Nach jahrelangen Verhandlungen mit Gazprom hat Deutschlands größter Gasimporteur Eon Anfang der Woche einen Erfolg erzielt: Gas aus Russland wird für den Versorger günstiger. Davon könnten auch die Kunden profitieren. Foto: dpa

Die Gaspreise könnten sinken, weil Energie aus russischen Gasfeldern günstiger wird.

Deutschlands größter Energieversorger Eon ist in der Zwickmühle. Ende Juni kündigten mehrere Tochtergesellschaften des Essener Konzerns saftige Preiserhöhungen bei Gas für Anfang September diesen Jahres an. Um durchschnittlich 6,5 Prozent sollen die Tarife steigen. Ein Haushalt würde damit im Jahr knapp 90 Euro mehr für Gas bezahlen müssen.

Wenige Tage später – Anfang dieser Woche – gab Eon bekannt, im zwei Jahre dauernden Streit um bessere Lieferbedingungen mit dem russischen Gazprom-Konzern einen Erfolg erzielt zu haben. Eon, das bisher aufgrund alter Verträge Gas zu ungünstigen Konditionen aus Russland bezogen hat, bekommt es jetzt deutlich günstiger. Allein fürs das erste Halbjahr 2012 erwarte man einen positiven Effekt von einer Milliarde Euro, teilte der Konzern mit. Die jetzt ausgehandelten Rabatte gelten laut Eon rückwirkend bis ins vierte Kalenderquartal 2010.

Was Eon freut, bringt derzeit Verbraucherschützer in ganz Deutschland in Rage. Klaus Müller, der Vorstand der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen forderte den Essener Energieriesen via Pressemitteilung auf, „jetzt nicht nur die Korken für das Unternehmen und die Aktionäre knallen zu lassen“, sondern auch die angekündigten „Gaspreiserhöhungen komplett zurückzunehmen“. Unter Umständen müsse Eon die Gaspreise sogar senken, sagte Jürgen Schröder, Energieexperte der Verbraucherzentrale in NRW unserer Zeitung. Es gehe nicht an, den Preis für die Kunden zu erhöhen und gleichzeitig Gas billiger einzukaufen.

Bereits 2008 hatte der baden-württembergische Landtag den hiesigen Gasmarkt genauer unter die Lupe genommen

Der Streit um die Gaspreise, der die Debatte vor allem im klassischen Versorgungsgebiet von Eon – also in West- und Norddeutschland, aber auch in Teilen Bayerns – bestimmt, betrifft aber auch Baden-Württemberg. Auch hier hängen die meisten Haushalte von Gas-Lieferungen von Eon bzw.. deren Gas-Tochter Eon-Ruhrgas ab. Diese importiert nach Angaben von Branchenkennern rund 60 Prozent des in Deutschland verbrauchten Gases und ist damit unangefochtener Marktführer.

Bereits 2008 hatte der baden-württembergische Landtag den hiesigen Gasmarkt genauer unter die Lupe genommen. Demnach bestimmen zwei große Importeure Eon-Ruhrgas und Wingas über ihre Lieferkonditionen auch das Preisniveau im Südwesten. Von diesen beiden Konzernen fließt das Gas an Zwischenhändler wie die Gasversorgung Süddeutschland (GVS). Dann geht es über Stadtwerke, die EnBW oder Gashandelsgesellschaften an die Haushalte.

Gas von Eon, landet also mit ziemlicher Sicherheit irgendwann auch in den Baden-Württembergischen Haushalten, zumal Insidern zufolge die GVS als dominierender Gas-Zwischenhändler in Baden-Württemberg „zu einem Viertel bis einem Drittel“ mit Gas von Eon beliefert wird.

„Innerhalb eines halben Jahres müsste sich das auswirken“

Christoph Weber, Energiewirtschaftler und Gasexperte an der Universität Duisburg-Essen, geht denn auch davon aus, dass die günstigeren Einkaufsbedingungen von Eon sich auch bei den Verbraucherpreisen für die Endkunden in ganz Deutschland bemerkbar machen. „Innerhalb eines halben Jahres müsste sich das auswirken“, sagte er unserer Zeitung. Direkte Preissenkungen seien aber keinesfalls möglich, da die Tarifanpassung gegebenenfalls über mehrere Zwischenschritte, also über Zwischenhändler oder Stadtwerke erfolgen müsse.

Dazu kommt ein weiterer Aspekt: Während Gas aus Russland derzeit günstiger wird, steigt der Preis von Gas an den Börsen und im Großhandel an. Ein Effekt der den jetzt erzielten Preisnachlässen entgegenwirkt. Bisher hatten große Gasmengen an den Börsen, die Preise dort gedrückt. Als Folge konnten sich viele Versorger günstig einkaufen. Eon war dagegen von seinen teuren langfristigen Lieferverträgen mit Russland abhängig und schrieb Verluste – ein Zustand den der Konzern jetzt beendet hat.

Die EnBW als größter Gasversorger im Land hält sich mit Prognosen zu möglichen Preissenkungen zurück. Ob und wie die Entwicklung auf die Endkunden der EnBW durchschlage, sei „derzeit nicht abzuschätzen“, sagte ein Sprecher unserer Zeitung.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: