Wie ist das eigentlich, wenn ein Hundewelpe einzieht? Und wie lässt der sich mit einem Vollzeitjob vereinbaren? Unsere Redakteurin erinnert sich zurück an die Zeit als frisch gebackene Hundebesitzerin.
Ein Hundewelpe zieht ein. Nachdem ich, seit ich ein Kind war, quasi von nichts anderem geredet habe, wurde dieser Traum wahr. Entsprechend vorbereitet startete ich das „Projekt Hund“: Welpenratgeber lagen bereit, Platz in der Hundeschule war gesichert, nötige Ausstattung gekauft.
Am 12. Mai 2021 holten wir sie dann in der Nähe von Ulm ab. Smartie war neun Wochen alt, wog sechs Kilogramm. Ein Arm voll Bearded Collie-Goldendoodle-Mischling. Die Heimfahrt verlief reibungslos – wo andere Welpenbesitzer von Gejaule, Spaziergängen im Auto oder gar Erbrochenem erzählen, saß Smartie entspannt auf dem Schoß meines Mannes.
Daheim angekommen wollten wir sie nicht gleich in die Wohnung schleppen, sondern sich erst einmal erleichtern lassen. Sonst geht das erste Geschäft gleich daneben – und der Hund soll ja möglichst schnell stubenrein werden. Aber was, wenn das Hundekind partout nicht muss?
Wir wechselten also den Standort und setzen uns auf den Balkon, wo wir ein Hundeklo gebaut hatten (mit einem Quadratmeter echtem Rasen aus dem elterlichen Garten – für den Welpen nur das Beste). Da wir im vierten Stock eines Mehrfamilienhauses wohnen, dachten wir, das wäre clever. Unnötig zu erwähnen, dass Smartie anderer Meinung war. Sie fand das Teil herrlich bequem und nutzte es eher als Loungebereich denn als Toilette. Zum Pinkeln ging es auf den Teppich im Wohnzimmer.
Die erste Nacht
Die erste Nacht mit Welpe war für uns wahrscheinlich aufregender als für sie. Während wir beim kleinsten Geräusch aufschreckten, schlief das Tier sechs Stunden durch, bevor sie sich das erste Mal bewusst bemerkbar machte.
Und so vergingen die ersten Tage, Nächte, Wochen mit Hund. Mein Mann und ich hatten drei Wochen Urlaub eingeplant, anschließend ging es mit viel Homeoffice weiter. Einer von uns war meist daheim; wenn nicht, halfen Eltern oder Geschwister aus.
Smartie erwies sich als überaus clever, entwickelte sich zum Langschläfer (ganz das Frauchen) und konnte sich für alles und jeden begeistern. Trotzdem gab es auch Rückschläge. Immer wieder geschah ein Malheur auf dem Teppich, obwohl wir strikt darauf achteten, alle Signale rechtzeitig zu deuten. Das Alleinsein klappte nicht. Ihr Temperament stellte uns vor Herausforderungen.
Die ersten beiden Probleme haben sich in Wohlgefallen aufgelöst. Doch die Sache mit ihrem Temperament... Obwohl uns Smartie viel Freude bereitet und jeden um die Pfote wickelt, sind wir noch weit davon entfernt, einen perfekt erzogenen Hund zu haben. Ihre unbändige Freude, wenn sie Menschen entdeckt, die sie kennt (oder gerade kennenlernt), artet in Gefiepe und Hochspringen aus. Andere Hunde findet sie beängstigend und macht an der Leine einen auf Kampfbestie. In der Hundeschule können wir daran nicht so richtig arbeiten, denn dort – dumm ist das Tier ja nicht – benimmt sie sich mustergültig. Aber wir üben weiter.
Was also ist mein Fazit nach zweieinhalb Jahren mit Hund? Wer Vollzeit arbeitet, sollte es sich gut überlegen. Plan B, C und D sind nötig, falls man selbst verhindert ist. Freunde, Familie, Bekannte sollten schon vor der Anschaffung ins Boot geholt werden. Und natürlich muss geklärt sein, was mit dem Hund den Tag über geschieht. In unserem Fall darf sie immer wieder mit ins Büro.
Das Klischee stimmt
Der finanzielle und zeitliche Aufwand dürfte klar sein: Mehrmals am Tag Gassi gehen, Fellpflege, Tierarztkosten, Versicherung, Futter. Was ich trotz generalstabsmäßiger Vorbereitung jedoch unterschätzt habe, ist die Erziehung. Ich dachte, ich hätte nach einem halben Jahr einen wohlerzogenen Vorzeigehund. Wenn ich mich an das halte, was im Ratgeber steht. Dumm nur, wenn der Hund den nicht gelesen hat.
Hunde sind eben auch Individuen, deren Schwächen man nur mit Mühe, vielleicht auch gar nicht bekämpfen kann. Und natürlich machen Erst-Hundebesitzer versehentlich viel falsch.
Das Erschreckende an der Geschichte zum Schluss: Das Klischee, dass sich Hund und Besitzer ähneln, stimmt. Smartie und ich lassen uns beide schnell stressen, sind begeisterungsfähig und manchmal ein bisschen zu laut. „Hundeprofi“ Martin Rütter hatte daher wohl Recht, als er sagte: „Jeder bekommt den Hund, den er verdient.“
Die Rassen
Bearded Collies
sind Hütehunde, deren Ursprung in Schottland vermutet wird. Bearded Collies haben langes, üppiges Fell und einen „Bart“, von dem sie ihren Namen haben. Sie werden als sportlich, lebhaft und intelligent beschrieben.
Goldendoodles
gelten als Hybrid-Hunderasse aus Golden Retriever und Pudel. Sie erfreuen sich großer Beliebtheit, weil sie in vielen Fällen die Gutmütigkeit des Golden Retrievers und die Lernfreudigkeit des Pudels in sich vereinen. Zudem haaren sie kaum.