Wie es derzeit um den Ausbau erneuerbarer Energien in Loßburg bestellt ist, war Thema in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Im Zuge dessen ging es auch um Lastenmanagement und Digitalisierung.
In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats informierten die Stadtwerke Freudenstadt über das Thema „Energieversorgung gestern, heute und morgen“. Interessant für das Gremium waren insbesondere die Daten zur aktuellen Situation in Loßburg.
Claudius Bierig erklärte die gesetzlich vorgegebene Ausgangssituation: „Bis 2030 sollen 80 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien stammen.“ Dabei komme der Strom der Stadtwerke Freudenstadt schon heute überwiegend aus CO2-neutralen Quellen. Laut Bierig liegen die privaten Haushalte in Loßburg bei der Produktion deutlich hinter den gewerblich industriellen Erzeugern.
Beim weiteren Ausbau haben Windkraft und Photovoltaik Vorrang. Moderne Windenergieanlagen (WEA) könnten heute zehn Millionen KWh pro Jahr produzieren. Durch den Teilflächennutzungsplan Windkraft könne Loßburg nun das Thema „Windpark“ angehen.
142 E-Autos zugelassen
Zudem habe in Loßburg Photovoltaik, vor allem auf Dachflächen, in den Jahren 2022 und 2023 stark zugenommen. Die installierte Gesamtleistung liege bei knapp 21 000 kWh. Aktuell seien 688 Anlagen registriert, davon 670 auf Dächern. Da sei aber noch deutlich Potenzial von gut 80 Prozent Dachfläche vorhanden, sagen die Experten.
„Die Menge an produziertem Strom ist hoch in Loßburg, reicht aber bei Weitem noch nicht aus“, lautete das Fazit von Claudius Bierig.
Stand 31. Dezember 2023 seien in Loßburg 142 Elektrofahrzeuge und 86 Plug-In-Hybridfahrzeuge zugelassen. Die gemeldeten 144 Ladesäulen in Loßburg seien geradezu vorbildlich. Allerdings bestehe das Problem der „Gleichzeitigkeit“, zum Beispiel, wenn am Abend alle E-Fahrzeuge gleichzeitig geladen würden. Daher sei der Ausbau des Stromnetzes von einem bisher unidirektionalen zu einem bi- oder sogar multidirektionalen Netz dringend erforderlich.
Lastenmanagement nötig
Oder wie es Bürgermeister Christoph Enderle griffig formulierte, „immer kam der Strom aus der Steckdose, nun geht er auch rein – und das an vielen Stellen gleichzeitig“.
Das dafür erforderliche Lastenmanagement stellte Ruben Frey vom Fachbereich Steuerung und Digitalisierung den Gemeinderäten vor. Ans Breitband seien bei den Stadtwerken Freudenstadt aktuell 3800 Kunden angeschlossen, davon die Hälfte in Loßburg, Alpirsbach und Dornhan. In den letzen Jahren sei eine Vielzahl neuer Kunden dazugekommen. Aktuell werde daher ein neuer POP am Friedhof aufgebaut.
Werner Faulhaber (FWV) wollte wissen: „Wo auf dem weiten Weg sind wir gerade? Und wie sieht es bei Mehrfamilienhäusern mit Balkonkraftwerken aus?“ Da hatte der Fraktionschef einen Treffer gelandet, denn die Stadtwerke kennen gar nicht alle installierten PV-Anlagen, wenn sie nicht angemeldet werden. Danach fragen dürfen sie ihre Kunden nicht, der Datenschutz lasse das nicht zu. Ungläubiges Staunen im Gremium. Aber ein Online-Portal zur Registrierung werde derzeit entwickelt.
Annette Bachmann (FWV) berichtete von acht bis zehn Stromausfällen im Jahr in Loßburg, womöglich eine Folge von Netzüberlastung. Viele detaillierter Fragen folgten, und Christoph Enderle bilanzierte: „Es wird nicht einfacher, sondern immer komplexer. Deshalb stimmt auch das Bauamt ein- bis zweimal jährlich die Bauvorhaben mit den Stadtwerken ab.“