Wegen der Verknappung russischen Erdgases ist Uniper als einer der größten Versorger in Deutschland in eine Schieflage geraten. Foto: imago images/Jochen Tack

Wenn große Energieunternehmen angesichts der Gaskrise zu kollabieren drohen, muss der Staat sie retten, meint der Kommentator Thorsten Knuf.

Es gibt historische Ereignisse, die sich ins kollektive Gedächtnis eingegraben haben. Aus dem Wirtschaftsleben gehört die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Jahr 2008 dazu. Damals war aus einer Immobilien- eine Finanzkrise geworden. Lehman kollabierte und brachte viele Kreditinstitute rund um den Globus ins Wanken, die die Staaten mit gigantischen Summen retten mussten. Das trug dazu bei, dass aus der Finanz- die Eurokrise wurde.

 

Erinnerungen an das Lehman-Debakel

In diesen Wochen wird wieder häufig an das Lehman-Debakel erinnert – und zwar im Zusammenhang mit Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine und den stark reduzierten Gaslieferungen nach Deutschland. Der Energiekonzern Uniper, hierzulande der größte Gashändler, ist in Schieflage geraten. Die Koalition in Berlin ändert unter Hochdruck das Energiesicherungsgesetz. Unter anderem soll ein Staatseinstieg bei wichtigen Energieunternehmen möglich werden. Denn fällt Uniper um, könnten Stadtwerke und Regionalversorger folgen. Es geht um die Sicherheit der Energieversorgung insgesamt.

Energieversorger sind systemrelevant

So gesehen sind große Energieunternehmen die neuen Banken. Man muss sie nicht mögen. Aber sie sind systemrelevant. Der Staat kann gar nicht anders, als sie notfalls mit Milliardensummen zu retten. Dabei müssen allerdings auch klare Regeln gelten. Etwa die: Steigt der Staat ein, muss er sich auch wieder zurückziehen und seine Anteile möglichst gewinnbringend am Markt veräußern, sobald die Umstände das zulassen.