Die Mitarbeiter der Entsorgungsfirma Esslinger haben alle Hände voll zu tun. Seit einem Jahr entsorgt das Unternehmen wilden Müll im Auftrag des Landkreises. Und gerade im vergangenen Jahr hatten Müllsünder Hochkonjunktur.
Oberndorf - Illegal entsorgter Müll wird für den Landkreis zu einem immer größeren Problem. Etwa 37 Tonnen kamen im vergangenen Jahr zusammen. Das waren etwa 30 Prozent mehr als 2020. Die Kosten für die Entsorgung beliefen sich laut Landratsamt Rottweil auf rund 25 000 Euro. Kosten, die die Allgemeinheit tragen muss.
Mit der Beseitigung wurde die Firma Esslinger in Oberndorf beauftragt. Und die 22 Mitarbeiter im Entsorgungsbereich hatten 2021 einiges zu tun. "Wir hatten im vergangenen Jahr 105 Einsätze. Im neuen Jahr sind es auch bereits zwei", sagt Harald Hütter, Entsorgungsmanager bei Esslinger.
Genaue Koordinaten hilfreich
Spaziergänger, Förster oder Ordnungsbeamte melden die Müllfunde an die Gemeinde. Diese leitet die Informationen weiter an das Landratsamt, das wiederum den Fundort und die Art des Mülls an die Firma Esslinger weiterleitet.
"Oft ist es bereits eine Herausforderung, die gemeldete Stelle zu finden", so Hütter. "Es gibt meist keinen Straßennamen, keine Hausnummer. Oft haben wir nur eine grobe Wegbeschreibung." Manchmal muss ein Rückruf bei der Person, die die Stellte gemeldet hat, erst Klarheit schaffen. "Bilder von der Fundstelle und die genauen Koordinaten sind da enorm hilfreich. Und dank Smartphones kann jeder die Geodaten herausfinden", sagt Geschäftsführer Erwin Esslinger.
72 Altreifen entsorgt
Wenn der Müll gemeldet wurde, dauere es höchstens eine Woche, bis er beseitigt werde, so Esslinger. In der Regel fahren dafür zwei Mitarbeiter raus und sammeln den Abfall ein. Dazu nutzen sie ein Container-Fahrzeug oder einen Kleintransporter. Bei besonders unwegsamem Gelände kam aber auch schon ein Traktor oder sogar ein Kran zum Einsatz.
Letzterer war im vergangenen Sommer bei einem Einsatz nahe Epfendorf nötig, als etwa 20 Kubikmeter Sperrmüll am Rande eines Waldwegs abgeladen wurden und den Abhang runterrutschten. Ein weiterer besonderer Fund: Bei Gößlingen wurden 72 Altreifen in einem Gebüsch abgeladen. Bei der Menge an Altreifen, liege die Vermutung nahe, dass es sich dabei um gewerblichen Müll handle, so Esslinger.
Müll landet auf der Deponie in Bochingen
Verschiedenste Müllarten wurden im Laufe des vergangenen Jahres von Müllsündern entsorgt. Neben Autoteilen, Altreifen oder alten Möbeln laden sie auch häufig Bauschutt, wie beispielsweise Gipsplatten oder Fliesen, auf.
"Es gibt im Landkreis genug Annahmestellen für solchen Müll. Doch das kostet dann Geld." Das ist die einzige Erklärung, die Erwin Esslinger für das Handeln der Müllsünder hat. Einmal wurde sein Unternehmen zu einer Stelle zwischen Bochingen und Trichtingen gerufen. "Der Müll wurde quasi in Sichtweite von der dortigen Mülldeponie abgeladen", so Esslinger. Und auf der Bochinger Mülldeponie landet auch der wilde Müll, den sein Unternehmen einsammelt. "Dort werden die Wertstoffe sortiert und dem richtigen Entsorgungsweg zugeführt", erklärt Hütter.
Müllsündern drohen harte Strafen
Funde, die möglicherweise zum Müllsünder führen könnten, wie beispielsweise Adressen, werden dem Landratsamt mitgeteilt. Die Entsorgung von wildem Müll kann als Ordnungswidrigkeit oder sogar als Straftat gewertet werden, wie das Landratsamt erklärt. Letzteres käme beispielsweise bei der Entsorgung gefährlicher Stoffe in Betracht. Im schlimmsten Falle drohe bei einer Straftat eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder bei Ordnungswidrigkeiten ein Bußgeld von bis zu 100 000 Euro. Die Höhe des Bußgeldes hänge vom Einzelfall ab, "insbesondere den Tatumständen, dem Tatort und dem Gefährdungspotential", so die Kreisbehörde.
Der Vertrag zwischen Esslingers Entsorgungsunternehmen und dem Landkreis läuft noch dieses Jahr. Wenn sich der Trend fortsetzt, dürfte das Thema wilder Müll den Landkreis und das Unternehmen zunehmend beschäftigen.