Auch Versicherungen und Leihgeber erwarten klimatisierte Museen. Aber wer zahlt die teure Energierechnung? In reichen Bundesländern scheint das keine Frage zu sein.
In Straßburg hat man bereits Fakten geschaffen. Seit Oktober sind die Museen zwei Tage pro Woche geschlossen. Außerdem müssen sie eine einstündige Mittagspause machen. Es wird sich zeigen, ob das tatsächlich Energie spart. Da Museen zu den größten Energieverbrauchern der Städte gehören, werden derzeit Krisenstäbe und Task-Forces gebildet, Energiebeauftragte benannt und ehrgeizige Ziele ausgegeben. So hat die Stiftung Preußischer Kulturbesitz angekündigt, ihren Energieverbrauch um zwanzig Prozent reduzieren zu wollen.
Das Problem sind die Klimaanlagen
Der Deutsche Museumsbund rät, in Kellern und Dachgeschossen die Temperatur zu drosseln und dort das Licht auszuschalten, wo es genug Tageslicht gibt. Aber auch wenn auf Museumstoiletten das Warmwasser abgestellt wird, sind die Hauptenergiefresser die Klimaanlagen und strengen Vorgaben für Temperatur und Feuchtigkeit. Selbst dort, wo sie nicht nötig sind – etwa bei Videokunst –, werden Räume klimatisiert, weil Versicherungen es fordern oder es so vereinbart wurde. „Es gibt bindende Vereinbarungen mit unseren Leihgebern, die stets gewährleistet sein müssen“, heißt es etwa aus der Schirn-Kunsthalle Frankfurt.
Baden-Württemberg wird staatlichen Museen unter die Arme greifen
Die staatlichen Museen in Baden-Württemberg sollen nun prüfen, ob sie ihren Energieverbrauch senken können. Das Ministerium für Wissenschaft und Kunst warnt aber vor der „Gefahr, dass sich Schimmel bildet. Deshalb sollten aus konservatorischen Gründen in den Ausstellungs- und Depoträumen möglichst konstante Verhältnisse herrschen.“
Während der Deutsche Kulturrat warnt, dass in kleinen Häusern „ganz schnell die Lichter ausgehen“ könnten, weil sie sich die Energiekosten nicht mehr leisten könnten, sind in Bayern und Baden-Württemberg keine Schließungen geplant, sondern wird man die höheren Ausgaben ausgleichen. „Das Land wird seine Kultureinrichtungen mit dem Problem der massiv gestiegenen Energiekosten nicht alleine lassen“, heißt es im Kunstministerium Baden-Württemberg.
Kunstmuseum Stuttgart will intelligente Technologien einsetzen
Wie sich die Mehrkosten auf das Kunstmuseum Stuttgart auswirken, werde „Thema der kommenden Wirtschafts- und Haushaltsplanungen sein“, sagt die Direktorin Ulrike Groos. Eine Möglichkeit, Energie einzusparen, sieht sie darin, die Klimatisierung in der Verwaltung abzuschalten. Dagegen müssten „Eingriffe in anderen Bereichen wie zum Beispiel der Klimatisierung der Ausstellungsräume und Magazine“ langfristig geplant werden. Auch wenn sich in die bauliche Substanz des gläsernen Kubus „nur bedingt eingreifen“ lasse, will Ulrike Groos auf den Einsatz intelligenter Technologien setzen und zum Beispiel das Beleuchtungssystem auf LED-Technik umstellen. Derzeit werden die Räume noch mit 4000 Leuchtstoffröhren beleuchtet.