn durch das Naturschutzgebiet „Taubergießen“ zu bauen, um Besucher hin und her zu gondeln. „Das war der erste Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte“ so Maurer. Das Naturschutzgebiet Taubergießen ist eine seltene Wildnis, Baumaßnahmen brächten massive Störungen von Flora und Fauna mit sich. Nach massiven Protesten ließ die Familie Mack die Idee zunächst ruhen. Doch jetzt kommt sie erneut auf den Tisch.
Roland Mack zeigt sich genervt
„Getarnt als Projekt deutsch-französischer Freundschaft“ würde auf beiden Seiten des Rheins geschützte und wertvolle Landschaft „von der Spaßindustrie annektiert“, fürchtet die Initiative. Die ersten Reaktionen französischer Repräsentanten auf die Ankündigung des „Europa-Valley“-Projekts im März 2020 waren positiv, doch seither hüllt man sich allseits in Schweigen. Auch der Europa-Park sieht „keine Neuigkeiten“, die es zu verbreiten gebe. Ohne das Projekt im Elsass beim Namen zu nennen, zeigte sich Roland Mack am Donnerstag bei der Vorstellung einer neuen Attraktion für Rulantica genervt von zunehmender Kritik in Leserbriefen. „Das tut weh“, sagte Mack. Schließlich schaffe der Park Arbeitsplätze und sei ein wichtiger Steuerzahler.